Freyung 3/3A

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Grund-Information
Palais Harrach.jpg

Palais Harrach

Aliasadressen =Freyung 3/3A, =Herrengasse 16
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1862: 239 | vor 1821: 247 | vor 1795: 119
Baujahr 1690-1702
Architekt Domenico Martinelli


Das Palais Harrach - Architektur und Geschichte

Das Palais Harrach wurde 1689-1702 von Domenico Martinelli für Ferdinand Bonaventura Graf Harrach auf einer Brandstatt erbaut.

Im Mittelalter standen hier vier kleine Häuser, drei davon wurden 1435 von Jörg von Puchheim gekauft und zu einem umgebaut. Das Gebäude blieb über 150 Jahre im Besitz der Familie Puchheim, bis es um 1600 vom Geheimen Rat und Kämmerer Ferdinands II., Karl Freiherr von Harrach, erworben wurde. 23 Jahre lang wechselte es nun häufiger den Besitzer (Ladislaus von Lobkowitz, Franz Kardinal von Dietrichstein, Jesuitenorden), bis es wieder in den Besitz von Harrach kam.[1]

In dem Haus wohnte damals zweimal der Feldherr Albrecht von Wallenstein, der auch die zweite Tochter von Harrach (Maria Isabella) heiratete (in zweiter Ehe).

Wallenstein auf der Freyung

Eine Legende erzählt, dass Wallenstein eines Tages schwer erkrankt auf einer Sänfte in das Haus auf der Freyung getragen worden sein soll. Es kamen zahlreiche Ärzte, aber keiner konnte helfen. Man hatte ihn schon aufgegeben, da meldete sich ein Soldat aus einem der kroatischen Regimenter, der behauptete, er könne Wallenstein helfen.

Wallenstein erkannte in dem Soldaten gleich einen ehemaligen Deserteur, dem er einmal das Leben geschenkt hatte. Er rief: „Also Bursche, mache schnell und zeige deine Kunst! Du kannst auf reichlich Belohnung rechnen, obwohl wir eigentlich quitt wären, denn im besten Fall schenkst Du mir ein Leben, das ich Dir schon früher geschenkt habe!“

Der Soldat schenkte ihm tatsächlich das Leben, Wallenstein wurde wieder gesund.

Brand und Neubau

Am 15. Juli 1683, im Zuge der Türkenbelagerung und dem Brand im Schottenstift brannte das Haus nahezu ganz ab – damals war es im Besitz der Familie Auersperg, die es 1658 erworben hatte. 1662 kaufte es Ferdinand Bonaventura Graf Harrach und ließ es 1690 von Domenico Martinelli neu bauen.

Damals wurde ein Garten mit einem Pavillon angelegt, das Palais bekam auch eine eigene Kapelle – die Maria-Empfängnis-Kapelle, die 1703 geweiht wurde. Joseph II. ließ sie schließen, später wurde sie jedoch wieder geöffnet. In der Kapelle befindet sich noch heute eine Kopie des Hochaltars von Ribera, das Original ist in Rohrau (Schloss Harrach) zu sehen. Seine prunkvolle Treppe beschrieb Graf Harrach im Tagebuch als „weitter undt nit so gach (steil) im Vergleich mit der Anlage in den Tuilerien und … schöner und galanter … als die im Madrider Palais des Herzogs Infantado“.

1845 wurde das Palais mit dem Ziel, Platz für Gemälde zu schaffen, umgebaut, wobei die künstlerischen Komponenten nahezu verloren gingen. Der Garten wurde verkleinert und mit eine Mauer umbaut, der Pavillon verschwand und die Fassade auf Seite der Herrengasse wurde im Stil des Biedermeier gestaltet. Das ganze Palais wurde mit Rokokoöfen und Möbeln aus dem 18. Jahrhundert ausgestattet, die Grafen Harrach sammelten ab 1850 sämtliche Gemälde ihrer Besitzungen zusammen und eröffneten eine bedeutende Privatgalerie. 1939, nach Ausbruch des 2. Weltkrieges, wurde die Galerie geschlossen, die Gemälde teilweise verlagert – sie wurden auf verschiedene Salzstollen im Salzkammergut und die Burg Clam in Oberösterreich verteilt.

Vom 2. Weltkrieg bis heute

Durch die Bombardierung der Freyung wurde das Palais am 10.9.1944 ebenfalls schwer beschädigt. Der Einschlag nahe dem Portal zerstörte die Prachtstiegen und mehrere Zimmer, viele der Kunstwerke und Möbel wurden beschädigt und unter dem Schutt begraben, der erst ein Jahr später beseitigt werden konnte. Viele der Exponate konnten dann nicht mehr restauriert werden und gingen damit verloren.

Bis 1952 dauerte der Wiederaufbau des Palais, wobei es wieder in den barocken Zustand versetzt wurde. Die Gemäldesammlung eröffnete am 9.6.1960, wurde dann jedoch 1970 komplett in das Schloss Harrach in Rohrau verlegt. Die Familie Harrach verkaufte das Palais 1975 an die Gesiba, die es dann 1981 an die CA-BV (Palais Harrach Development G.m.b.H.) weiter veräußerte.

Seit dem 1.12.1994 mietet das Kunsthistorische Museum das Palais. In der Beletage finden regelmäßige Empfänge und Veranstaltungen wie Lesungen und Vorträge statt. In den Prunkräumen werden Sonderausstellungen abgehalten.



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Quellen

  1. Mazakarini Leopold: Barockpaläste der Wiener Innenstadt I, Gesellschaft für Natur und Heimatkunde, Wien, 1988, S. 28 f