Freyung

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Freyung

Freyung Wien 1010.JPG

Benennung 1710
Benannt nach Befreiung des Klosterbezirks von der städtischen Gerichtsbarkeit
Straßenlänge 463,50 Meter (Umrundung) [1]
Gehzeit 5,58 Minuten
Vorherige Bezeichnungen Bergl, Auf dem Mist, Aufm Bühel, Aufm Steinfeld, Bei den Schotten am Stein


Namensgebung und Geschichte

Das mittelalterliche Wien nutzte die Befestigungsanlagen des römischen Vindobona, die entlang der heutigen Naglergasse über die heutige Freyung bis zum Salzgries verlief. So lag der heutige Platz mit der Schottenkirche und dem Kloster außerhalb der Stadtmauer, den Tiefen Graben entlang verlief der Ottakringer Bach. In die Stadt wurde der Platz erst im Zuge der Babenbergschen Stadterweiterung einbezogen, also Ende des 12. Jahrhunderts.

Das Areal wurde 1155 dem Schottenkloster von Heinrich II. Jasomirgott geschenkt. Rund um die Schottenkirche wurde ein Friedhof angelegt (1209 erstmals erwähnt), erst als dieser aufgelassen wurde, siedelte sich hier ein Marktplatz an, auf dem auch Unterhaltung durch Gaukler und Marktschreier angeboten wurde. 1721 eröffnete auch Josef Stranitzky, der „Wiener Hanswurst“ seine Bude auf.

Einige Zeit stand hier auch ein Pranger. 1683, zu Beginn der Türkenbelagerung, wurde der Platz nicht nur zur Sammlung von Unrat genutzt (alles an Müll wurde in eine tiefe Grube geworfen), sondern auch mit einem Galgen ausgestattet: Verräter und Unzuverlässige wurden durch ein Schnellgericht rasch beseitigt. In diesem Jahr wütete auch ein Großbrand hier.

Der Name Freyung ist von einem alten Asylrecht (verliehen 1181) abgeleitet: Wer sich auf dem Areal des Schottenklosters aufhielt, bekam einen juristischen Sonderstatus, er war vor dem Wiener Stadtgericht sicher. Erst Maria Theresia hob das Asylrecht auf. [2] Zwischen 1547 und 1701 ist für das Areal der Name „Schottenplatz“ gebräuchlich, Anfang des 18. Jahrhunderts bezeichnete es die Wiener Bevölkerung „Bei den Schotten am Stein“, 1848 hier es „Einheitsplatz“.

Admonter Hof

Die Wiener Niederlassung des Stifts Admont dürfte sich im 13. Jahrhundert Ecke Freyung und Strauchgasse befunden haben. Die Bezeichnung des Platzes lautete damals "Auf dem Mist". Der Stiftshof war ab 1572 in Privatbesitz und wurde später abgerissen.[3]

Der Klosterfriedhof „Vogelsang“ und die Friedhofs-Kapelle „St. Philipp und Jakob“

Kampfszenen auf der Freyung

Der Friedhof, der die Schottenkirche von zwei Seiten umgrenzte, war mit Bäumen bepflanzt und diente der Bestattung der Klosterbewohner. 1209 werden an dieser Stelle auch ein Brunnen und ein Haus namens „in area Scororum“ erwähnt.

Erst in der Zeit der Türkenbelagerung, als besonders viele Opfer des Starhembergschen Regiments zu beklagen waren, wurde der Friedhof als allgemeiner Begräbnisplatz genutzt. 1751 wurde er aufgelassen, der nun freie Platz wurde zur Verbreiterung der Straße und als Baugrund für das Schubladkastenhaus (Freyung 7) verwendet.

Der 1209 erwähnte Friedhof hatte natürlich auch einen von Jakob Chrut gestifteten Karner, der vor der linken Seite der Kirche stand. Diese Friedhofs-Kapelle „St. Philipp und Jakob“ wurde nach der 1. Türkenbelagerung entweiht und wurde bis 1639 als städtisches Pulvermagazin genutzt. Die Kapelle wurde 1648 abgebrochen, als größere Umbauten an der Schottenkirche vorgenommen wurden. An Stelle der Kapelle blieb ein Hügel, die Bevölkerung nannte ihn das „Bergl“.

Im Zuge von Grabungsarbeiten wurde das Untergeschoß der Kapelle gefunden, die gut erhaltenen Steinmauern fielen jedoch der Tiefgarage zum Opfer, die hier erbaut wurde.

Marktleben auf der Freyung

Der Altwiener Christkindlmarkt

Der vom Stephansplatz hierher verlegte Pferdemarkt des Spätmittelalters wandelte sich erst im 18. Jahrhundert zu einem Obst- und Gemüsemarkt, davor standen hier die „Küchelbäcker“. Bis etwa 1900 verkauften hier zwischen Mitternacht und sieben Uhr morgens ungarische, böhmische, märische und slowakische Bauern ihre Produkte, damit untertags der Platz für den Verkehr genutzt werden konnte. Heute noch findet hier regelmäßig ein Bio-Bauernmarkt statt.

Zu Ostern und Weihnachten füllt sich der Platz mit Ständen für einen traditionellen Markt, der vom Club Wien abgehalten wird.

Das Kunstforum präsentiert hier seit 1991 vor den Häusern 2 und 3 in Wechselausstellungen moderne Kunstwerke.

Die mittelalterliche Straßenpflasterung

Vor dem Palais Ferstel wurde das Pflaster original belassen, es dient als Anschauungsobjekt.

Römische Ausgrabungen

Bevor die Tiefgarage errichtet wurde, bot sich noch Gelegenheit, den Nachweis für eine Verbauung aus der Römerzeit nachzuweisen. Die Grundrisse der römischen Objekte waren nicht mehr rekonstruierbar, da der Platz bereits in der nachantiken Zeit planiert worden war, unter dem Palais Harrach jedoch wurden die ältesten römischen Bauten der Innenstadt gefunden: bei den hölzernen Resten dürfte es sich um Kasernen aus dem ersten Jahrhundert nach Christus handeln, was daraus schließen lässt, dass hier vor Errichtung des Legionslagers ein militärischer Stützpunkt gewesen sein musste.

Am Rand des Platzes steht ein Brunnen, der Austria Brunnen, der von der Stadt Wien anlässlich der Errichtung der Wiener Wasserleitung durch Kaiser Ferdinand gestiftet wurde.

Der erste öffentliche Defi

Der erste Defi

Am 19.12.2014 wurde auf der Freyung der erste öffentliche Defibrillator errichtet. Die Gewista will mit dieser, und neun weiteren Stelen, dem plötzlichen Herztod vorbeugen. Die schwarze Säule ist mit einem Defibrillator und einem Touchscreen ausgestattet, der durch die Bedienung des Gerätes führt. Sobald der Defi verwendet wird, wird eine automatische GPS-Ortung aktiviert und die Notrufzentrale der MA 70 alarmiert. Auf der Rückseite der Stele ist ein 72-Zoll-Screen integriert, der Werbebotschaften übermittelt. Unterstützt wird das Projekt durch die MedUni Wien, die Telekom Austria und die Wiener Städtische Versicherung. Die weiteren derzeit beschlossenen Standorte werden Folgende sein:

 * 1010, Bognergasse 2/ Am Hof
 * 1010, Reitschulgasse/ Michaelerplatz
 * 1010, Rotenturmstraße/ Fleischmarkt
 * 1010, Schottengasse vor 4
 * 1010, Habsburggasse
 * 1010, Rotenturmstraße/ Ertlgasse
 * 1010, Universitätsring vor 1
 * 1030, Landstraßer Hauptstraße vor 27
 * 1040, Resselpark/ Karlsplatz

Der Austriabrunnen

THEMA: Austriabrunnen was ist hier zu finden
WienAustriabrunnen.jpg
Der Austriabrunnen

Baujahr: 1846, Enthüllung am 16.10.1846
Künstler: Ludwig Schwanthaler, Ferdinand von Miller
Kurzbeschreibung: Brunnen mit Bronzestatuen, die Säule in der Mitte ist aus Kaiserstein gefertigt


Zu Ehren der Kaiser-Ferdinand-Wasserleitung wurde der Austria-Brunnen im Biedermeier-Stil von den Wiener Bürgern 1864 gestiftet. Die überlebensgroße Statue der Austria mit Mauerkrone, Lanze und Wappenschild steht auf einer baldachinartigen Überdachung, unter der die vier Figuren mit Laubwerk stehen. Sie stellen die Hauptflüsse des Kaiserreichs dar: die Donau, den Po, die Elbe und die Weichsel. Das Wasser fließt in das achteckige Brunnenbecken aus Mauthausner Granit in der Mitte.

Entworfen wurde der Brunnen 1844-1846 von Ludwig Schwanthaler, in Bronze goss ihn der Münchner Ferdinand Miller; die Enthüllung wurde am 16.10.1846 vorgenommen.

Geschichten um den Brunnen

Der Münchner Ludwig Schwanthaler, königlicher Bildhauer von Ludwig I. von Bayern, wurde von den heimischen Künstlern stark für das Werk kritisiert – zumal der einzige andere große Auftrag der Biedermeierzeit, das Franzensdenkmal in der Hofburg, ebenfalls an einen Nicht-Wiener (den Mailänder Pompeo Marchesi) ergangen war. Auslösend für den Neid dürfte bereits das geringe Honorar gewesen sein, das er für seinen Brunnen verlangte: Mit nur 3.750 Gulden (bei einer Gesamtkostenhöhe von 53.000 Gulden lag er deutlich unter den Honoraren seiner Mitstreiter.

Der Bronzebrunnen musste von München nach Wien gebracht werden, als Transportweg wurde die Donau gewählt, obwohl die Strudel im Bereich des Strudengaus oberhalb der Wachau nicht ungefährlich waren.

Enthüllt wurde der Brunnen – ganz ohne Feierlichkeiten - am 17.10.1846, die Tücher wurden einfach um 18 Uhr abgezogen. Schwanthaner dürfte das nicht weiter gestört haben, er meinte nur lapidar, er sei noch nie bei einer Enthüllung von einem seiner Werke gewesen.

Bald nach Aufstellung der Figuren waren Flecken auf den Bronzeflächen zu sehen. Der Leiter der bayrischen Gießerei schob den Vorwurf einer schlechten Legierung von sich, in dem er feststellte, dass die Figuren böswillig mit Säure bespritzt worden seien.

Das Gerücht um den "Zigarrl"brunnen

Angeblich soll sich in einem Arm der Austria ein Versteck für Zigarren befunden haben. Der Legende nach sollten sie so zollfrei nach Wien geschmuggelt werden, die nichtsahnenden Arbeiter hätten angeblich den Arm ohne nachzusehen an die Statue gelötet.

Dass es sich hier um ein Gerücht handelt, wird durch die Tatsache klar, dass nur das Becken in Wien zusammengesetzt wurde, die Statue jedoch in einem Stück geliefert worden war. Auch tauchte es erst um 1900 auf, als die damalige Zollbehörde vom Magistrat 9.000 Gulden für importierte Kunstwerke verlangte. Gelöst wurde dieses Problem, in dem man die Statuen nachträglich als Quincaillerie (kleine Waren aus Metall für den Hausgebrauch) deklarierte.

Als im Jahr 1987 die Tiefgarage erbaut wurde, musste der Brunnen abgetragen wer-den, dabei wurden im Sockel des Brunnens zwei Metallbehälter gefunden. In einem der Behälter wurde eine Pergamentrolle von 1846 aufgefunden, die Auftraggeber, Künstler und technische Details beschreibt. Es wird hier auch erwähnt, dass der Brunnen täglich mit 3200 Eimern der Kaiser Ferdinand Wasserleitung befüllt wird.

Die zweite Metallhülse beinhaltete einen Zettel aus dem Jahr 1947, als der Brunnen renoviert wurde. Neben einem zeitgenössischen Gedicht finden sich hier die Unterschriften der Restauratoren. Bei der Wiederaufstellung 1989 legte man Kopien der beiden Dokumente in einem Metallbehälter in die hohle Statue der Austria.

Alma Goethe

Gesicht der Alma Goethe
Gesicht der Austria

Für das Aussehen der Statue der Austria soll die Enkelin Goethes, Alma, als Modell gedient haben.

Die Darstellung der vier Flüsse

Die Symbolik der Austria, deren Herrschaftsgebiet in alle vier Himmelsrichtungen geht, wird durch die Flüsse, die für die Volksstämme stehen und in ein jeweils anderes Meer fließen, unterstrichen: Der Po für die Italiener und das Adriatische Meer, die Donau für Germanen und das Schwarze Meer, die Elbe für die Slawen und die Nordsee, die Weichsel für die Magyaren und die Ostsee.

Neu an der Szenerie dieser Zeit ist die Darstellung der Flüsse – bisher wurden sie immer liegend dargestellt, hier sind die Figuren erstmals in aufrechter Position zu sehen. Obwohl die römische Tradition vorsieht, Flüsse mit ihrem italienischen Namen darzustellen, hat der Schöpfer der Statuen erstmals die deutsche Variante gewählt, und damit dem männlichen Danubius eine weibliche Gestalt (Donau) gegeben. Die Donau ist in einem einfachen Gewand dargestellt, sie blickt zur Sonne und hält ihr Haar in der linken Hand. Diese Geste bezieht sich auf eine antike Nymphendarstellung – mit dem Haar spielend oder ihr nasses Haar auswringend.

Die Weichsel und die Elbe sind mir Ruder in der Hand dargestellt, und weisen damit auf die Befahrbarkeit der Flüsse hin. Die Weichsel hält in ihrer Hand einen Schleusenschlüssel, der die Verbindung der Weichsel mit dem Fluss Nogat versinnbildlicht. Die Elbe lehnt in lockerer Haltung an ein Feldmassiv, auf ihrem Kopf sind Blumen und Schilf zu sehen, die die Natur darstellen. Sie stützt sich auf den Kopf von Rübezahl, der der Sage nach im Riesengebirge hauste – dem Quellgebiet der Elbe. Die Meeresmuschel, die sie in der Hand hält, deutet darauf hin, dass sie in das Meer fließt. Auf der Muschel ist eine Inschrift, die sich auf das Errichtungsdatum (MDCCCXVI = 1846) bezieht. Der Po ist schließlich ein muskulöser Mann mit Bart, der an antike Flussgötter erinnert, auch er hält den Schleusenschlüssel (Verbindung mit dem Fluss Tessin) in der Hand.

Häuser des Platzes



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Quellen

  1. Datenquelle: Stadt Wien - data.wien.gv.at
  2. A. Realis: Curiositaten und Memorabilien-Lexicon von Wien, Anton Köhler Verlag, Wien, 1846. S. 79 ff.
  3. Eugen Meßner, Die Innere Stadt Wien, Ein Beitrag zur Heimatkunde, ÖBV, 1928, S. 19