Porta Decumana
- Bezirk
- 1., Innere Stadt
- Lage
- Kreuzung Graben / Tuchlauben / Naglergasse (Bereich Tuchlauben 1)
- Epoche
- Römische Kaiserzeit (Legionslager Vindobona)
- Funktion
- Südliches Lagertor; Endpunkt der via decumana
- Befund
- Fundamentreste eines Torturms (wieder) dokumentiert 2019
- Nachfolge
- Mittelalterliches Peilertor über römischen Fundamenten (Abbruch 1731/1732)
- Sichtbarkeit
- Heute nicht sichtbar; Befund liegt unter dem Straßenpflaster
Porta Decumana
Die porta decumana war das südliche Lagertor des römischen Legionslagers Vindobona und markierte den Endpunkt der via decumana, einer der zentralen Lagerstraßen.
Als Lagertor markierte sie einen entscheidenden Übergang zwischen dem militärischen Innenraum des Kastells und dem vorgelagerten Bereich mit Grabenanlagen und Verkehrswegen. Im heutigen Stadtplan entspricht der Bereich der Toranlage dem Umfeld der Kreuzung Graben–Tuchlauben–Naglergasse. Vindobona – Informationen zum Römermuseum für LehrerInnen, Wien Museum (PDF)</ref>
Bei Bauarbeiten nach einem Gasgebrechen wurden 2019 Fundamentsteine sichtbar, die es ermöglichen, Lage und Aufbau des südlichen Tores deutlich präziser zu rekonstruieren.[1][2][3]Gefunden wurden Fundamentsteine des Torbogens bzw. Torreste im Erdreich, die im Zuge von Aufgrabungen kurzfristig zugänglich waren. [4]
In der römischen Militärarchitektur endete die via decumana an der porta decumana. Die Stadtarchäologie Wien ordnet den dokumentierten Torturm in die Kaiserzeit ein und nennt für die sichtbaren Fundamentstrukturen eine Datierung um 100 n. Chr.[5] In der wissenschaftlichen Auswertung werden für die Toranlage Rekonstruktionsmaße diskutiert; dabei wird u. a. eine Gesamtbreite von rund 27,20 m (Torbau ca. 9,50 m) und eine Durchfahrtsbreite von rund 3,80 m genannt.[6]
Das Peilertor und mittelalterliche Stadtbefestigung
Der Bereich der porta decumana blieb auch nach dem Ende der römischen Nutzung ein stadträumlich logischer Durchlass: Das "Peilertor" wurde wahrscheinlich auf den Resten der römischen Toranlage erreichtet und ermöglichte Zugang in die mittelalterliche Stadt. Das Tor trug mehrere historische Bezeichnungen, u. a. Peurertor, Pailer, Peuler, Bairer und Peyrertor".
Als frühester schriftlicher Nachweis wird 1278 angeführt, 1426 wird ein Umbau wegen Baufälligkeit erwähnt.[7]
Abgebrochen wurde das Tor (je nach Darstellung) 1731 bzw. 1732. [8][9]
Heute vor Ort
Vor Ort ist heute kein sichtbarer Baubestand erhalten, weil die dokumentierten Strukturen wieder überdeckt wurden. Dennoch lässt sich die römische Logik im Stadtgrundriss gut erzählen: Wer vom Michaelerplatz über den Kohlmarkt in Richtung Graben geht, bewegt sich entlang jener Achse, die als Annäherung an die via decumana interpretiert wird, und erreicht genau den Bereich, in dem das südliche Lagertor verortet wird.[10] Für eine vertiefende Auseinandersetzung mit Vindobona bietet sich zudem ein Besuch des Römermuseums am Hohen Markt an, in dem weitere Befunde und Originalfunde aus dem Legionslager und seinem Umfeld gezeigt werden.[11]
- Vindobona Rekonstruktion
Zeittafel
| Zeit | Ereignis |
|---|---|
| um 100 n. Chr. | Torturmfundamente der porta decumana (Datierung der dokumentierten Befunde).[12] |
| Hochmittelalter bis frühe Neuzeit | Errichtung und Nutzung des nachfolgenden Stadttores Peilertor im unmittelbaren Bereich der römischen Anlage; verschiedene Namensformen sind überliefert, und das Tor ist seit 1278 in Quellen genannt; ein Umbau wird für 1426 genannt, später diente es u. a. als städtisches Gefängnis.[13] |
| 1731/1732 | Abbruch des Peilertors im Zuge verkehrlicher Umgestaltungen.[14][15] |
| April/November 1901 | Entdeckung des Südtores im Zuge der Errichtung des Hauses Tuchlauben 1/Naglergasse 2/Bognergasse 1 bzw. beim anschließenden Kanalbau.[16] |
| 23. bis 29. April 2019 | Zufallsfund nach einem Gasrohrgebrechen; archäologische Dokumentation durch die Stadtarchäologie Wien in mehreren Künettenabschnitten.[17][18] |
| Sommer 2019 | Weitere römerzeitliche Befunde im Umfeld der porta decumana im Zuge des Baus einer Fernkälteleitung (u. a. Seitzer- und Bognergasse sowie Tuchlauben).[19] |
| Heute | Die Befunde sind wieder überpflastert; eine dauerhafte Sichtbarmachung ist an dieser Stelle nicht vorgesehen.[20] |
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Quellen
- ↑ Römisches Tor bei Bauarbeiten freigelegt, wien.ORF.at, publiziert am 10.05.2019
- ↑ Überreste eines römischen Tors in der Wiener Innenstadt freigelegt, Der Standard, 10.05.2019
- ↑ Wien Museum: Vindobona – Historischer Abriss und Rundgang (Informationsblatt zum Römermuseum; Hinweis auf die porta decumana an der Ecke zu den Tuchlauben). PDF.
- ↑ Der Standard: Überreste eines römischen Tors (Porta Decumana) in der Wiener Innenstadt freigelegt; Kontext: Bauarbeiten, kurzfristige Sichtbarkeit der Befunde.
- ↑ Fundamente des Torturms der porta decumana gefunden, Stadtarchäologie Wien
- ↑ M. Mosser: Am Südtor von Vindobona – Befunde im Legionslager Vindobona. Teil X, Fundort Wien 23/2020 (PDF), Tabelle/Abschnitt zum Vergleich der Maße, abgerufen am 18.12.2025.
- ↑ M. Mosser: Am Südtor von Vindobona – Befunde im Legionslager Vindobona. Teil X, Fundort Wien 23/2020 (PDF)
- ↑ Vindobona – Informationen zum Römermuseum für LehrerInnen, Wien Museum (PDF)
- ↑ M. Mosser: Am Südtor von Vindobona – Befunde im Legionslager Vindobona. Teil X, Fundort Wien 23/2020 (PDF)
- ↑ Überreste eines römischen Tors in der Wiener Innenstadt freigelegt, Der Standard, 10.05.2019
- ↑ Vindobona – Informationen zum Römermuseum für LehrerInnen, Wien Museum (PDF)
- ↑ Fundamente des Torturms der porta decumana gefunden, Stadtarchäologie Wien
- ↑ M. Mosser: Am Südtor von Vindobona – Befunde im Legionslager Vindobona. Teil X, Fundort Wien 23/2020 (PDF).
- ↑ Römisches Tor bei Bauarbeiten freigelegt, wien.ORF.at, publiziert am 10.05.2019
- ↑ M. Mosser: Am Südtor von Vindobona – Befunde im Legionslager Vindobona. Teil X, Fundort Wien 23/2020 (PDF)
- ↑ M. Mosser: Am Südtor von Vindobona – Befunde im Legionslager Vindobona. Teil X, Fundort Wien 23/2020 (PDF).
- ↑ Römisches Tor bei Bauarbeiten freigelegt, wien.ORF.at, publiziert am 10.05.2019
- ↑ M. Mosser: Am Südtor von Vindobona – Befunde im Legionslager Vindobona. Teil X, Fundort Wien 23/2020 (PDF)
- ↑ M. Mosser: Am Südtor von Vindobona – Befunde im Legionslager Vindobona. Teil X, Fundort Wien 23/2020 (PDF).
- ↑ Überreste eines römischen Tors in der Wiener Innenstadt freigelegt, Der Standard, 10.05.2019
