Bauernmarkt 17

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Grund-Information
Hoher Markt Vienna 2009.jpg

Bauernmarkt 17

Aliasadressen =Bauernmarkt 17, =Hoher Markt 10-11, =Fischhof 1A, =Judengasse 2
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1862: 487, 514, 515, 520, 521, 522 | vor 1821: 521, 554, 555, 560, 561, 562 | vor 1795: 639, 504, 505, 510, 511, 512
Baujahr 1912-1914
Architekt Ernst von Gotthilf, Alexander Neumann


Architektur und Geschichte

In den Jahren 1910, 1912 und 1913 erwarb die Gesellschaft für Lebens- und Rentenversicherung "Der Anker" alle oben genannten Gebäude, ließ diese abbrechen und 1912/1913 einen großen Gebäudekomplex errichten. Dieser Prachtbau besteht aus zwei selbständigen Objekten: das eigentliche Bürohaus und das große Mietshaus. Beide Häuser bilden eine Besitzeinheit und sind durch die sogenannte Uhrbrücke miteinander verbunden. Auf der Uhrbrücke befindet sich die "Ankeruhr". Sie wurde von Professor Franz Matsch angeregt und unter Mitwirkung namhafter Künstler geschaffen. Die Neubau veränderte das Erscheinungsbild des hohen Marktes stark.

Der Zweite Weltkrieg

Am 11.4.1945 versteckten sich die Wiener im Luftschutzkeller der Versicherung vor den niedergehenden Bomben. Russische Truppen stürmten den Keller und trieben die Ängstlichem aus dem Haus. Wenige Tage später ging der Ankerhof in Flammen auf, die Brandstiftung verursachte, dass Haus innen gänzlich zerstört wurde. Zum 100-jährigen Bestehen der Versicherung, 1958, wird auch die restaurierte Ankeruhr wieder eröffnet.

Vorgängerhäuser

Im Mittelalter standen hier noch 11 Häuser, später immer noch sechs. Über einige von Ihnen sind noch Informationen erhalten geblieben. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich laufend die Eigentumsverhältnisse geändert, Häuser wurden zusammengezogen und wieder getrennt.

1912 kaufte die Ankerversicherung das Haus und ließ es abreißen.

Haus 514 und 515, 521 (das "Riemerhaus"), 520, 522 und dessen Zuhaus 487

Das erstmals 1352 erwähnte Haus 514 besaß 1463 drei Ölpressen. 1549 wurde es geteilt, damit entstand Haus 515. Das Haus 514 hatte zu dieser Zeit den Hausnamen Zum blauen Gatter". Zu den Besitzern gehörten der Bürgermeister Daniel Fockhy (1688).

Das bereits 1341 urkundlich erwähnte Haus 521 war lange das Zunfthaus der Riemer. Anfang 1800 trug es nach einem Hausschild den Namen "Zum roten Kreuz".

Haus 520 wurde erstmals 1486 erwähnt, und gehörte um 1500 dem Schnitzer Wilhelm Rollinger, dem Schöpfer des Chorgestühls von St. Stephan (es ist 1945 im Feuer des Doms vernichtet worden). 1516 wird es als "Schuelhewslein" erwähnt.

Das Haus 522 aus dem Jahr 1407 (erste Erwähnung) war im Eigentum von Bürgermeister Hanns Scharffenberger, der es 1451 verkaufte. 487 war einst ein Beihaus von Haus 522, beide Gebäude wurden 1853 vom damaligen Besitzer Pietro di Galvagni abgerissen.

Alles diese Häuser kaufte Pietro di Galvagni zwischen 1853 und 1855, ließ sie abreißen und an deren Stelle den Galvagnihof erbauen. Der beauftragte Architekt war Carl Tietz.

Ankeruhr

Die Ankeruhr

Im Jugendstil wurde die Ankeruhr von Franz Matsch geschaffen. Zu jeder vollen Stunde bewegt sich eine Persönlichkeit aus der Wiener Geschichte über die Brücke. Die hier angebrachte Tafel erklärt:

Erklärungstafel

"Hier auf dem ältesten Platze Wiens, in dessen nächster Nähe sich das Kommandogebäude (Praetorium) des Römerlagers Vindobona befand, ließ die im Jahre 1858 gegründete allgemeine Versicherungs-Aktiengesellschaft DER ANKER in den Jahren 1912-1914 den Ankerhof erbauen - gleichzeitig schufen hervorragende Künstler die Ankeruhr. Sie ist den Wienern gewidmet."

Die Entstehung

Das alte Wiener Wappen und Herzog Leopold

Die Verbindung zwischen den beiden Gebäuden der Anker-Versicherung (bzw. der heutigen Helvetia-Versicherung) wurde 1914 in Form einer Brücke gestaltet. Man überließ dabei dem Künstler, wie diese Brücke aussehen sollte. Inspiriert durch das ehemals hier gelegene Römerlager (Verwendung von Sonnenuhren) und dem damaligen Trend mechanischer Uhren gestaltete Matsch die Kunstuhr. Die Brücke überspannt mit 10 Metern den Bauernmarkt, der Mittelbau hat eine Höhe von 7,5 Meter. Das Uhrwerk wurde vom k.u.k. Hof- und Kammeruhrmachers Franz Morawetz, die Kupfertreibarbeiten von Franz Siegel und die Steinmetzelemente von Andrea Francini gefertigt.

Eine Einweihung oder Enthüllung gab es nie, denn am Tag der geplanten Präsentation und dem Einzug der Versicherung in ihr neues Bürogebäude (29.6.1914) wurde der Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau Sophie in Sarajevo ermordet.

Darstellungen

Der Tod und die Sanduhr

Die Figuren, die die Konstruktion tragen, zeigen an der Vorderseite Adam und Eva, auf der Rückseite Engel und Teufel. Der obere Teil zeigt ein Kind mit Schmetterling, es symbolisiert das Leben, und eine Sanduhr, ein Symbol für den Tod.

Die Uhr stellt die Zeit horizontal dar: unter dem Sonnengitter befindet sich eine waagrechte Zeitleiste, deren Skalenstriche jeweils fünf Minuten anzeigen. Die Viertelstunden sind durch Ziffern dargestellt. Der Kreis in der Mitte der Uhr besteht aus einem Mosaik aus Glas, Marmor und Metall, es bedeckt eine Fläche von 16 Quadratmetern. In der Mitte ist das alte Wien-Wappen abgebildet: Zwei Doppeladler und zwei weiße Kreuze auf rotem Hintergrund. Die 12 Wappenschilder symbolisieren die Wissenschaft, die bildende Kunst, Handel, Gewerbe, Essen und Trinken in Wien.

Die vorbeiziehenden Figuren symbolisieren das Verstreichen der Zeit, die Vergänglichkeit weist darauf hin, dass eine rechtzeitige Vorsorge getroffen werden soll, damit wurde auch der Versicherungsschutz symbolisch mit aufgenommen.

Die 12 Persönlichkeiten

Die Figuren laufen elektronisch gesteuert durch die Uhr, gezogen werden sie von einem Kettenlaufwerk. Die Figuren selbst sind aus Kupfer und zwischen 2,6 und 2,8 Meter hoch. Bei genauer Betrachtung entdeckt man, unter dem Kreisausschnitt mit einer Zierdecke verhüllt, den Basilisken.

Jede Persönlichkeit hat auch ihre eigene Melodie, um 12 Uhr sieht man in Musikbegleitung jede der Figuren. Im Advent erklingen zwischen 17 und 18 Uhr Weihnachtslieder.

Stunde Bild Persönlichkeit Bezug zu Wien Lebenszeit Musikstück komponiert Stunde
I (1 bis 2 Uhr) 1 - 2 Uhr.jpg Kaiser Marc Aurel Römischer Imperator 121-180 Pytische Siegesode des Pindar um 473 v. Chr. Anker 1.jpg
II (2 - 3 Uhr) 2 - 3 Uhr.jpg Kaiser Karl der Große Gründer von Österreich 724-814 Das Hildebrandlied um 800 c. Chr. Anker 2.jpg
III (3 bis 4 Uhr) 3 - 4 Uhr.jpg Herzog Leopold VI., der Glorr. Theodora von Byzanz, erlangt für Wien das Stadtrecht 1176-1230 Das Nibelungenlied um 1200 Anker 3.jpg
IV (4 bis 5 Uhr) 4 - 5 Uhr.jpg Walter von der Vogelweide bedeutendster Minnesänger am Hofe der Bebenberger 1170-1230 Kreuzfahrerlied von W.v.d.Vogelweide um 1228 Anker 4.jpg
V (5 bis 6 Uhr) 5 - 6 Uhr.jpg König Rudolf von Habsburg Anna von Hohenberg erste Habsburger 1218-1291 Lied auf Rudolf des Minnesängers "Unverzagt" um 1280 Anker 5.jpg
VI (6 bis 7 Uhr) 6 - 7 Uhr.jpg Dombaumeister Buchsbaum Planer des Nordturms (Stephansdom) 1390-1454 Es liegt ein Schloss in Österreich 15. Jhdt. Anker 6.jpg
VII (7 bis 8 Uhr) 7 - 8 Uhr.jpg Kaiser Maximilian I., der letzte Ritter Gründer der Hofkapelle, Förderer der Musik 1459-1519 Innsbruck, ich muss dich lassen um 1500 Anker 7.jpg
VIII (8 bis 9 Uhr) 8 - 9 Uhr.jpg Bürgermeister Johann Andreas von Liebenberg regierte bei Bekämpfung der Pest und der Türken 1627-1683 O du lieber Augustin 17. Jhdt. Anker 8.jpg
IX (9 bis 10 Uhr) 9 - 10 Uhr.jpg Graf Ernst Rüdiger von Starhemberg Oberkommandant während der 2. Türkenbelagerung 1638-1701 Kriegslied 17. Jhdt. Anker 9.jpg
X (10 bis 11 Uhr) 10-11 Eugen.jpg Prinz Eugen von Savoyen Feldherr und Ratgeber des Kaiserhauses, Ließ das Belvedere erbauen 1663-1736 Prinz Eugenius der edle Ritter um 1719 Anker 10.jpg
XI (11 bis 12 Uhr) 11-12 Kaiser.jpg Kaiserin Maria Theresia und Kaiser Franz I. Kaiserpaar, das Reformen und Gesetze einführte, die bis heute Gültigkeit haben 1717-1780 und 1708-1765 Menuett von Mozart 1780 Anker 11.jpg
XII (12 bis 1 Uhr) 12-1 Haydn.jpg Joseph Haydn komponierte die Kaiserhymne 1732-1809 Die Himmel erzählen, aus der Schöpfung 1802 Anker 12.jpg

Orgelstube

Heute (seit 2005) wird die Musik digital erzeugt, es sind 12 Orgelstücke, die 1978 in einer Kirche - und nach Originalpartituren - aufgenommen wurden. Bevor der 2. Weltkrieg Beschädigungen angerichtet hatte, gab es in der Stube hinter der Uhr eine Orgel. Von hier ertönte die Musik aus 1000 Pfeifen. Das 12-Uhr-Lied (von Haydn) ist übrigens die alte Kaiserhymne.

Die Rück- und die Unterseite der Uhr

Die Rückseite der Uhr

Auch auf der Rückseite befindet sich eine Uhr. Sie ist abends beleuchtet, anstelle der Säulen tragen hier vier Figuren in Kindergestalt das Dach. Unterhalb der Uhr ist ein vergoldeter Anker mit der Aufschrift "Der ANKER" angebracht, als Hinweis auf die Versicherung. Die beiden Adler links und rechts davon symbolisieren die Wachsamkeit.

Das Stuckrelief an der Unterseite zeigt den Himmelsglobus mit den 12 Tierkreiszeichen und Sphingen.

Die Unterseite der Brücke

Video zur Ankeruhr

Die Stadt Wien hat in der Serie "Wien StadtUNbekannt" 2015 ein kurzes aber interessantes Video zur Ankeruhr und deren Mechanik veröffentlicht[1]

https://www.wien.gv.at/video/726/stadtUNbekannt-Die-Ankeruhr



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Quellen

  1. : Die Ankeruhr, ein Blick auf die Mechanik: stadtUNbekannt - Die Ankeruhr - wien.at Video: https://www.wien.gv.at/video/726/stadtUNbekannt-Die-Ankeruhr