Landskrongasse 8

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Grund-Information
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Hoher Markt 4

Aliasadressen =Landskrongasse 8, Hoher Markt 4
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1862: 544, 545 | vor 1821: 585, 586 | vor 1795: 526, 527, 528
Baujahr xxx
Architekt xxx


Das Haus - Architektur und Geschichte

1, Hoher Markt 4 (Konskriptionsnummer 544), Landskrongasse 8; bis 1945 zusätzlich Camesinagasse 1.

Auf dem heutigen Grundstück befanden sich das Leinwandhaus und das Schuhhaus. Am 25. September 1428 werden auf demselben Grundstück noch zwei weitere Häuser erwähnt, die der Spitalsmeister des Bürgerspitals für dieses kaufte. Sie wurden vermutlich zur Vergrößerung des Leinwand- und des Schuhhauses herangezogen. Das Schuhhaus wird bereits im Jahr 1310 erwähnt und ist wahrscheinlich mit dem „Irchhaus“ gleichzusetzen. Unter Irchern verstand man in dieser Zeit die Weißgerber. Ab dem 15. Jahrhundert befanden sich alle Gebäude im Besitz des Bürgerspitals, das diese um 1630 an den Bürgermeister Daniel Moser teils verkaufte, teils verschenkte. Spätere Besitzer waren der Bürgermeister Conrad Bramber und der Handelsmann und Rat des Äußeren Mathias Voltsberger, der Mitte des 17. Jahrhunderts am bereits sehr desolaten Gebäude Bauarbeiten vornehmen ließ. In einem Brief an den Kaiser schreibt er, dass er die Liegenschaft „bereits mehristen Theils in eine solche Perfection gebracht [habe], das sie andern Häusern gleich und wie der Augenschein zeigt, den Platz zieret ... “ (Kallbrunner Josef: Wohnungssorgen im alten Wien, S. 53 f.). An Voltsberger erinnert ein schönes Grabmal im nördlichen Seitenschiff des Stephansdomes.

Für die Jahre 1630 und 1758 fehlen genaue Daten, im Suttingerplan von 1684 erscheinen das Leinwandhaus und das Schuhhaus bereits zu einem verbaut. 1683 gibt es jedoch Hinweise auf zwei Häuser, 1701 wird wieder nur mehr eines genannt. Fest steht jedoch, dass beide Häuser seit 1640 besitzrechtlich vereint waren. Spätestens im Jahr 1775 waren die Gebäude zu einem verbaut, das 1877 die Erste österreichische Spar-Casse kaufte. Das Gebäude wurde beim großen Brand im April 1945, dem außer dem Haus Hoher Markt 5 die ganze Südseite des Hohen Marktes zum Opfer fiel, zerstört. Da die öffentliche Sicherheit gefährdet war, wurde die Ruine als erstes von 350 einsturzgefährdeten Wiener Gebäuden von amerikanischen Fachleuten gesprengt.

Neubau

1949/1950 wurde das heutige Gebäude nach Plänen von Franz Klimscha und Gustav Pawek errichtet. Dabei wurde die ehemalige Camesinagasse überbaut und durch einen Durchgang ersetzt. In Erinnerung an das alte Leinwandhaus wurde eine darauf hinweisende Skulptur aufgestellt und das Haus mit einem Relief, das die älteste Ansicht des Hohen Marktes nachbildet, geschmückt.

Hinter der Schlagstube (1), ab 1326 nachweisbar und nach der Lage bei der Schlagstube (1, Landskrongasse 8) benannt, jedoch um 1408 (in verschiedenen Schreibvarianten unter Bezugnahme auf die Hausschilder "Zur großen [beziehungsweise kleinen] Landeskrone") durch die Bezeichnung In der Landskron verdrängt; seit 1710 Landskrongasse.

Leinwandhaus (1, Hoher Markt 4, Landskrongasse 8; bis 1945 zusätzlich Camesinagasse 1; Konskriptionsnummer 544 [Teil A]).

Auf dem heutigen Areal standen seinerzeit fünf kleine Häuser (Teil A-E), von denen vier mit der Front zum Hohen Markt lagen (A [das Leinwandhaus], B, D [das Schuhhaus, 1418-1428 Irchhaus, benannt nach den Irchern = Weißgerbern], E), eines (C) lag hinter dem Haus B (Front zur Landskrongasse), die sich im 14./15. Jahrhundert zu verschiedenen Zeiten im Besitz des Bürgerspitals befanden (siehe auch Hoher Markt 4).

Leinwandverkauf

Im späteren Leinwandhaus, das an der Ecke des bereits 1376 nachweisbaren Linnengäßchens stand und in dem ab 1385 die Leinwater ihre Verkaufsstätten hatten, war im 13. Jahrhundert (erstmals urkundlich erwähnt 1277) die Schlagstube (Prägestätte der Hausgenossen) eingerichtet, die um 1280 in die vormalige Herzogsresidenz Am Hof verlegt wurde (Münzer). Die Bezeichnung Leinwandhaus taucht 1388 erstmals urkundlich auf. Das Haus gehörte dem Bürgerspital, das es 1369 aus Privatbesitz erworben hatte. Die Leinwater waren daher gegenüber dem Bürgerspital abgabepflichtig. 1453 wurde verfügt, dass jeder Leinwater im Leinwandhaus eine Verkaufsstätte haben sollte. Die Standorte der "Stätten" wurden durch Los bestimmt (1516 wurde ein wöchentlicher Wechsel der Standorte verfügt). 1480 hatten 24 Leinwater im Leinwandhaus ihre Verkaufsstätte, doch ließen sich die Händler auch in anderen Häusern der Stadt nieder. 1497 wurde festgelegt, dass sich die Befugnis der Leinwater auf den stück- oder ellenweisen Verkauf beschränkte. Laut der Ordnung vom 16. August 1516 musste jeder, der Leinwand verkaufen wollte, das Bürgerrecht besitzen, im Grundbuch des Spitals eingeschrieben sein und nachweisen, wie er zum Leinwaterrecht gekommen war (zum Beispiel durch Erbschaft oder Heirat). Die sogenannte Schrannenordnung von 1566 bestätigte, dass jeder, der das Recht zum Leinwandhandel nicht geerbt, sondern gekauft habe, einer Platzkonzession vom Bürgerspital bedurfte.

Bierausschank

1440 errichtete die Gemeinde (anlässlich des Neubaues der Schranne nebenan) im Leinwandhaus eine Bierschank, obwohl das Bürgerspital seit 1432 sowohl das Braumonopol als auch das alleinige Recht Bier auszuschenken hatte. Die Beschaffenheit des "Spitällerbieres" soll allerdings nicht die beste gewesen sein. Anfangs betrieb die Gemeinde die Bierschank selbst, dann verpachtete sie diese an sogenannte Bierleutgeben. Später trat das Bürgerspital die Rechte an die Gemeinde ab. Das Bierhaus war trotz seines bescheidenen Raumes und seiner primitiven Einrichtung sehr beliebt und wurde auch von den Honoratioren der Stadt häufig besucht. Einer Rechnung aus dem Jahr 1566 ist zu entnehmen, dass Weiß- und Braunbier ausgeschenkt wurde. 1628 wurde die Ausschank aufgelassen.

1630 kaufte der damalige Bürgermeister Daniel Moser das Leinwandhaus samt den beiden (hintereinanderliegenden) Nachbarhäusern (B und C). Zusätzlich gingen die beiden mit der Front zum Hohen Markt gelegenen Nachbarhäuser (Konskriptionsnummer 544, Teil D, Schuhhaus, und E) in Mosers Besitz über. 1654 ließ ein Nachbesitzer, der Handelsmann Matthias Voltsperger, anstelle aller fünf Häuser einen Neubau errichten (siehe Hoher Markt 4). Die Behauptung, dass sich im 16. und 17. Jahrhundert der Schuldenarrest im Leinwandhaus befunden habe, ist nicht zu beweisen.

Gewerbe und Firmen innerhalb des Hauses im Laufe der Jahre

Leinwater 
Bierausschank 

Schuhhaus (Schuchhaus; 1, Hoher Markt 4, Landskrongasse 8; bis 1945 zusätzlich Camesinagasse 1; Konskriptionsnummer 544 [Teil]), einst mindestens zwei Gebäude (Leinwandhaus, siehe auch Hoher Markt 4).

Das schon 1310 urkundlich nachweisbare Haus war das Zunfthaus der Schuster, in dem diese auch ihre Verkaufsstände hatten, grenzte an einer Seite an das Saithaus und ist wahrscheinlich mit dem "Irchhaus" gleichzusetzen. Unter Irchern verstand man in dieser Zeit die Weißgerber. 1418 benützte die Stadt eines der Gewölbe zur Aufbewahrung der Fischtröge. 1428 verkaufte die Kartause Mauerbach, die hier einen großen Gewandkeller hatte, das Gebäude an das Bürgerspital. Im Jahr 1460 bestätigte Kaiser Friedrich III., dass Schuhe nur im Schuhhaus und in den Werkstätten der Meister verkauft werden durften. Außerdem durfte sich kein Dorfschuster in der Stadt niederlassen. Nach einem Verzeichnis von 1463 gab es im Schuhhaus 46 Schuster, die darin eine "tischstat" (einen Verkaufsstand) innehatten.

Vor 1629 wird dem Bürgermeister Daniel Moser das Schuhhaus für seine Verdienste um die Stadt geschenkt. Später kam es in den Besitz des Bürgermeisters Conrad Bramber. Mitte des 17. Jahrhunderts wurde der Handelsmann und Rat des Äußeren Mathias Voltsperger, an den ein schönes Grabmal im nördlichen Seitenschiff des Stephansdomes erinnert, neuer Besitzer. Das Schuhhaus war zu diesem Zeitpunkt sehr baufällig.

1758 wurde das Schuhhaus gemeinsam mit dem Leinwandhaus versteigert. Für die Jahre 1630 und 1758 fehlen genaue Daten, im Suttingerplan von 1684 erscheinen beide Gebäude bereits zu einem verbaut. 1683 gibt es jedoch Hinweise auf zwei Häuser, 1701 wird wieder nur mehr eines genannt. Fest steht jedoch, dass beide Häuser seit 1640 besitzrechtlich vereint waren. Spätestens 1775 wurden die beiden Gebäude zusammengebaut.

Weitere Geschichte des Hauses im Artikel Hoher Markt 4.

Gewerbe und Firmen innerhalb des Hauses im Laufe der Jahre

Schuster 
Weißgerber (nicht sicher) 

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