Milchgasse 2

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Grund-Information
Schönbrunnerhaus Tuchlaubenseite.jpg

Milchgasse 2

Aliasadressen =Milchgasse2, =Tuchlauben 8, =Kühfußgasse 1
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1862: 562 | vor 1821: 602 | vor 1795: 576
Baujahr 1899
Architekt Arnold Heymann


Der Schönbrunner-Hof - Architektur und Geschichte

Der kleine dreieckige Platz vor dem Schönbrunnerhaus geht auf eine Weggabelung zurück, die zum Römertor, zum Peilertor und zur Peterskirche führte. Da in der Römerzeit Marktplätze dreieckig waren, ist zu vermuten, dass hier der älteste Marktplatz Wiens entstanden war, er dürfte schon um das Jahr 1000 herum genutzt worden sein.

Das an allen Seiten freistehende Haus ist nach einem Brunnen benannt, der schon 1436 auf dem kleinen Platz gestanden hatte. Er war rund und mit reichverzierten Eisengittern umschlossen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde er entfernt, er stand dem Verkehr im Weg. An Seiner Statt wurde ein kleiner Brunnen – der Tuchmacherbrunnen von Oskar Thiede – im Auftrag der Wiener Städtischen Versicherung errichtet.

Das Relief, das oberhalb des dritten Stockes zu sehen ist, zeigt die Mutter Gottes mit Jesuskind und befand sich bereits am Vorgängerbau.

Vorgängerhaus

Bis 1325 befand sich an diesem Platz die Schranne, bis sie auf den Hohen Markt verlegt wurde. 1371 belegt eine Kaufurkunde, dass das Haus in den Besitz der Stadt überging, um daraus ein Rathaus zu machen, der Plan wurde jedoch verworfen, das Haus wieder verkauft. Trotzdem taucht in Dokumenten immer wieder die Bezeichnung „Rathaus unter den Sattlern“ auf.

1402 war Konrad Ramperstorffer (siehe auch Konrad Vorlauf) der Besitzer des Hauses – bis er 1408 von Leopold V. hingerichtet wurde. Im 17. Jahrhundert gehörte Johann Batist Verda von Verdenberg zu den Besitzern, 1683 Adolf Graf Wagensperg und 1703 schließlich Leopold Wissendo Edler von Wiesenburg, der es neu errichten ließ.

Zwischen 1705 und 1714 zog die Akademie der bildenden Künste hier ein und wurde verstaatlicht – davor (1692) war sie als private Schule vom Hofmaler Peter Strudel im Strudelhof (9. Bezirk) gegründet worden. Als Peter Strudel 1714 starb, wollte niemand seine Nachfolge antreten und die Akademie musste geschlossen werden. Die Stieftochter Leopold Wissendos stiftete dann das Haus Waisenkindern.

Im 19. Jahrhundert wurden die Räumlichkeiten für Ausstellungen des Österreichischen Kunstvereines genutzt, bis das Haus abgerissen und durch das heutige Gebäude ersetzt wurde.

Am 1.5.1914 kaufte das Gebäude die „Kaiser Franz Joseph Jubiläums Lebens- und Rentenversicherungsgesellschaft“, die 1938 zur „Wiener Städtischen und Wechsel-seitigen Janus allgemeine Versicherungsanstalt auf Gegenseitigkeit“ wurde.

Wohnhaus bekannter Persönlichkeiten, Gedenktafeln

Geburtshaus Alban Berg und Wohnhaus Heinrich Franz Dassanowsky

1885 wurde in dem Haus Alban Berg geboren, woran eine Gedenktafel erinnert. Eine weitere Gedenktafel weist darauf hin, dass Heinrich Franz Dassanowsky (1813-1892) hier gewohnt hatte.

Bild Anlass/Persönlichkeit Text der Tafel
Alban Berg GT.jpg Berg, Alban Hier stand bis 1898 das "Schönbrunner Haus",

die Geburtsstätte des Komponisten
Alban Berg
(1885 - 1935)
Österreichische Gesellschaft für Musik

Dassanowsky GT.bmp Dassanowsky, Heinrich Franz Im alten Schönbrunnerhaus

wohnte bis zu seinem Tod am 2. März 1892
der Philanthrop und Wohltäter
Heinrich Franz von Dassanowsky

Dassanowsky (eigentlich Dassanofsky) war k.k Hofbeamter. Nachdem er als Verwalter der Kammeral-Gefälle in Wien eingesetzt war, wurde er Hauptkassierer der niederösterreichischen Landeshauptkasse.

Der auf der Tafel erwähnte gräfliche Titel wurde ihm scheinbar nie verliehen, in sämtlichen Adressbüchern der Zeit scheint kein „von“ oder „v.“ auf. Auch die Schreibweise scheint nicht korrekt zu sein, der Namen findet sich mit einem oder zwei f – niemals jedoch mit einem w. Man geht also davon aus, dass es sich um einen erfundenen österreichischen Zweig einer preußisch-polnischen Adelsfamilie handelt, die eigentlich Taczanowski hieß.

Der Tuchmacherbrunnen

Der Tuchmacherbrunnen

Der Brunnen wurde anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Wiener Städtischen Versicherung am 7.6.1928 enthüllt. Geschaffen wurden die Bronzefiguren von Oskar Thiede, an dieser Stelle stand einst (zwischen 1436 und 1753) der deutlich größere „Schöne Brunnen“, der aus verkehrstechnischen Gründen abgetragen wurde.

Die Bronzefiguren wurden in der Erzgießerei A.G. gegossen, der steinerne Sockel besteht aus Lindabrunner Konglomerat. An der Mittelsäule sind zwei Tafel angebracht, die folgende Schriftzüge tragen:

„Von 1436 bis Ende des 18. Jahrhunderts stand hier der ‚Schöne Brunnen’“

und

„Zur Verschönerung des Stadtbildes errichtet von der Städtischen Versicherungs-Anstalt Anlässlich ihres 30jährigen Bestands unter dem Bürgermeister Karl Seitz im Jahre 1928“



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Quellen