Annagasse 5

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Grund-Information
Annagasse 5.jpg

Annagasse 5 (in Google Maps betrachten)

Aliasadressen =Annagasse 5, =Johannesgasse 6
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1862: 984 | vor 1821: 1043 | vor 1795: 1012
Baujahr 1768
Architekt Daniel Christoph Dietrich, Trakt Johannesgasse: Paul Sprenger


Klein-Mariazellerhof - Architektur und Geschichte

Statt diesem Haus gab es im 15. Jahrhundert zwei Häuser, die bereits urkundlich erwähnt werden: das in der Johannesgasse gehörte 1405 Georg Tirna, später den Herren von Kuenring, das Haus in der Pippingerstraße gehörte bis 1453 Michael Derr. Bei Ausgrabungen 1998 wurden ein alter Ofen und eine Abfallgrube gefunden.

Besitzer der beiden Häuser waren ab 1480 Hanns und Stephan von Hohenberg. 1482 schenkte Stephan von Hohenberg die Häuser an das Kloster Klein-Mariazell, damit war der Name des Hauses, Klein-Mariazellerhof", geprägt.

Madonna mit dem Kind unter altdeutschem Thronhimmel

Relief "Die Muttergottes mit dem Kind unter altdeutschem Thronhimmel"

Die Schenkung (Hohenbergs an die Muttergottes) wurde in dem Relief aus dem Jahr 1482 verewigt, es trägt den Namen „Madonna mit dem Kind unter altdeutschem Thronhimmel“.

Man sieht hier die Muttergottes mit dem Jesuskind unter einem gotischen Thronhimmel sitzend, umring von zahlreichen Personen. An ihrer Rechten handelt es sich um Mönche und Nonnen, angeführt durch den knieenden Abt, der eine Pergamentrolle in Händen hält. Das Wappen zu seinen Füßen zeigt einen Schweinekopf, es symbolisiert die Familie Tirna.

Zur Linken der Madonna stehen Geistliche und Laien, an deren Spitze ebenfalls ein Mann kniet, der das Modell eines Hauses trägt. Es handelt sich dabei um den Schenker des Hauses, Graf Hohenberg, sein Wappen mit Löwe oder Panther liegt zu seinen Füßen. Auch die andern Wohltäter sind hier abgebildet: sie tragen Brot, Geld und Wild.

Im Hintergrund sind das Kloster, die Kirche St. Pankraz und die Burg Schwarzenberg zwischen Bergen zu entdecken. [1]

Umbauten

1615 wurde ein Anbau, das „neue Stöckl“ hinzugefügt, damit der Hof ertragfähiger wurde (das Stöckel wurde 1843 – während des Umbaus des Traktes durch Paul Sprenger Richtung Johannesgasse - abgerissen, bei der Gelegenheit wurde das Steinbasrelief im Hofraum eingemauert.

1768 baute Daniel Christoph Dieter einen Teil des Hauses im barocken Stil um, ab 1782 übernahm, nach Aufhebung des Klosters, das Stift Kremsmünster die Verwaltung. 1798 erhielt der Religionsfonds des Staates das Haus.

Die Akademie der bildenden Künste richtete zwischen 1825 und 1871 im vierten Stock die Architekturschule ein, das Gebäude gehörte mittlerweile (1827) dem Staat. Durch das Durchhaus gelangt man in die Johannesgasse 6.

1843 wurde der Trakt auf Seite der Johannesgasse abgerissen und durch ein neues Gebäude von Paul Sprenger ersetzt. Hier ist, im ersten Hof, noch ein altes Spruchband zu sehen, auf dem Folgendes geschrieben steht; "Recordare virgo mater dum steteris in conspectu Die ut loquaris ürp nobis bona, 1482". Es handelt sich dabei um eine Erinnerung an das Stift Klein-Mariazell.[2]

An der Fassade ist ein Relief des Auges Gottes, im Strahlenkranz von Putten umringt, zu sehen. Auffallend ist auch der Doppeladler. Im Inneren des Hauses sind noch Kreuzgratgewölbe aus dem 17. Jahrhundert erhalten. In der ehemaligen Kapelle im 1. Stock sind Putten und Abt-Insignien zu finden.

Hier waren 1825–1871 die Architekturschule der Akademie der bildenden Künste, das Archiv des Reichsfinanzministeriums (Hofkammerarchiv) und der Finanzministerialbibliothek und bis 1982 ein Teil des Rechnungshofs untergebracht.

Akademie der bildenden Künste

Gegründet wurde die Akademie 1692 von Peter Strudel, der Leopold I. überzeugt hatte, seine Initiative der Ausbildung bildender Künstler zu fördern. 1705 wurde die Akademie als öffentliche Schule von Joseph I. anerkannt, damals war sie in den Räumen des Strudelhofs untergebracht. Nach Strudels Tod übersiedelte die Akademie mehrmals (1731: Schönbrunnerhaus, Tuchlauben 8, 1733: Althansches Haus Seilergasse 8, 1742: Hofbibliothek Josefsplatz 1).

1786 übersiedelte die Schule schließlich ins ehemalige Kloster Annagasse 3/3A. Bald wurden die Räume hier zu eng für die unterschiedlichen Meisterklassen, man lagerte daher die Architekturschule in den vierten Stock des Mariazeller Hofs, Annagasse 5, aus.

Am 3. April 1877 endlich erhielt die Akademie ihr eigenes Gebäude am Schillerplatz 3.

Der Keller

Besonders erwähnenswert ist auch der zweigeschossige Keller aus dem 15. Jahrhundert (um 1400) mit Pfeilerhallen.

Bekannte Persönlichkeiten

Gedenktafel Franz Grillparzer

1832 wurde Franz Grillparzer (der Jurist) zum Direktor des Hofkammerarchives ernannt, er hatte hier seinen Amtssitz. Zu seinen großen Verdiensten zählte die Übersiedlung des Archivs aus dem alten Kaiserspital in dieses Gebäude.

Das Archiv und die Räumlichkeiten sind heute noch erhalten und können besichtigt werden.

Bild Anlass/Persönlichkeit Text der Tafel
Grillparzer GT 3.jpg Grillparzer, Franz Franz

Grillparzer
wirkte
1832 - 1856
als
Direktor
des
Hofkammer-
archivs

Wohn- und Sterbehaus des Landschaftsmalers Johann Christian Brand

Der Maler und Kupferstecher Johann Christian Brand (* 6. März 1722 Wien, † 12. Juni 1795, ebenhier) begann seiner Karriere an der Wiener Akademie und arbeitete 1751-1756 als Leibmaler bei Nikolaus CIII. Graf Palffy in Preßburg. Nach dieser Zeit erhielt er in Wien große Aufträge, wie die Schaffung der Wandbilder im Schloss Laxenburg. Nach ihm ist die Brandgasse im 2. Bezirk benannt.

Wohn- und Sterbehaus des Hofmalers Franz Werner Tamm

In dem Haus lebte und starb auch der Maler Franz Werner Tamm (* 6. März 1658 Hamburg, † 20. Juli ebenhier). Leopold I. hatte den Maler nach Wien geholt, der vor allem für sein Stilleben-Bilder bekannt ist (Liechtensteinmuseum, Belvedere).

Literaturmuseum

Seit kurzem ist hier ein faszinierendes Museum, ein Teil der Österreichischen Nationalbibliothek, untergebracht, das Literaturmuseum. Es präsentiert die österreichische Literatur vom 18. Jahrhundert (Aufklärung) bis in die Gegenwart. Integriert ist hier auch das Arbeitszimmer und Büro von Franz Grillparzer mit der original erhaltenen Biedermeier-Möblierung.

Das Museum hat Dienstag bis Sonntag zwischen 10 und 18 Uhr geöffnet, jeden Donnerstag bis 21 Uhr (Zwischen September und Juni Montag geschlossen). Der Eintritt kostet 7 Euro (ermäßigt 4,50 Euro).[3]

Unternehmen in dem Haus

Löcker-Verlag

Antiquariat Löcker

Im Haus Annagasse 5 wurde 1973 das Antiquariat Löcker und Wögenstein, die Verbindung hielt bis 1982, gegründet. Entstanden war das Unternehmen aus einem 1971 gegründeten Versandantiquariat. Das Geschäftslokal besteht heute noch; Anfang der 1980er Jahre wurde das Antiquariat Löcker & Wögenstein von Hermann Czech neu gestaltet.

In die Neugestaltung wurden die barocken Portal und Fenster integriert. 1974 wurde der Löcker-Verlag (ursprünglich Löcker&Wögenstein Verlag) gegründet, der als ersten Titel Otto Bauers „Der Aufstand österreichischer Arbeiter“ verlegte. In Summe erschienen hier 600 Bücher zu den Themen Literatur, Kunst, Musik und Zeitgeschichte. 1989 erweiterte sich das Antiquariat um den „Arcadia Opera Shop“ in der Wiener Staatsoper.

Maßschneiderei Johanna Kastner

An der Adresse Annagasse 5/2/10 befindet sich auch eine der beliebtesten Maßschneidereien Wiens, Johanna Kastner, die eine der wenigen selbständigen Herrenschneiderinnen ist. Frau Kastner hatte in England und Italien gelernt und fertigt Herrenanzüge aus Stoffen von schottischen und englischen Webereien.


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Quellen

  1. A. Realis: Curiositaten und Memorabilien-Lexicon von Wien, Anton Köhler Verlag, Wien, 1846. S. 60 ff.
  2. Leopold Mazakarini: Kleiner Führer durch Wien XIII., Gesellschaft für Natur- und Heimatkunde, 1982, Wien, S. 12
  3. http://www.onb.ac.at/literaturmuseum.htm