Stadtspaziergang: Wege durchs mittelalterliche Wien

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Stadtspaziergänge
Stadtspaziergang: Wege durchs mittelalterliche Wien

Sichtbares Mittelalter – Ein Stadtspaziergang durch den 1. Bezirk

  • Dauer: ca. 1,5–2 Stunden
  • Startpunkt: Stubentor
  • Endpunkt: Franziskanerkirche / Kleines Café
  • Fokus: Bauliche Spuren des mittelalterlichen Wiens – Stadtmauer, Kirchen, Gassen, Plätze
  • Ziel: Geschichte sichtbar machen, wo sie überlebt hat – mitten in der Innenstadt

Wien war im Mittelalter eine ummauerte Stadt mit engen Gassen, Türmen, Märkten und Höfen. Viele dieser Strukturen sind heute überlagert – doch manches ist noch sichtbar, wenn man weiß, wo man schauen muss. Dieser Spaziergang führt zu 12 Orten, an denen das mittelalterliche Wien noch „durchscheint“.

CityABC Sichtbares Mittelalter 1Bezirk Karte.html

✠ Station 1: Stubentor – Freigelegte Stadtmauer

  • Ort: Stubentor (U3-Ausgang, nahe Wollzeile)
  • Empfohlene Verweildauer: 5–10 Minuten

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Stadtmauerreste beim Stubentor

Am Ausgang der U-Bahn-Station Stubentor befinden sich die am besten zugänglichen Reste der mittelalterlichen Stadtmauer Wiens. Die Ausgrabungen zeigen Teile des ehemaligen äußeren Basteigürtels sowie Fundamente eines Verteidigungsturms. Das Stubentor war ein wichtiger Stadtausgang Richtung Osten. Die hier sichtbare Mauer stammt großteils aus dem 13. bis 15. Jahrhundert, wurde aber später teilweise überbaut. Eine Visualisierung im Straßenpflaster zeigt den Verlauf des Stadttores – mit begehbarem Zugang.

✠ Station 2: Dominikanerbastei 10 – Mauerschichten beim Alten Salzamt

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Mauerreste bei der Dominikanerbastei

An der Ecke Dominikanerbastei / Salztorgasse sind in einem Halbrund mehrere Mauerschichten aus verschiedenen Jahrhunderten freigelegt. Besonders eindrucksvoll sind die römischen Fundamentsteine, darüber mittelalterliche und frühneuzeitliche Aufmauerungen. Der Ort zeigt eindrucksvoll, wie Wien Schicht für Schicht gewachsen ist. Das benachbarte Gebäude ist das ehemalige Salzamt, heute Sitz eines Künstlerhauses.

✠ Station 3: Steyrerhof – Babenberger Turm

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Babenberger Turm im Steyrerhof

Im Steyrerhof steht ein quadratischer Wohnturm mit romanischem Fundament und gotischen Fenstern. Der Bau wird traditionell als Babenberger Turm bezeichnet. Vermutlich stammt er aus dem 13. oder frühen 14. Jahrhundert und gehört zu den letzten Beispielen dieser frühstädtischen Wohnbauform.

✠ Station 4: Griechengasse 4 – Gotische Wohnfassade

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Gotische Wohnfassade in der Griechengasse

An der Rückseite des Hauses Griechengasse 4 ist eine gotische Steinfassade mit spitzbogigen Maßwerkfenstern erhalten – eines der wenigen gut sichtbaren Beispiele für das mittelalterliche Wohnen in Wien. Die Gasse selbst zählt zu den besterhaltenen mittelalterlichen Straßenzügen der Innenstadt.

✠ Station 5: Ruprechtskirche – Älteste Kirche Wiens

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Ruprechtskirche von außen

Die Ruprechtskirche gilt als älteste erhaltene Kirche Wiens. Ihr Ursprung geht vermutlich auf das 8. oder frühe 9. Jahrhundert zurück, erste schriftliche Erwähnung um 1200.

Sie war dem Hl. Ruprecht, Schutzpatron der Salzschiffer, geweiht – ein Hinweis auf die einstige Nähe zum Donauarm und Hafen.

Besonders eindrucksvoll sind der romanische Turm mit Rundbogenfenstern und das Mauerwerk mit eingemauerten Spolien. Im Inneren lassen sich Elemente aus verschiedenen Epochen entdecken, u. a. frühgotische Spitzbögen und barocke Ergänzungen.

Die erhöhte Lage am Hang betont ihre einstige Bedeutung als spirituelles Zentrum in der nordwestlichen Altstadt.

✠ Station 6: Tiefer Graben – Verlauf des mittelalterlichen Stadtgrabens

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Tiefer Graben heute

Der Tiefer Graben markiert den Verlauf eines ehemaligen Bachlaufs, der als natürlicher Graben die mittelalterliche Stadtgrenze bildete.

Im Mittelalter war dies der Nordwestgraben vor der Stadtmauer – mit Brücken und Verteidigungsanlagen. Die Bezeichnung "Tiefer Graben" blieb bis heute erhalten, obwohl das Bachbett längst überbaut wurde.

Der heutige Straßenzug vermittelt mit seiner Tieflage und dem Verlauf noch einen guten Eindruck von der ursprünglichen Stadtstruktur. An einigen Stellen erkennt man den Höhenunterschied zu den umliegenden Gassen besonders deutlich.

✠ Station 7: Judenplatz – Zentrum des jüdischen Wien im Mittelalter

  • Ort: Judenplatz, 1010 Wien
  • Empfohlene Verweildauer: 15–20 Minuten (mehr bei Museumsbesuch)

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Fundamente der mittelalterlichen Synagoge

Der Judenplatz war im Mittelalter das religiöse, soziale und wirtschaftliche Zentrum der jüdischen Gemeinde in Wien.

Hier befand sich die Or-Sarua-Synagoge (erbaut um 1300), deren Fundamente heute im Untergeschoß des Museums am Judenplatz zugänglich sind.

Nach dem Pogrom von 1421 unter Albrecht V. wurde die jüdische Gemeinde ausgelöscht – über 200 Personen wurden am Wiener Donauufer verbrannt, die Gebäude zerstört.

Heute erinnern das Museum, die Ausgrabung und das **Holocaust-Denkmal** von Rachel Whiteread an die lange, oft tragische Geschichte der Juden in Wien.

✠ Station 8: Petersplatz – Älteste Pfarre Wiens & mittelalterliche Krypta

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Krypta unter der Peterskirche

Die Peterskirche gilt als älteste Pfarrkirche Wiens, mit Wurzeln in der Karolingerzeit. Der heutige barocke Bau stammt aus dem 18. Jahrhundert, doch die frühmittelalterlichen und romanischen Vorgängerbauten reichen bis ins 8. Jahrhundert zurück.

Besonders eindrucksvoll ist die **unterirdische Krypta**, die in Teilen das mittelalterliche Fundament und Gewölbe zeigt. Bei einer Führung (z. B. durch Time Travel Vienna) lässt sich das ursprüngliche Kirchenareal unterhalb der heutigen Fläche erkunden – inklusive erhaltenen Mauerzügen, Gräbern und Bauresten aus mehreren Jahrhunderten.

Der Platz vor der Kirche war ein bedeutender Ort der städtischen Frühgeschichte – mit Bestattungen, Gerichtsstätte und kirchlichem Zentrum.

✠ Station 8: Petersplatz – Älteste Pfarre Wiens, Krypta & Marktplatz

Datei:Wien Peterskirche Krypta 2023.jpg

Krypta unter der Peterskirche

Die Peterskirche gilt als älteste Pfarrkirche Wiens, mit Wurzeln in der Karolingerzeit. Der heutige barocke Bau stammt aus dem 18. Jahrhundert, doch die frühmittelalterlichen und romanischen Vorgängerbauten reichen bis ins 8. Jahrhundert zurück.

Besonders eindrucksvoll ist die **unterirdische Krypta**, die in Teilen das mittelalterliche Fundament und Gewölbe zeigt. Bei einer Führung (z. B. durch Time Travel Vienna) lässt sich das ursprüngliche Kirchenareal unterhalb der heutigen Fläche erkunden – inklusive erhaltenen Mauerzügen, Gräbern und Bauresten aus mehreren Jahrhunderten.

Der Petersplatz selbst war im Mittelalter auch ein **zentraler Markt- und Gerichtsplatz**. Hier fanden u. a. der Brotmarkt, der Fischmarkt und saisonale Jahrmärkte statt. Die Nähe zur Stadtmauer und zur Kirche machte den Platz zu einem belebten Zentrum städtischen Lebens.

✠ Station 9: Tuchlauben & Bognergasse – Mittelalterliche Handelsstraßen

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Straßenzug Tuchlauben – Bognergasse

Die Tuchlauben und die Bognergasse zählen zu den ältesten durchgehend genutzten Straßen Wiens. Ihr gewundener Verlauf ist bis heute ein deutlich sichtbares Relikt der mittelalterlichen Stadtstruktur.

In der Tuchlauben waren seit dem 13. Jahrhundert die Tuchhändler ansässig – daher der Straßenname. Auch Bogner (Bogenmacher) und andere Handwerks- und Handelsberufe prägten diesen Abschnitt.

Mehrere Häuser an der Tuchlauben und Bognergasse enthalten bis heute romanische oder gotische Bauelemente, die teils in Höfen oder Kellern erhalten sind. Der Platz war außerdem ein Teil der innerstädtischen Marktlandschaft und wichtig für die Versorgung des alten Wiens.

✠ Station 10: Stephansdom – Romanischer Kern & gotische Fassade

  • Ort: Stephansplatz, 1010 Wien
  • Empfohlene Verweildauer: 15–20 Minuten

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Riesentor und romanischer Westteil

Der Stephansdom ist eines der bedeutendsten Bauwerke der Gotik im deutschen Sprachraum – doch sein Ursprung liegt im **romanischen Wien des 12. Jahrhunderts**.

Das markante **Riesentor** an der Westseite stammt um 1230/40 und ist eines der größten erhaltenen romanischen Portale Österreichs. Der untere Teil des Westwerks einschließlich der beiden Türme geht noch auf die erste romanische Kirche (Weihe 1147) zurück.

Der nach Osten verlängerte Baukörper und die beiden hohen Türme (Südturm, Nordturmstumpf) wurden im 14. bis 15. Jahrhundert errichtet – in hoch- und spätgotischem Stil.

Im Inneren sind viele mittelalterliche Kunstwerke erhalten geblieben, darunter Grabplatten, Statuen, Kapellen und Fenster. Besonders der Bereich rund um das Riesentor erlaubt einen unmittelbaren Eindruck vom mittelalterlichen Wien.

✠ Station 11: Singerstraße / Fähnrichhof – Verlauf der mittelalterlichen Stadtmauer

An der Ecke Singerstraße und Fähnrichhof sind Teile des mittelalterlichen Stadtmauerverlaufs im Straßenbild sichtbar gemacht.

Die freigelegte Fundamentlinie im Pflaster markiert einen Abschnitt der Wiener Stadtmauer, wie sie im 13. bis 15. Jahrhundert bestand. Diese verlief hier parallel zur heutigen Straße – direkt hinter dem damaligen Stadtgraben.

Die Singerstraße folgt dem Verlauf der innerstädtischen Grenze zwischen dem römischen Legionslager (Vindobona) und der mittelalterlichen Stadterweiterung.

Ein kurzer Blick in den Innenhof lohnt sich: Dort sind noch Reste des mittelalterlichen Mauerwerks und Gassenverlaufs nachvollziehbar.

✠ Station 12: Franziskanerkirche – Romanisches Mauerwerk & alte Gassenstruktur

Die Franziskanerkirche wurde um 1383 begonnen und steht auf den Fundamenten eines früheren Frauenklosters. In der Westfassade und im Fundamentbereich sind noch Teile romanischen Mauerwerks erkennbar.

Der Standort selbst – zwischen Ballgasse und Weihburggasse – zeigt die **enge mittelalterliche Gassenstruktur**, die hier noch gut nachvollziehbar ist.

Innen besticht die Kirche durch eine Kombination aus gotischem Grundriss, barocker Ausstattung und einer der ältesten erhaltenen Orgeln Wiens. Der angrenzende Franziskanerplatz war über Jahrhunderte hinweg ein ruhiger Klosterplatz im südöstlichen Altstadtbereich.


☕ Abschluss: Kleines Café – Zwischen Mittelalter und Bohème

Am Franziskanerplatz liegt mit dem Kleinen Café eines der atmosphärisch dichtesten Kaffeehäuser Wiens – gegründet in den 1970er-Jahren von Hanno Pöschl und Hermann Czech.

In den niedrigen Räumen mit Gewölbe und viel Holz treffen sich heute Intellektuelle, Künstler und Stadtspaziergänger. Der Platz selbst vermittelt mit seiner geschlossenen Bebauung und ruhigen Atmosphäre den Charme eines mittelalterlichen Hofraums – ideal als Ausklang dieses Rundgangs.

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