Neutorgasse

Aus City ABC
Wechseln zu: Navigation, Suche
Neutorgasse

Wien 01 Neutorgasse a.jpg

Benennung 1870
Benannt nach Neutor, einem Teil der Stadtbefestigung
Straßenlänge 337,85 Meter [1]
Gehzeit 4,07 Minuten
Vorherige Bezeichnungen keine


Namensgebung und Geschichte

Die Benennung der Gasse geht auf einen Teil der Stadtbefestigung zurück, das Neutor.

Das Neutor

1558 wurde das "neue" Stadttor errichtet, es war der Ersatz für das zuvor gesperrte Werdertor. Das "Neue Wernertor" (eine Verballhornung des Werdertors) wurde ab 1642 "Neues Tor", ab 1683 "Neutor" genannt und war der Zugang zur Vorstadt Rossau.

Westlich von dem Tor erstreckte sich das (untere) Arsenal, das bis zur Schottenbastei reichte, östlich davon schloss die Elendbastei (heute der Rudolfsplatz) an.

Das Tor sorgte auch dafür, dass die Stadt ein neues Wahrzeichen trug: Wiens größten Stein. Das Tor wurde nämlich durch diesen Stein oben verschlossen, eine Inschrift besagte: DISER STAIN WIGT 164 C. 51 p. Dieser Schlussstein wog also tatsächlich 16.451 Pfund. [2]

Das Tor wurde 1859 abgebrochen.

Abgerissene Häuser zwischen Salzgries und Franz-Josefs Kai

Bis 1876 befanden sich auf dem Areal zwischen Salzgries und Franz-Josefs-Kai in Richtung Neutor vierzehn Häuser, die hauptsächlich der Stadtguardia dienten. Im Zuge der Stadterweiterung wurden sämtliche Häuser abgebrochen.

  • Unmittelbar neben dem Neutor gelegen befand sich eine Militärwachstube (vor 1862: Stadt 196 | vor 1821: 203 | vor 1795: 336).
  • Haus 197 (vor 1821: 204 | vor 1795: 337) diente als Mauthaus der Gemeinde. In ihm wohnte der Scharfrichter mit seinen Freiknechten, das Haus scheint auch als "das Gnaden Stockhaus" auf.
  • Haus 198 (vor 1821: 205 | vor 1795: 338) trug den Namen "Zum heiligen Martin". Es gehörte ursprünglich auch dem Regiment, wurde aber 1747 an den Regimentsprofoßen Johann Michael Auer übertragen.
  • Haus 199 (vor 1821: 206 | vor 1795: 339) ist als k.k. Stabshaus vermerkt. Es muss unheimlich ausgesehen haben, denn es wird mit schwervergitterten Fenstern beschrieben.

Auf der anderen Seite des Neutors befanden sich ein größeres und vier kleine Bürgerhäuser.

  • Haus 195 (vor 1821: 202 | vor 1795: 335) war das "Freymannshaus" und trug den Namen "Zum neuen Tor".
  • Haus 194 (vor 1821: 201 | vor 1795: 334) trug den Namen "Zum Schiff", scheint aber ab 1695 auch als "Penzisches Haus beim Neuen Tor" auf. Es handelte sich dabei um ein Haus mit sechs winzigen Wohnungen, die jeweils aus einer "Kuchl", einer Kammer und einer Stube bestanden.
  • Haus 193 (vor 1821: 200 | vor 1795: 333) war ein Soldatenquartierhäusel, das zu einem Stadthaus am Judenplatz 8 gehörte.
  • Haus 192 (vor 1821: 199 | vor 1795: 332) war ebenfalls ein Soldatenquartierhäusel und gehörte zum Kammerhof, Landskrongasse 1-3
  • Haus 191 (vor 1821: 198 | vor 1795: 331) wurde als ehemaliges Regimentshaus 1719 ebenfalls von Johann Michael Auer (Haus 198) erworben und von diesem neu erbaut.

Im rechten Winkel zu dieser Häuserzeile befanden sich noch zwei kleine Häuser:

  • Haus 190 (vor 1821: 196 | vor 1795: 329) besaß ab 1701 der Korporal der Stadtguardia, Christoph Gnadendorffer.
  • Haus 189 (vor 1821: 197 | vor 1795: 330), ein Soldatenhäuschen, gehörte zum Stadthaus Rotgasse 3 (heute Rotgasse 1-7)

Direkt auf der "Elendbastey" befanden sich drei weitere Häuser:

  • Haus 1170 (vor 1821: 1244 | vor 1795: 1234) erlangte traurige Berühmtheit, denn hier lebte Franz de Paula von Zahlheim, der Raubmörder.
  • Haus 1171 (vor 1821: 1245 | vor 1795: 1233) gehörte dem Wirten des "Goldenen Greifs" in der Kärntner Straße (heute: Kärntner Straße 29-33).
  • Haus 1172 (vor 1821: 1246 | vor 1795: 1232) war 1766 in Besitz von Mathias Stögmayer, der die Verpflichtung erhielt, die Stiege aufgrund der "gefährlichen Lage" bis unters Dach aus Stein zu erbauen.

Das Tor aus Sicht des Jahres 1842

Standort an der ehemaligen Stadtmauer, Etappe 10
Inneres des Neutors, gegen das Glacis gesehen)
Inneres des Neutors, gegen die Stadt gesehen)

Ein Stadtführer aus dem Jahr 1842 schildert die Eindrücke so:

Man steht nun über dem Neuen Tore, die Straße auf dem Glacis führt zur Augartenbrücke (mit hölzernen Jochen) und hinter den Häusern der Leopoldstadt ragen die Bäume des Augartens empor, an welchen die Brigittenau stößt. Am diesseitigen Ufer reicht die Vorstadt Rossau an den Donaukanal, weiterhin Lichtental mit der Servitenkirche, dahinter die Höhe von Döbling vor dem Kahlengebirge. Der Berg zunächst an der Donau ist der Leopoldsberg, wo die Herzogsburg der Babenberger stand, sein Nachbar ist der größere Kahlenberg (Josephsberg). Auf der Bastei hat man neben sich das lange Dach des Arsenals und der Proviantbäckerei.

[3]

Die Augartenbrücke, damals ein Holzjoch über den Donaukanal, wurde 1782 erbaut, sie wurde nach kompletter Zerstörung im Zweiten Weltkrieg 1946 als erste wieder instand gesetzte Brücke für den Verkehr geöffnet. Die Servitenkirche stand bereits 1651 hier und ist noch heute einer der wenigen erhaltenen Frühbarockkirchen Wiens. Das auf der Bastei liegende Arsenal mit der Proviantbäckerei befand sich etwa bei Renngasse 3-9, Wipplingerstraße 27-31 (Arsenal). Es wurde um 1860 abgerissen und durch Wohnhäuser ersetzt.

Kurvig weiter.jpgFolge dem Stadtspaziergang 2 - Teil 11: Rund um die Stadtmauer im Jahr 1842 und heute

Häuser der Gasse



Gehe weiter zu den kreuzenden Straßen Salzgries | Heinrichsgasse | Werdertorgasse | Eßlinggasse | Zelinkagasse | Schottenring

Gehe zurück zu Straßen des 1. Bezirks | Rund um die Stadtmauer im Jahr 1842 und heute (Hauptseite)

Quellen

  1. Datenquelle: Stadt Wien - data.wien.gv.at
  2. Gerhard Robert Walther von Coeckelberghe-Dützele: Curiösitäten- und memorabilien-lexicon von Wien, Wien, 1846. S. 217
  3. Adolf Schmidl: C. Gerold, Eine Woche in Wien: Zuverlässiger und zeitsparender Führer durch die Kaiserstadt und ihre nächsten Umgebungen, Tag 1, 1842, Wien, Seite 4 – 13