Kategorie:Postwesen
Das Wiener Postwesen
Wien war über Jahrhunderte nicht nur eine große Empfängerstadt für Nachrichten, Güter und Amtsstücke, sondern als Residenz- und Verwaltungszentrum auch ein organisatorischer Knoten des Postwesens. Die Entwicklung lässt sich gut an drei Strängen erzählen: am frühneuzeitlichen Aufbau eines überregionalen Postkursnetzes, an den Wiener Postgebäuden (als sichtbarer Infrastruktur) und an der Stadtzustellung, die erst relativ spät als eigener Dienst entstand.[1][2]
Anfänge: Maximilian I. und die Taxis
1488/1489 begann Kaiser Maximilian I. (bzw. sein Hof) mit dem systematischen Aufbau eines geregelten Post- und Kurierwesens in den habsburgischen Territorien; beauftragt wurde dafür Janetto von Taxis (Janetto de Tassis).[3][4] In dieser Phase war Innsbruck ein wichtiger Regierungssitz Maximilians, und die frühen Postkurse orientierten sich stark an den politischen und dynastischen Verbindungen in Richtung der burgundischen Niederlande. In den folgenden Jahren wurden daher auch Routen in Richtung Mechelen (Malines) relevant, das im habsburgischen Netzwerk eine zentrale Rolle spielte.[5]
Das Postregal in Wien: Die Reichsgrafen Paar
Zwischen 1570 und 1722 übte die Familie der Reichsgrafen Paar das Postwesen als erbliches Lehen aus: Das Postregal in den Erbländern war an die Familie Paar verliehen, und das „Obriste Hofpostmeisteramt“ fungierte als oberste Postbehörde.[6][7] Sie waren in der Wollzeile ansässig; ihr Sitz – und damit der Sitz des „Obristen Hofpostmeisteramts“ – lag im Paarpalais, Wollzeile 30-34.[8][9]
Um 1700 spaltete sich die Briefpost ab und übersiedelte in die Große Schulerstraße (Schulerstraße 1-3). 1849 folgte der Umzug in das ehemalige Hauptmautgebäude bzw. Hauptpostgebäude am Fleischmarkt 19.[10][11][12]
Ab 1722 übernahm der Staat die Aufgaben der Familie Paar.[13]
Postkutsche und Stadtzustellung
Der Transport der Post über Land erfolgte durch Postkutschen, die häufig auch zahlende Fahrgäste mitnahmen.[14] Reiseberichte zeigen, wie strapaziös diese Art des Reisens war. Mozart schrieb 1780/1781 über die Postwagen sinngemäß, die Sitze seien „hart wie Stein“ – eine vielzitierte Pointe, die bis heute als verdichtetes Bild für den Reisekomfort der Zeit gilt.[15][16]
Innerhalb der Stadt übernahmen private Kutschen und Boten das Ausliefern; dafür prägten sich Bezeichnungen wie Klapperpost oder Kleine Post aus – ein wichtiger Schritt, weil die „große Post“ lange Zeit primär von Ort zu Ort zustellte, nicht aber als flächendeckendes innerstädtisches Verteilsystem funktionierte.
Die Klapperpost
1772 hatten die Holländer Johann Batist Schooten van Bergestraaten, Josef Harty und Carl Chevalier de Briennen die Idee, auch in Wien ein besonderes Service zu etablieren, wie sie es in anderen Städten, wie London oder Paris gesehen hatten: die kleine Post (im Volksmund bald Klapperpost).[18][19] Bisher hatte in Wien die große Post von Ort zu Ort zugestellt, innerhalb von Wien gab es jedoch kein Verteilsystem. Mit der kleinen Post wurden nun Personen mit einer Klapper ausgestattet, mit der sie durch Wiens Straßen gingen. Für die Innere Stadt wurden vier Klapperer, für die Vorstädte acht und weitere acht für die Umgebung Wiens eingestellt. Die Bürger konnten sie aufhalten und ihre Briefe für zwei Kreuzer mitgeben. Die gesammelte Post wurde im Postamt der Stadtpost in der Bäckerstraße 5 sortiert und dann wieder ausgetragen.[20][21]
1785 erfolgte die Übernahme des privaten Postunternehmens durch die k. u. k. Hofpostverwaltung; aus dieser Entwicklung ging 1830 die Wiener Stadtpost hervor.[22][23]
Die Wiener Stadtpost
Die Wiener Stadtpost wurde schließlich 1830 gegründet. Ab diesem Zeitpunkt wurden 46 Bestellbezirke von jeweils einem Briefträger beliefert, der fünf Mal am Tag die Post austrug.[24]
Am 1. Juli 1850 nahm der Deutsch-Österreichische Postverein seine Tätigkeit auf; er betreute bis zu seinem Ende 1866/1867 etwa 72 Millionen Menschen.[25][26] Im gleichen Jahr wurde in Österreich die Briefmarke eingeführt; die erste Ausgabe (Wappenausgabe) wurde ab 1. Juni 1850 verwendet.[27][28] 1869 kam die Correspondenz-Karte (Postkarte) hinzu, die als Innovation des Massenalltags eine neue, schnelle und günstige Kommunikationsform etablierte.[29][30]
Auch Postkästen wurden erstmals 1850 verwendet; in der frühen Praxis wurden sie teils so angebracht, dass sie auch von Kutschern gut erreichbar waren; zum Beispiel in Höhe der ersten Etage von Häusern. Ein Beispiel dafür findet sich in der Innenstadt bei Steindlgasse 4.[31]
Rohrpost: Beschleunigung im innerstädtischen Verteilen
1874/1875 wurde eine innerstädtische Erleichterung geschaffen: die Rohrpost. Mit ihrer Hilfe konnten Telegramme, Eilsendungen und später auch Briefsendungen deutlich schneller innerhalb Wiens verteilt werden; das Netz wurde schrittweise ausgebaut und 1956 eingestellt.
Früh genannte Stationen lagen u. a. bei der Telegraphenzentralstation (Börseplatz 1) sowie im Umfeld des Fleischmarkts (Laurenzergebäude). Die Anlage, die mit Druckluft Sendungen zwischen den Bezirken beförderte, wurde bis 1956 benutzt. [32]
Postleitzahlen
Postleitzahlen gibt es in Österreich erst seit dem 1. Jänner 1966; sie wurden eingeführt, um den Verteildienst zu rationalisieren.[33][34]
Post, Telegraphie und Telefon: Orte im Stadtbild
Die Post ist in Wien auch als „Gebäudegeschichte“ gut ablesbar: Hauptpost, Telegraphie und frühe Telefon-Infrastruktur konzentrierten sich in der Inneren Stadt und im Bereich wichtiger Verwaltungsachsen. Ein Einstieg in die Sammlungsgeschichte des Post- und Fernmeldewesens bietet auch das ehemalige Post- und Telegraphenmuseum.[35]
Weitere Gebäude, in denen sich Teile der Post angesiedelt hatten oder auch immer noch haben, finden sich hier:
- Post- und Telegraphendirektion, Biberstraße 1
- Telegraphenzentralstation, Börseplatz 1
- Telephon-Fernamt Wien, Elisabethstraße 11
- Post- und Telegraphenamt Nummer 16, Krugerstraße 13/13A
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Quellen
- ↑ https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Post
- ↑ https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreichische_Postgeschichte_bis_1806
- ↑ https://de.wikipedia.org/wiki/Janetto_von_Taxis
- ↑ https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreichische_Postgeschichte_bis_1806
- ↑ https://de.wikipedia.org/wiki/Habsburger_Post_%281490%E2%80%931556%29
- ↑ https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Post
- ↑ https://library.oapen.org/bitstream/handle/20.500.12657/25052/1005044.pdf?isAllowed=y&sequence=1
- ↑ https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Paarpalais
- ↑ https://de.wikipedia.org/wiki/Palais_Paar
- ↑ https://cityabc.at/index.php/Postwesen
- ↑ https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Hauptpostamt
- ↑ https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Hauptpostgeb%C3%A4ude
- ↑ https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Post
- ↑ https://de.wikipedia.org/wiki/Postkutsche
- ↑ https://www.projekt-gutenberg.org/mozart/briefe/chap073.html
- ↑ https://www.habsburger.net/de/kapitel/mit-der-postkutsche-durch-die-monarchie-das-strassennetz-wird-ausgebaut
- ↑ Verlag T. Mollo (ab 1798) (Verlag), Johann Christian Brand (Künstler), Hieronymus Benedicti (Kupferstecher), Zeichnungen nach dem gemeinen Volke besonders Der Kaufruf in Wien: Die kleine Post. / La petite Poste. [Postbote], nach 1798, Wien Museum Inv.-Nr. 97225/33, CC0 (https://sammlung.wienmuseum.at/objekt/164745/)
- ↑ https://de.wikipedia.org/wiki/Wiener_Kleine_Post
- ↑ https://oesterreichwiki.org/wiki/Klapperpost
- ↑ Richard Groner: Wien wie es war. Ein Nachschlagewerk für Freunde des alten und neuen Wien, Fritz Molden-Verlag, 1965, Wien, S. 291
- ↑ https://de.wikipedia.org/wiki/Wiener_Kleine_Post
- ↑ https://de.wikipedia.org/wiki/Wiener_Kleine_Post
- ↑ https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Post
- ↑ https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Post
- ↑ https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Post
- ↑ https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch-%C3%96sterreichischer_Postverein
- ↑ https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Post
- ↑ https://de.wikipedia.org/wiki/Wappenausgabe_1850
- ↑ https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Post
- ↑ https://www.milak.at/news/detail/150-jahre-postkarte
- ↑ https://cityabc.at/index.php/Postwesen
- ↑ Wiener Geschichtsblätter, Wien Archiv, Tradition und Volksleben, Blatt W06059
- ↑ https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Postleitzahl
- ↑ https://de.wikipedia.org/wiki/Postleitzahl_%28%C3%96sterreich%29
- ↑ https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Post-_und_Telegraphenmuseum



