Am Gestade
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Namensgebung und Geschichte
Der ursprüngliche Name lautete Gstetten – ein Wort der Wiener für ein verwahrlostes, mit wilden Mistablagerungen versehenes Gebiet. Da der Begriff unwürdig war, wurde der Platz auf Gestade umbenannt.
Die Kirche, die hier steht (heute: Maria Am Gestade), hieß eigentlich "Marienkirche bei unserer Frau auf der Stetten" (1360). 1314 führte schon eine Treppe den Steilabfall zum Donauarm und dem Ottakringerbach hinunter. Es fand sich daher auch der Namen "An der Fischerstiegen" (1473 und 1499).
Ein Weg über eine steile Kante
Die Stiege ist nicht zufällig genau hier. Am Rand des heutigen Tiefen Grabens fällt das Gelände deutlich ab. Schon im Mittelalter brauchte man an dieser Stelle eine Treppenanlage, um den Höhenunterschied zu überwinden. So wurde Am Gestade zu einem kleinen, aber praktischen Durchgang zwischen den Ebenen der Stadt und den tiefer liegenden Bereichen Richtung Donau.
Die nahe Kirche Maria am Gestade erinnert ebenfalls an diese Lage am früheren „Gestade“ eines Donauarms und gilt traditionell als Kirche der Donauschiffer.
Umgestaltung in den 1930er-Jahren
1937 wurde der Platz durch den Architekten Hubert Matuschek neu gestaltet.
Die heutige Wirkung als „kleiner Platz mit Stiege“ ist stark von einer Umgestaltung in den 1930er-Jahren geprägt. Damals wurde die Anlage so gestaltet, dass der Weg und die Stufen wie eine kurze Bühne funktionieren: Unten Platz, dann Stiege, oben die Kirche als Zielpunkt.
Brunnen: Hannakenbrunnen
- Brunnenname
| Steckbrief | |
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| Datierung / Herkunft | 1937 |
| Motiv | Geschichte des Hannakenkönigs |
| Künstler | Hubert Matuschek / Rudolf Schmidt |
| Material | Lindabrunner Konglomerat |
| Denkmalschutz / ID | Heris-ID 24530 |
Beschreibung: Der denkmalgeschützte Brunnen nahe der Kirche Maria Am Gestade (vor dem Haus Am Gestade 2-4) wurde 1937 von Rudolf Schmidt nach Plänen von Hubert Matuschek errichtet, enthüllt wurde er am 10.12.1937, als die Neugestaltung der Stiegenanlage abgeschlossen war. Das Brunnenbecken aus Lindabrunner Konglomerat ist achteckig und fasst etwa 4 Kubikmeter Wasser. Auf dem Steinsockel sind drei Menschen, ein Hund, ein Krug und Blattranken zu sehen. Zwei der Menschen tragen die dritte, verletzte, Person. An jeder Seite des Sockels befindet sich ein Fisch, der Wasser speit.
Der Brunnen stellt die „Geschichte des Hannakenkönigs“ dar. Einst hatte hier ein Bader (der Hannakenkönig) gewohnt. Als Hannaken wurden mährische Bewohner bezeichnet, die an der Hanna, einem Nebenfluss der March wohnten. Dieser Bader habe der Legende nach Leuten, die nachts hier vorbei gekommen waren, Prügel zwischen die Beine geworfen und sie damit zu Sturz gebracht. Anschließend verdiente er mit der Behandlung dieser Verletzten Geld.[2] Angeblich sei wegen dieses üblen Gesellen das Sprichwort "Jemandem einen Knüppel vor die Füße werfen" entstanden.
Der Bader blieb jedoch nicht ungestraft. In einer Winternacht lag der Prügel bereits an seiner üblichen Stelle und lauerte auf sein nächstes Opfer. Ein Fußgänger, der gerade den steilen Weg herunterkam, stolperte wie üblich, verletzte sich jedoch nicht. Als der Bader rasch auftauchte und dem Gefallenen seine Stube anbot, schnappte dieser noch den Prügel und verglich ihn mit den Feuerscheiten beim Kamin. So konnten dem Bösewicht seine Missetaten nachgewiesen und sein Treiben von Amtswegen eingestellt werden. [3]
Ausgrabungen
Zwischen 1901 und 1955 wurden bei Umbauarbeiten Zeugnisse für eine römische und mittelalterliche Besiedlung gefunden. Das Gebiet war die Grenze des römischen Lagers und des Siedlungsgebietes im 12. Jahrhundert, lag aber auch schon innerhalb der hochmittelalterlichen (babenbergischen) Stadtmauer.
| Ausgrabungscode | Zeitliche Einordnung | Beschreibung der Fundstücke |
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| 193701 | römisch | Beim Umbau der Stiegenanlage bei Maria am Gestade wurden eine römische Steinplattenpflasterung und anschließende Mauerzüge gefunden, die zu der bereits 1901 gefundenen Turmanlage gehören dürften (vgl. GC 1901_01) |
| 195504 | Mittelalter/Neuzeit | Im Jahr 1955 wurden im Zuge des Neubau des Hauses mittelalterliche und frühneuzeitliche Keramikfragmente und Glasbruchstücke aus einem Brunnen geborgen |
| 190126 | Mittelalter | Im Jahr 1901 wurden beim Abbruch des Hauses und beim Aushub für den Neubau die Fundamente mittelalterlicher Gebäude aufgedeckt |
Die Häuser des Platzes
- Maria Am Gestade, Kirche, Clemens Maria Hofbauer
- Am Gestade 1, 3 und 5, Mittelalterliche Häuserzeile
- Am Gestade 2-4, Concordia-Hof, Salzschiffer, Legende vom Wolf in der Au, Wohnhaus von Grillparzer
- Am Gestade 7, Barock-Statue Maria Immaculata
Praktische Hinweise
- Erreichbarkeit
- U1, U4 Schwedenplatz in wenigen Gehminuten über Franz-Josefs-Kai; U2 Schottentor mit kurzem Fußweg durch die Wipplingerstraße bzw. über den Ring. Straßenbahnlinien 1, 2, 71 und D am Ring (Stationen Schottentor bzw. Börse); Linien 1 und 2 zusätzlich am Kai (Schwedenplatz). Keine ÖV-Linien direkt in der Gasse, die nächste Station ist jeweils der Kai bzw. die Wipplingerstraße.
- Besichtigungstipps
- Kirche Maria am Gestade als einer der markantesten gotischen Sakralbauten der Inneren Stadt; Treppenanlage mit Blickbeziehungen zum Franz-Josefs-Kai und zum Donaukanal; kurze Abstecher zur Ruprechtskirche und ins ehemalige Hafengebiet am Gestade (historischer Donauuferbereich). Gut kombinierbar mit einem Rundgang durch das alte Handwerkerviertel zwischen Salzgries, Wipplingerstraße und Hoher Markt.
| Am Gestade – Überblick |
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