Hoher Markt

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Hoher Markt

Wien 01 Hoher Markt a.jpg

Benennung 1208
Benannt nach "wichtiger" Markt
Straßenlänge 331,05 Meter[1]
Gehzeit 3,99 Minuten
Vorherige Bezeichnungen Forum altum, Fischmarkt


Namensgebung und Geschichte

1208 wird erstmals in Wien ein „Marckt“ erwähnt, er ist der älteste Markt der Stadt und befand sich genau hier. 1233 kommt er als „Forum altum“ vor, 1282 wird er als Fischmarkt erwähnt. Anfang des 14. Jahrhunderts dürfte sich am Hohen Markt, „Hoher“ im Sinn von wichtig, der Handel mit Brot etabliert haben, die Brottische standen im Bereich Hoher Markt 10-11. Aber auch Fett (rohes Fett, das Schmer, und ausgelassenes Fett, das Unschlitt), Bienenwachs, Schuhe und Kleidung wurden hier angeboten. Ab dem 15. Jahrhundert gingen die Handwerke dazu über, ihre Waren direkt in der Werkstatt zu verkaufen, also verschwanden diese Stände wieder.

Der Hohe Markt liegt über den Ruinen des ehem. römischen Lagers Vindobona.

Im Mittelalter war hier das Zentrum des bürgerlichen Wiens, der Platz war von den wichtigsten Zunfthäusern umgeben. Hier fanden sich die Schuster, Weber, Kerzenmacher und Gerber. Im 16. Jahrhundert wurden hier hauptsächlich Fisch und Krebse verkauft. Ein Gesetz aus dem Jahr 1516 besagte: „Niemand darf Fischkauf treiben, der nicht Bürgerrecht und ein eheliches Weib hat“.

Als im August 1753 verordnet wurde, dass der Fischmarkt an die Donau zu verlegen sei, reduzierte sich das Marktleben allmählich, trotzdem wurde bis 1939 hier ein Wochenmarkt abgehalten.

Historischer Stich des Hohen Markts, Situation vermutlich 16./17. Jh. (aus Bermann: Alt- und Neu-Wien, 1880)

Der Platz im Mittelalter

Bereits im 13. Jahrhundert sind Besitznachweise der hier angesiedelten Häuser vorhanden, besonders die Familie Smelzer dehnte ihre Besitzungen aus; ihr gehörten die Häuser 2, 3, 5, 6, 10 und 16. Im 14. Jahrhundert entstand aus den Häusern 6, 10 und 16 sowie der Kärntner Straße 22 das "Siechenhaus St. Johannes", dessen Verweser Wernhard Smelzer war.[2]

Prostitution am Hohen Markt

An diesem Platz fanden auch die Festlichkeiten zum Johannesfeuer statt - entstanden aus dem heidnischen Sommernachtsritus. Bei diesem Fest wurde ein großes Feuer entzündet, die Ratsherren auf Rössern zogen ein, dahinter die „Hübschlerinnen“ und die Handwerker. Aufgrund des Besäufnisses und der Unzucht, die sich daraus ergab, wurde das Fest 1524 verboten.

Hübschlerinnen wurden so bezeichnet, weil es anständigen Frauen im Mittelalter verboten war, sich herauszuputzen. Als Gegensatz dazu galten die Hübschlerinnen: In Wien mussten die Prostituierten ein gelbes Tüchlein an der Achsel tragen (in der Schweiz trugen sie hingegen rote Käppeli). In der Regel waren die Farben rot, grün, orange und gelb „Schandfarben“, und damit den Dirnen vorbehalten.

Vermählungsbrunnen

Der Vermählungsbrunnen

In der Mitte des Platzes steht der Vermählungsbrunnen (auch Josephsbrunnen), der die Heirat von Joseph und Maria darstellt. Übrigens mussten die Köpfe der Beiden erneuert werden, da sie durch die Bomben zerstört wurden.

Der ursprüngliche Brunnen war aus Holz und wurde von Johann Bernhard Fischer von Erlach angefertigt. Der Neubau aus Marmor und Erz stammt von seinem Sohn (Joseph Emanuel Fischer von Erlach, 1792).

Entstanden ist der Brunnen aufgrund eines Gelübdes von Kaiser Leopold I.: Sollte sein Sohn, Kaiser Joseph I. siegreich und glücklich aus dem Spanischen Erbfolgekrieg heimkehren, so sollte eine Denksäule ihm zu Ehren errichtet werden. Dafür wurde der Galgen, der an dieser Stelle stand, entfernt. Auch der neben dem Galgen befindliche Fischbrunnen wich dem neuen Brunnen - sein Wasser kam direkt aus Hernals, und diente dazu, den Fisch am Markt frisch zu waschen.

In den Brunnennischen sind drei Reliefs angebracht: • Christi Geburt, • die Anbetung durch Hirten und die Darbietung im Tempel • die Anbetung der Könige.

An der südlichen Brunnenseite befindet sich das vergoldete Wappen Kaiser Karl VI.

Erstaunlich ist, dass der Brunnen die Zeit des Nationalsozialismus überstanden hat, die Nazis erkannten die eigentlich offensichtlich dargestellte jüdische Hochzeit nicht: Neben Joseph ist ein Rabbiner dargestellt, die Szene wird von einem klassischen jüdischen Hochzeitsdach, einer Chupa, überspannt. [3]

Häuser des Platzes

Der Hohe Markt im 15. Jahrhundert. Mit Bürgerschranne und Leinwandhaus[4]



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Quellen

Quellen

  1. Datenquelle: Stadt Wien - data.wien.gv.at
  2. Felix Czeike: Der Neue Markt, Wiener Geschichtsbücher, Paul Zsolnay-Verlag, Wien, 1970, S. 17-18
  3. Harald Havas: Wiener Sammelsurium, Wien, Metro Verlag. S. 103
  4. Eugen Messner: Die Innere Stadt Wien: Österr. Bundesverlag, 1928, Leipzig S. 218