Am Hof

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Am Hof

Am Hof Vienna Sept. 2006.jpg

Benennung 1155
Benannt nach Babenberger Burg
Straßenlänge 319,95 Meter (Umrundung)
Gehzeit 3,85 Minuten
Vorherige Bezeichnungen keine


Namensgebung und Geschichte

Babenberger Hof

„Am Hof“ ist einer der ältesten Plätze Wiens. Hier war schon ein Teil des römischen Vindobonas (bei Grabungen wurden Nachweise für Werkstätten und Kasernen gefunden) – und der Standort der ersten Residenz der Babenberger. Heinrich Jasomirgott hat 1155 hier seinen Palast errichten lassen, und Kaiser Barbarossa empfangen, als dieser auf dem Weg zum dritten Kreuzzug war.

Auch die Minnesänger Reinmar von Hagenau und Walther von der Vogelweide (1200) waren hier zu Gast, regelmäßig fanden hier Minnesang-Wettbewerbe statt.[1] Walther von der Vogelweide verewigte den Hof in seinem Lied: „Das ist der wunnigliche Hof ze Vienne“.

Eingegrenzt war der Hof durch die römischen Stadtmauern und das Tor zur Judenstadt. Ab 1280 übersiedelte der Hofstaat in die Hofburg – danach wurde das Gelände als Marktplatz für den Verkauf von Fisch und Krebsen verwendet. Ab 1418 wurden auch andere Waren, wie Obst Gemüse und Bäckereien verkauft.

Einen Teil erhielten die Karmeliter, die um 1400 die Klosterkirche erbauen ließen (und dann 1554 den Karmelitern übergaben).

Verwendung des Platzes

Der geschichtsträchtige Platz war nicht nur der Kaiserhof, er wurde auch als Hinrichtungsstätte, Marktplatz und Filmschauplatz genutzt.

Hinrichtungsstätte

1463 wurde hier der Bürgermeister der Stadt Wien hingerichtet – und auch Graf Hardegg wurde am 15.6.1595 hier geköpft, weil er die Festung Raab kampflos den Türken überlassen hatte. (Die Grafen von Hardegg waren Protestanten und dürften Intrigen zum Opfer gefallen sein).

Hinrichtung des Grafen Ferdinand Hardegg Am Hof

Graf Baillet von Latour und das Gaskandellaber

Bis Ende 1848 standen hier 2 riesige Gaskandelaber – an einem von beiden wurde Graf Latour gehängt. Danach wurden beide Lampen entfernt und durch die heutigen ersetzt.

Theodor Graf Baillet von Latour trat 1787 bereits mit sieben Jahren in die Theresianische Militärakademie in Wiener Neustadt ein, und wurde sehr früh mit Generalstabsaufgaben betraut. Er nahm an zahlreichen Schlachten teil, wie in den Befreiungskriegen 1797, in der Schlacht von Marengo und der Schlacht von Ulm, wo er in Gefangenschaft geriet, bis er 1848 als Kriegsminister in der konstitutionellen Regierung von Österreich ein Amt bekam.

In dieser Funktion wollte Latour zur Unterstützung des kroatischen Adligen Joseph Jellacic ein Wiener Bataillon entsenden, dass aufständische Ungarn bekämpfen sollte. Aufrührerische Teile der Wiener Bevölkerung versuchten das zu verhindern und stürmten das k.u.k Kriegsministerium Am Hof. Latour wurde gelyncht und an einem Gaskandellaber gehängt.

Das Wort „laternisieren“ wurde (angeblich wegen diesem Vorfall) zum geflügelten Ausdruck in Wien, sich für die Ausnutzung staatlicher Autorität zu rächen, in dem man diese Vorgangsweise auch Anderen androhte.

Graf Baillet von Latour

Der Anschlag vom 6.10.1848 führte zur Abreise des Kaiserlichen Hofes aus Wien und stellt den Beginn des Wiener Oktober-Aufstandes dar.

Auch dem Laternenpfad erging es nicht gut. Er wurde – nachdem Latour sieben Stunden darauf hing – ebenfalls zum Tode verurteilt: Aus dem Laternenanzünder-Postenbuch der englischen Gasgesellschaft ist folgendes handschriftliches Zitat erhalten:

Der vor dem Hofkriegsrätlichen Gebäude aufgestellt gewesene Candelaber wurde wegen der am 6.Oktobier 1848 vom Grafen Baillet de Latour, k.k. Feldzeugmeister und Kriegsminister, verübten schändlichen That am 1. November 1848 vom k. k. Militär vernichtet“.

Filmschauplatz

Der Hof kam auch im Film der Dritte Mann vor – die Litfaßsäule ist der Eingang zur Wiener Kanalisation. (In Wahrheit stieg das Filmteam über die Öffnung bei der Secession ein – es gab auch nur einen Drehort – nämlich in der Sammelkammer nahe dem Naschmarkt)

Markttreiben Am Hof

Dankfest zur Abwendung der Pest, abgehalten Am Hof

Im 14. Jahrhundert wurde der Platz als Seefisch- und Krebsmarkt genutzt. Das städtische Rentenbuch aus dem Jahr 1418 schrieb sogar vor, dass Seefisch nur mehr hier verkauft werden dürfe – und nicht, wie bisher, Am Hohen Markt (dem Fischmarkt). Auch Obst, Gemüse und Backwaren wurden hier angeboten.

Nachdem 1753 eine Regierungsverordnung eine Bereinigung des Marktwesens bekannt gab, wurden die Waren schrittweise auf andere Marktplätze verlegt – Grünzeug wurde ans „Schanzl“ verlegt, der Fischmarkt an den Donaukanal, Am Hof blieb nur das Backwerk.

Zwischen 1842 und 1918 befand sich am Hof ein beliebter Christkindelmarkt, seit einigen Jahren ist dieser Markt wieder aufgelebt.

1973 entstand hier der Flohmarkt, der 1977 aus Platzgründen auf den Naschmarkt übersiedelt ist. Freitag und Samstag wird zwischen März und November ein Kunst und Antiquitätenmarkt abgehalten.

Denkmäler

Die Mariensäule

Die Mariensäule

Gegen Ende des 30-jährigen Krieges gelobte Kaiser Ferdinand III. den Bau einer Dankessäule - zur Erinnerung an die Schwedengefahr: Die Schweden hatten 1646 auf eine Belagerung Wiens verzichtet. Nach einem Münchner Vorbild wurde schließlich zwei Jahre später die marmorne Mariensäule, nach einem Entwurf von Johann Jakob Pock, durch Balthasar Herold geschaffen.[2] Sie stellt eine Maria Immaculata, die von vier Engel umgeben ist, dar, die siegreich gegen einen Drachen (=Hunger), einen Löwen (=Krieg), eine Schlange (=Unglauben) und einen Basilisken (=Pest) kämpfen.

An der Säule sind vier Tafeln in lateinischer Schrift angebracht, drei davon von Ferdinand III., eine von Leopold I.

Auf der Rückseite der Säule ist die Widmung von Kaiser Ferdinand III. angebracht:

„Dem allerbesten, größten, höchsten Gott,
Herrn des Himmels und der Erde,
durch welchen die Könige regieren,
der ohne Erbsünde empfangenen jungfräulichen Gottesgebärerin,
durch welche die Fürsten herrschen,
dieser, die wir aus besonderer Andacht
zur mächtigen Frau und Patronin von Österreich erwählt haben,
vertraut, übergibt und opfert sich,
seine Kinder, Völker und Kriegsheere, Länder und all das Seinige Ferdinand III.,
Römischer Kaiser, der zu dieser Sache
ewigen Gedächtnis diese Säule gemachten Gelübdes wegen aufrichtet.
Den 18. Maji 1647.“

Auf der zweiten und dritten Tafel (an den beiden Seiten der Säule) ist der Text des ferdinandeischen Doppel-Gelübdes eingraviert. Auf der letzten Tafel (Vorderseite) ist der Renovierung durch Kaiser Leopold gedacht:

„Leopold, Römischer Kaiser, allzeit Mehrer des Reiches,
hat diese von seinem allerdurchlauchtigsten Herrn Vater
zu Ehren der ohne Makel empfangenen Jungfrau errichtete Statue
kostbarer hergestellt und unvergänglich gemacht;
denn die steinerne, die er gefunden,
hat er aus österreichischer Frömmigkeit und Gelübde durch Erz verewigt,
um zu bezeugen, dass er alles und sich selbst ihr schulde
und durch ihre Begnadung Kronen, Siege, Frieden und Nachfolge erhalten habe.
Im Jahre 1667, am 8. Dezember“.

Im Original war die gesamte Säule vergoldet und hatte 205 Zentner Gewicht (84 die Säule, 29 die Marienstatue, 10 der Drache, die vier Engel 72 und die Tafeln 10). Ohne Postament ist die Säule 7,5 Meter hoch.

Radetzky-Denkmal

Ende des 19. Jahrhunderts gab es auf dem Platz ein weiteres Denkmal, das des reitenden Feldmarschalls Radetzky. Es wurde nach 20 Jahren jedoch auf die Ringstraße (Stubenring 1), vor das neue Kriegsministerium, umgesiedelt.

Die Häuser des Platzes

  • Am Hof 1, Kirche zu den neun Chören der Engel
  • Am Hof 2, Hyatt Park Hotel, Brandunglück, Gedenktafel Henri Dunant
  • Am Hof 3-4, Adam-und-Eva-Haus, Pankrazkapelle, Gedenktafel der Apostolischen Nuntiatur, Adalbert Stifter
  • Am Hof 5, Zum Hahnenbeiß, Wohn- und Sterbehaus Klinkowström
  • Am Hof 6a, Zur Stadt Frankfurt, Scheckelkeller, Vertikale Galerie, Yellow Fog, Wohnhaus Tobias Kracker
  • Am Hof 7, Das Märkleinsche Haus, Feuerwehrmuseum, Gedenktafel Liebenberg
  • Am Hof 8, Das schmale Haus, Kattus-Haus, Sterbehaus Jakob Daniel Tepser
  • Am Hof 9-10, Die Zentral-Feuerwehr, Feuerwache, römische Ausgrabungen, das bürgerliche Zeughaus, Unterkammeramt, jüdischer Fleischhof, Kara Mustafas Kopf, Spuk im Zeughaus, Bellonabrunnen, Kranunfall
  • Am Hof 11, Ledererhof, Türkenkugel
  • Am Hof 12, Urbanihaus, Zum goldenen Einhorn
  • Am Hof 13, Palais Colalto, Lefebvre, Mozarts erstes Konzert, Kriminalfall Sothen



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Quellen

  • Ursprung und Ziel, Nr. 218, April 2008
  • Felix Czeike: Wiener Bezirkskulturführer: I, Innere Stadt, 2. Auflage, Jugend und Volk, Wien, 1985, S. 4
  • Felix Czeike, Wiener Bezirksführer: I, Innere Stadt, Jugend und Volk, 2. Auflage, S. 4