Mölker Bastei

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Mölker Bastei

Wien 01 Mölker Bastei a.jpg

Benennung 1637 (Erstnennung: 1531)
Benannt nach Stift Melk
Straßenlänge 270,57 Meter [1]
Gehzeit 3,26 Minuten
Vorherige Bezeichnungen Bastei beim Schottentor, Bastei bei den Schotten


Namensgebung und Geschichte

Gegenüber der Universität befindet sich einer der letzten Reste der alten Stadtmauer, die Mölker Bastei. Sie wurde 1531 errichtet und ist nach dem Stift Melk benannt. Genaugenommen handelt es sich bei der Mauer um Reste der Kurtine zwischen Mölker Bastei und (neuer) Schottenbastei.

Im Zuge der Schleifung der Stadtmauer sollte eigentlich auch dieser Teil verschwinden, die Bewohner der Häuser hier verlangten jedoch so hohe Ablösen, dass seitens der Stadt der Zeitpunkt der Einigung und damit des Abrisses immer wieder verschoben wurde. Das einzige Haus, das damals tatsächlich abgerissen wurde, war das Palais Lubomirski, das im Bereich der heutigen Oppolzergasse stand.

Das Liebenberg-Denkmal

Das Liebenberg-Denkmal

An der Einmündung zur Mölker Bastei, vor dem Haus Nummer 1, steht das Liebenberg-Denkmal.

Andreas Liebenberg

Johann Andreas von Liebenberg war zwischen 1680 und 1683 Wiener Bürgermeister und erwarb sich seinen guten Ruf bei der Bekämpfung der Pest im Jahr 1679. 1683 stellte er während der Zweiten Türkenbelagerung eine Bürgerwehr auf und trug so maßgeblich zur Verteidigung der Stadt bei. Zwei Tage vor Ende der Schlacht starb er, er erlebte seinen Sieg über die Türken nicht mehr mit.

Beschreibung des Denkmals

Das Denkmal wurde am 17.3.1887 in Auftrag gegeben, enthüllt wurde es am 12.9.1890. Der Entwurf dazu stammt von Architekt Franz von Neumann, die Bildhauerarbeiten wurden von Johann Silbernagl ausgeführt.

Auf einem neun Meter hohen Obelisken krönt eine vergoldete Statue der Siegesgöttin Viktoria. Am Fuß der Säule liegt ein bronzener Löwe, darüber tragen zwei bronzene Putten das vergoldete Porträtmedaillon von Liebenberg. Auf den Stufen der Rückseite sind eine bronzene Kartusche mit dem Doppeladler und eine Inschriftentafel angebracht.

Johann Andreas
von Liebenberg
Bürgermeister von Wien
im Jahre MDCLXXXIII
Seinem
in äusserster Bedrängniss
durch Muth und Ausdauer
voranleuchtenden Oberhaupte
Das dankbare Wien 1890

Im Weltkrieg wurde das Denkmal schwer beschädigt, die Reparaturarbeiten dauerten bis 1949 an.

Anekdote um die Enthüllung

Als das Denkmal feierlich enthüllt wurde, lud man nicht nur die noble Wiener Gesellschaft ein, im Frack und Zylinder zu erscheinen, man dachte auch an die Berufsgruppen, die zum Sieg über die Türken beigetragen hatten. Geladen wurden Büchsenmacher, Donaufischer, Kaffeesieder, Zuckerbäcker, Wagner und Branntweiner. Einziges Anliegen des Komitees an die Vertreter der alten Berufe war, nicht im feinen Outfit zu erscheinen, sondern lieber historische Kostüme und Banner mit Zunftzeichen zu tragen. der versnobte Grund dafür: "Sollte denn auch schon der einfache Mann von der Straße im Zylinder einherspazieren?"[2]

Die Bastei aus Sicht des Jahres 1842

Standort an der ehemaligen Stadtmauer, Etappe 12

Ein Stadtführer aus dem Jahr 1842 schildert die Eindrücke so:

Man steht jetzt auf dem Ravelin Mölkerbastei. Das Gässchen links führt in die Teinfaltstraße hinab, dann folgt das Palais Lubomirski mit der Säulenhalle im ersten Stockwerke und das Franzenstor, das jüngste aus allen. Der Weg über das Glacis führt in die Josefstadt hinaus. Draußen steht eine Reihe neuer Häuser, unter welchen das Geografische Institut des Generalstabes an einem Türmchen kenntlich ist. Wo diese Häuserreihe weiterhin endet, sieht man in die Kaisergasse hinauf, wo das Josefstädter Theater und die große Kavallerie-Kaserne sich befinden; es ist der Weg in das berüchtigte Lerchenfeld. [3]

Blick von der Bastei in die Josefstadt

Hier besteht eine der wenigen Möglichkeiten, den damaligen Blick auch heute noch zu ahnen, denn man kann hier die 1531 errichtete Bastei, die nach dem Stift Melk benannt wurde, tatsächlich noch "besteigen". Das prunkvolle Palais Lubomirski mit seiner auffälligen Loggia existiert heute nicht mehr, an seiner Stelle (Oppolzergasse 6) ist heute das Café Landtmann zu finden. Auch das Franzenstor Stadttor, das 1810 eröffnet wurde, fiel 1862 dem Abbruch der Stadtummauerung zum Opfer, heute steht ein Teil des Burgtheaters an seiner Stelle.

In der Josefstadt fand sich damals - an der heutigen Adresse Friedrich-Schmidt-Platz 3 - das Militär-geographische Institut, dessen prachtvolle Kartensammlung nach Abriss und Neubau des Gebäudes in Eigentum des Bundesamts für Eich- und Vermessungswesen überging. Das Theater in der Josefstadt hingegen, zu finden in der Josefstädter Straße 26, kann heute noch besucht werden. 1834, kurz bevor die Schilderung darüber berichtet, nahm Kornhäusel einen Zubau - die Sträußelsäle - vor. Die Josefstädter Kavallerie-Kaserne befand sich am Areal Josefstädter Straße 46-64, sie wurde zwischen 1903 und 1910 demoliert.

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Die Häuser der Straße



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Quellen

  1. Datenquelle: Stadt Wien - data.wien.gv.at
  2. http://www.viennatouristguide.at/Ring/Denkmal_Bild/z_liebenberg.htm
  3. Adolf Schmidl: C. Gerold, Eine Woche in Wien: Zuverlässiger und zeitsparender Führer durch die Kaiserstadt und ihre nächsten Umgebungen, Tag 1, 1842, Wien, Seite 4 – 13