Am Hof 13

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Grund-Information
Schulhof 8.jpg

Collaltopalais (in Google Maps betrachten)

Aliasadressen =Am Hof 13, =Parisergasse 1, =Schulhof 8
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1862: 420 | vor 1821: 235 | vor 1795: 235
Baujahr 1671
Architekt unbekannt


Das Palais Collalto - Architektur und Geschichte

Nach der Vertreibung der Juden 1442 stand hier das Herberghaus, auch „Zum Elend“ genannt, es war für die Aufnahme von Fremden bestimmt (ähnlich einem heutigen Asylantenhaus). 1560 erhielten es die Jesuiten, um ein Konvikt für adelige Jungen zu errichten, 1611 kauften es die Stände, bis der Grund 1671 in Besitz der Familie Collalto gelang.[1]

Das Collaltopalais wurde 1671 erbaut. Davor befand sich hier der „Judengarten“, der dann zur adligen Landschaftsschule von Ferdinand I. wurde.

Zwischen dem Haus und der Kirche wurde eine Verbindung mittels Schwippbogen hergestellt, sodass ein Durchgang entstand, der noch heute vorhanden ist.

Gedenktafeln

Mozarts erstes öffentliches Konzert

In der zweiten Oktoberwoche 1762 fand das erste öffentliche Konzert des damals sechsjährigen Wolfgang Amadeus Mozart gemeinsam mit dessen Schwester im Palais Collalto statt (Gedenktafel von 1956).

Bild Anlass/Persönlichkeit Text der Tafel
GuentherZ 2012-04-30 0665 Wien01 Am Hof13 Gedenktafel Wolfgang Amadeus Mozart.jpg Mozart, Wolfgang Amadeus Wolfgang Amadeus Mozart

1756 - 1791
trat in der zweiten Oktober
woche des Jahres 1762 in
diesem Hause erstmals vor
die Öffentlichkeit der Stadt
die ihm einst Heimat und
Schicksal werden sollte.
Mozartgemeinde Wien 1956

Wohnhaus bekannter Persönlichkeiten

Wohnhaus General Francois Josef Lefebvre

1809 wohnte hier General Francois Josef Lefebvre (Herzog von Danzig).

Unterirdisches

Der Keller des Hauses

Im Keller des Hauses befand sich eines der Warenlager des jüdischen Ghettos, heute ist hier das Lokal „Borrega Marques“. Das Besondere an dem Kellerlokal sind die erhaltenen frühgotischen Sitznischen.

Ein Kriminalfall

Johann Karl (von) Sothen und die Trafik

1842 hatte ein armer Tabakhändler hier seinen Laden, der dann durch verschiedene Transaktionen zu Reichtum kam und Besitzer der Herrschaft Kobenzl wurde (Johann Karl, später Freiherr von Sothen).

Der letzte Besitzer des Schlosses am Kobenzl war, bevor es die Stadt Wien in ein Hotel umbauen ließ, der Sohn von Johann Carl Freiherr von Sothen. Bekannt wurde Sothen als Erbauer der Sissy-Kapelle (das erste neugotische Gebäude in Wien) zur Hochzeit von Franz Joseph I. mit Elisabeth im April 1854, die er jedoch eigentlich zum Eigenzweck erbaute – sie diente als Grabstätte für sich und seine Frau Franziska. Diese Tatsache geriet in Vergessenheit, erst bei der Renovierung der Kapelle im Jahr 2002 fand man die sterblichen Überreste von Sothen, die Gebeine wurden exhumiert und neben der Kapelle bestattet.

Das Geld zur Erbauung der Kapelle und dem Kauf des Schlosses kam jedoch aus seltsamen Quellen. Der Freiherr war eigentlich Tabaktrafikant Am Hof, und bot neben Tabakwaren auch Spielkarten an. Diese kaufte er nicht neu, sondern erwarb sie in den umliegenden Wirtshäusern um wenig Geld, reinigte sie mit Alkohol und verkaufte sie teuer weiter. Gleichzeitig führte er eine Lottokollektur. Im Haus von Sothen wohnte ein böhmischer Vogelhändler mit seinem Sohn und seiner Tochter. Da der Gewinn kaum zum Überleben reichte, versuchte Wenzel Hüttler, der Vogelhändler, sein Glück beim Lotto – im Laden von Sothen. Als die Gewinnzahlen von Hüttler, die Nummern 10, 6 und 81 einen Gewinn von 20.000 Gulden erzielten, überbrachte Sothen dem lungenkranken Wenzel die Nachricht. Angeblich lag dieser gerade im Sterben, so steckte Sothen den Gewinn selbst ein. Um den Verdacht von sich zu lenken, spielte er sich als Wohltäter der beiden Kinder auf. Er brachte sie in einem Gasthof in Brünn unter und unterschlug das unerwartet große Vermögen Wenzels, von dem nicht einmal das Vormundschaftsgericht etwas mitbekommen hatte.

Nach einigen Jahren war das Vermögen aufgebraucht, da wandte er sich wieder an die Tochter von Wenzel in Brünn, die mittlerweile Brieftauben züchtete. Mittels Erpressung brachte er sie dazu, die Zahlen der Brünner Lottoziehung per Brieftaube nach Wien zu übermitteln, sodass es Sothen möglich war, die gewinnenden Lotto-zahlen zu setzen, bevor in Wien Annahmeschluss war. (Das war nur möglich, weil es weder Telefone noch Telegrafen gab). Auf diese Weise sammelte er sich ein Millionenvermögen an.

Den Tod fand er bei einem Streit mit Wenzels Sohn, Eduard Hüttler. Dieser sprach ihn auf die unterschlagenen 20.000 Gulden an, und als Sothen mit der Polizei drohte, erschoss Eduard den Freiherren mit seinem Jagdgewehr. Das Todesdatum, nämlich der 10.6.81 stimmt mit den Lottozahlen überein, die der Beginn für Sothens Betrügereien waren.

Auf die Mauer der Grabkapelle, in der Sothen beigesetzt wurde, wurde folgender Spruch gekritzelt:

„Pestilenz und Not ein Übel ist,
Hier, in dieser schönen Gruft,
liegt der allergrößte Schuft,
Zeigts keine Sechserl runter,
Sonst wird er wieder munter!

Ausgrabungen

Adresse Ausgrabungscode zeitliche Lagerung Beschreibung der Fundstücke
Am Hof 13 190207 römisch Im Jahr 1902 wurden bei Kabellegungsarbeiten gegen die Mitte des Platzes römische Dachziegel gefunden.
Am Hof 13 200109 Mittelalter Es wurden mehrere spätmittelalterliche Baukörper im SW-Teil des Grundstücks untersucht. Die älteste Phase bilden ein Rundraum, möglicherweise ein Turmfundament der Babenbergerburg, und eine weitere Mauer aus der ersten Hälfte des 13. Jh. Im Norden des Grundstücks wurde im 15. Jh. eine Kelleranlage erbaut
Schulhof 8 191218 Mittelalter/Neuzeit Im Keller wurden Mauern aus größeren und kleineren Bruchsteinen sowie Ziegeln festgestellt
Parisergasse 1 200104 Mittelalter/Neuzeit Bei Kelleruntersuchungen fand man mittelalterliche Mauerreste und Spolien die dem praetorium des römischen Legionslagers zuzuordnen sind. Das Erdgeschoß datiert in das 13. Jh.; fast der gesamte Osttrakt ist renaissancezeitlich überwölbt.
Parisergasse 1 199906 Mittelalter/Neuzeit Im Jahr 1999 wurden bei Kanalbauarbeiten mittelalterliche Mauerzüge angeschnitten.

Wien - Eine Stadt stellt sich vor

Das Palais Collalto trägt das Schild Nummer 38 der Aktion "Wien - Eine Stadt stellt sich vor".

Bild Sehenswürdigkeit Text der Tafel
Hof z03.JPG 1, Am Hof 13 Palais Collalto

Um 1671 erbaut
Erneuerung der Fassade
zwischen 1715 und 1725



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Quellen

  1. Felix Czeike, Wiener Bezirksführer: I, Innere Stadt, Jugend und Volk, 2. Auflage, 1985, S. 7