Dominikanerbastei

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Dominikanerbastei

Dominikanerbastei

Bezirk
1., Innere Stadt
Benennung
1862 (Bezeichnung der Bastei seit 1786)
Benannt nach
Bastei der Wiener Stadtbefestigung
Länge in Metern
405,11
Gehzeit in Minuten
4,88
Vorherige Bezeichnungen
Predigerbastei, Stadtbastei, Bürgerbastei, Hollerstaudenbastei


Namensgebung und Geschichte

Die Dominikanerbastei ist heute eine Straße an der östlichen Innenstadtkante – und zugleich ein Erinnerungsstreifen an die ehemalige Stadtmauer. Ihr Name führt direkt zurück zur gleichnamigen Bastion und zur Kurtine der Wiener Stadtbefestigung, die hier über Jahrhunderte das Stadtbild prägten.

Die Benennung dieser Gegend erfolgte nach dem Teil der Stadtbefestigung, die 1858 abgetragen wurde, der Dominikanerbastei (auch: Predigerbastei). Ehemals reichte diese vom Stubentor bis zum Dominikanerkloster.[1]

Bereits 1431 war hier ein Erdwall, der nach er ersten Türkenbelagerung (1529) 1544 ummauert und "Stadtbastei" genannt wurde. 1565 wurde der Abschnitt in Bürgerbastei umbenannt, weil sie auf Kosten der Bürgerschaft errichtet wurde und sie dafür das Recht erhielten, sie zu besetzen und zu verteidigen. Zwischen 1674 und 1770 findet sich auch der Name „Hollerstaudenbastei“, erst 1786 Dominikanerbastei. Der Abbruch begann 1847, ein Stück der Bastei ist erhalten geblieben: Die rampenartige Auffahrt zur Barbaragasse.[2]

Zu ihrer Erbauung wurden die Steine des Nikolaiklosters verwendet, das durch die Türken zerstört worden war.

Die geraden Hausnummern des heutigen Straßenverlaufes wurden erst erbaut, als die 1854 erbaute, hier stehende Franz-Josephs-Kaserne 1901 abgebrochen wurde.

Heute verläuft die Dominikanerbastei vom Dr.-Karl-Lueger-Platz entlang der Rückseite des Dominikanerklosters und in leichtem Knick zum Franz-Josefs-Kai. Der Straßenraum ist als Einbahn geführt; im Bereich des Dominikanerkonvents markiert der Niveauunterschied (Rampe) noch immer die alte Höhenkante der Befestigung.

Alte und neue Ansichten

Ausgrabungen

Entlang der Dominikanerbastei ist die „unsichtbare“ Befestigungs- und Baugeschichte immer wieder archäologisch greifbar. Bei einer umfangreichen Leitungsgrabung (Fernkälte/Fernwärme) wurde 2020 eine Trasse vom Franz-Josefs-Kai in die Dominikanerbastei bis zur Kreuzung Rosenbursenstraße begleitet; dokumentiert wurden Befunde von der römischen Kaiserzeit bis ins 19. Jahrhundert. [4]

Besonders eindrucksvoll sind die im Bereich Franz-Josefs-Kai/Dominikanerbastei erfassten massiven Mauerreste der Biberbastion (Face und Kasematten) als Teil der frühneuzeitlichen Festungsanlage. [5] An der Kreuzung Dominikanerbastei/Rosenbursenstraße wurden zudem jüngere bauliche Reste angetroffen, die der Franz-Joseph-Kaserne zugewiesen werden. [6]

Ausgrabungscode Zeitliche Einordnung Beschreibung der Fundstücke
190007 römisch Als man Im Jahr 1900 die Dominikanerbastei abriss, fand man in ihrer Fundamentgrube römische Ziegel, die wieder in die neue Mauer vermauert wurden. Weiters fanden sich mehrere Randstücke von großen Reibschüsseln aus gelbem Ton.
190245 römisch Am 21. Mai 1902 wurden bei der Dominikanerbastei römische Gräber aufgedeckt. Weiters fanden sich Ziegel, Gefäße und Mauerwerk. Am 1. Oktober wurden im Stadtgraben verschiedene Metallgegenstände gefunden .
197116 Neuzeit 1971 wurde im Verlauf des Straßenzuges ein besonders tiefer Fernheizkanal direkt in den Räumen der Kasematten der ehemaligen Bastei angelegt. Dabei wurden die Querwände abgetragen, die Längswände jedoch für den Kanal mitverwendet.

Die Bastei aus Sicht des Jahres 1842

Stadtspaziergang
Etappe 7 - Dominikanerbastei


Standort an der ehemaligen Stadtmauer, Etappe 7

Ein Stadtführer aus dem Jahr 1842 schildert die Eindrücke so:

Auf dem Walle steht dicht am Stubentore Kloster und Kirche der Dominikaner, vor welcher ein hoher Ravelin (Wallschild, schützt den Wall zwischen zwei Bastionen – also die Kurtine) auf dem Walle selbst vorspringt. Biegt man um ihn herum, so kömmt man zu einem Gebäude der Hauptmaut und noch vor diesem ist die Hauptpost, deren Wagenremisen mit Schiefer gedeckt sind. Von der Hauptmaut führt eine offene Brücke ohne Tor aufs Glacis zu den hölzernen Transitmagazinen und hinter diesen ragt an der Vorstadt der imposante neue Bau für die Hauptmaut (Zollamt) empor. Nach dessen Vollendung wird (1843) das Gebäude auf dem Walle eine andere Bestimmung erhalten. [7]

Der Weg führt nun entlang der Dominikanerbastei, vorbei an der Kirche und dem Kloster (heute Postgasse 7-9 zum 1767 erbauten Hauptmautgebäude, auch "Österreichische Postwagendirektion" (Dominikanerbastei 9-13). Hier ist heute das Hauptpostamt untergebracht. Der Blick in die Vorstadt auf den "Neubau der Hauptmaut" bezieht sich auf das Zollamtsgebäude im 3. Bezirk, heute Hintere Zollamtsstraße 2A. Die Stadtmauer ist an dieser Stelle noch teilweise erhalten.

Kurvig weiter.jpg Folge dem Stadtspaziergang 2 - Teil 8: Rund um die Stadtmauer im Jahr 1842 und heute

Die Häuser der Dominikanerbastei

Praktische Hinweise

Erreichbarkeit
Auf der Dominikanerbastei selbst verkehren keine öffentlichen Verkehrsmittel; die nächstgelegenen Zugänge liegen an den Rändern. Naheliegend ist die Station Stubentor (U3) sowie – je nach Ausgangspunkt – Schwedenplatz (U1/U4). Im Nahbereich von Stubentor halten außerdem Straßenbahn Linie 2 sowie Citybus 3A (und Bus 74A).
Besichtigungstipps
Wer den Straßenzug erkundet, kann die Dominikanerbastei gut als Lesestrecke für die frühere Stadtbefestigung nutzen: Besonders anschaulich ist der starke Niveauunterschied – bei der Rampe hinauf zur Predigergasse/Barbaragasse und dann der Abfall Richtung Franz-Josefs-Kai. Unterwegs lohnt es sich, auf den Straßenknick, die „Rückseiten“-Perspektiven (Dominikanerkloster/Postsparkasse-Umfeld) und die Übergänge zum Donaukanal zu achten.
Dominikanerbastei – Überblick
Benennung
Verkehrsfläche seit 1862; der Name erinnert an die gleichnamige Bastei der Wiener Stadtbefestigung (Bezeichnung seit 1786).
Stadtbefestigung
Historische Namensfolge u. a. Stadtbastei/Bürgerbastei, Hollerstaudenbastei, seit 1786 Dominikanerbastei; Abtrag großer Teile 1854–1857 im Zusammenhang mit der Franz-Joseph-Kaserne
Charakter
Einbahngeführter Straßenzug an der östlichen Innenstadtkante mit markantem Höhenversprung (Rampe beim Dominikanerkloster); auf der Straße selbst keine Öffis, dafür sehr nahe Knoten Stubentor/Schwedenplatz.
Navigation

→ weiter zu den kreuzenden Straßen Dr.-Karl-Lueger-Platz | Predigergasse | Falkestraße | Barbaragasse | Rosenbursenstraße | Wiesingerstraße | Auwinkel | Franz-Josefs-Kai
→ weiter zu Dominik-Wölfel-Gasse (alphabetisch)
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Quellen

  1. Richard Groner: Wien wie es war. Ein Nachschlagewerk für Freunde des alten und neuen Wien, Fritz Molden-Verlag, 1965, Wien, S. 120
  2. Richard Groner: Wien wie es war. Ein Nachschlagewerk für Freunde des alten und neuen Wien, Fritz Molden-Verlag, 1965, Wien, S. 118
  3. Atelier Friedrich Kuranda (Hersteller), Gruß aus Wien. Dominikaner-Bastei im I. Bezirk, Ecke der Wollzeile., ca. 1899, Wien Museum Inv.-Nr. 17161/27, CC0 (https://sammlung.wienmuseum.at/objekt/102251/)
  4. Fundort Wien 24 (2021), Wien 1, Leitungsgrabung; Trasse bis Dominikanerbastei/Rosenbursenstraße. https://stadtarchaeologie.at/wp-content/uploads/2026/01/FWien_24-2021_Wien_01_Franz-Josefs-Kai.pdf
  5. Fundort Wien 24 (2021), Mauerreste der Biberbastion im Bereich Franz-Josefs-Kai/Dominikanerbastei. https://stadtarchaeologie.at/wp-content/uploads/2026/01/FWien_24-2021_Wien_01_Franz-Josefs-Kai.pdf
  6. Fundort Wien 24 (2021), bauliche Reste der Franz-Joseph-Kaserne im Bereich Dominikanerbastei/Rosenbursenstraße. https://stadtarchaeologie.at/wp-content/uploads/2026/01/FWien_24-2021_Wien_01_Franz-Josefs-Kai.pdf
  7. Adolf Schmidl: C. Gerold, Eine Woche in Wien: Zuverlässiger und zeitsparender Führer durch die Kaiserstadt und ihre nächsten Umgebungen, Tag 1, 1842, Wien, Seite 4 – 13