Stephansdom: Lapidarium
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Das Lapidarium im Untergrund des Stephansdoms
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Das Lapidarium des Stephansdoms befindet sich im unterirdischen Bereich des Doms und ist Teil des Weges durch Unterkirche und Katakomben. Es bewahrt Reste zerstörter Grabsteine, Denkmäler und steinerner Bauglieder, die aus dem Dom oder seinem engeren Umfeld stammen. Gerade dadurch ist das Lapidarium mehr als ein bloßer Aufbewahrungsort. Es ist ein Gedächtnisraum für Verluste, Umbauten und Zerstörungen – also für all jene Stücke des Doms, die nicht mehr an ihrem ursprünglichen Platz erhalten sind.
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Zur Vertiefung: Stephansdom: Die Katakomben, Stephansdom: Das Türkendenkmal, Stephansdom: Kruzifixkapelle
Geschichte
Das Lapidarium gehört zum unterirdischen Bereich des Stephansdoms, der nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs und im Zuge der Neugestaltung von Unterkirche, Bischofsgruft, Herzogsgruft und Domherrengruft schrittweise neu geordnet wurde. In den Katakombenführungen führt der Weg nach der Herzogsgruft über das Lapidarium weiter in die Domherrengruft unter dem Nordchor. Dadurch liegt das Lapidarium nicht am Rand, sondern mitten im unterirdischen Gedächtnisraum des Doms.
Das Wien Geschichte Wiki beschreibt das Lapidarium ausdrücklich als Ort, an dem Reste zerstörter Grabsteine und Denkmäler aufbewahrt werden. Damit hat es eine ganz eigene Funktion: Es sammelt jene Stücke, die durch Abtragung, Zerstörung, Restaurierung oder Bauveränderungen ihren ursprünglichen Platz verloren haben, aber dennoch als historische Zeugnisse erhalten bleiben sollen.
Auch die Arbeit der Dombauhütte verweist auf diese Funktion. Verwitterte oder ausgebaute Originalteile werden – soweit noch möglich – nicht einfach entsorgt, sondern in das Lapidarium verbracht. So wird das Lapidarium zu einer Art Steinarchiv des Stephansdoms.
Was hier aufbewahrt wird
Im Lapidarium befinden sich Reste zerstörter Grabsteine und Denkmäler, aber auch Fragmente aus dem Bau- und Restaurierungsgeschehen des Doms. Gerade weil diese Stücke oft aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang gerissen sind, erzählen sie nicht nur von Kunstwerken, sondern auch von Verlust, Umbau und Überformung.
Besonders anschaulich wird das am Türkendenkmal. Einige der 1945 zerstörten Figuren dieses Monuments sind heute noch im Lapidarium der Unterkirche zu sehen. Dadurch bleibt das zerstörte Gesamtkunstwerk wenigstens in Fragmenten erfahrbar.
Das Lapidarium ist damit nicht nur eine Sammlung von Steinen. Es bewahrt Reste der materiellen Erinnerung des Doms – von Grabmalen, Figuren und Denkmalteilen bis zu ausgewechselten Bauteilen, die bei Restaurierungen ihren Ort verloren haben.
Bedeutung für den Stephansdom
Der Stephansdom ist kein unverändert erhaltenes Bauwerk, sondern ein Organismus mit vielen Schichten. Im Lauf der Jahrhunderte wurden Altäre versetzt, Grabmäler beschädigt, Figuren ersetzt, Denkmäler zerstört und Bauteile erneuert. Das Lapidarium macht diese verborgene Geschichte sichtbar. Gerade hier wird deutlich, dass nicht alles, was zum Dom gehört, noch an seinem ursprünglichen Platz steht.
Während die großen Kunstwerke im Kirchenraum oder im Dom Museum Wien als Höhepunkte gezeigt werden, versammelt das Lapidarium die eher verletzten, unvollständigen und oft vergessen wirkenden Zeugnisse. Genau darin liegt sein besonderer Wert. Es zeigt den Stephansdom nicht nur in seiner Glorie, sondern auch in seiner Verwundbarkeit.
Zugleich ist das Lapidarium ein stiller Kommentar zur Geschichte des 20. Jahrhunderts. Kriegszerstörung, Wiederaufbau und konservatorische Entscheidungen haben den Bestand des Doms stark geprägt. Viele der heute dort aufbewahrten Fragmente wären ohne diese Eingriffe verloren.
Heutige Wahrnehmung
Die meisten Besucherinnen und Besucher begegnen dem Lapidarium im Rahmen einer Katakombenführung. Gerade auf diesem Weg entfaltet der Ort seine Wirkung besonders stark: Nach Unterkirche und Herzogsgruft ist das Lapidarium ein Übergangsraum, in dem nicht mehr Personen, sondern die steinernen Überreste des Doms selbst im Mittelpunkt stehen.
Dadurch unterscheidet sich das Lapidarium deutlich von den Schauräumen im Kircheninneren. Es ist kein festlicher Andachtsort und kein repräsentativer Kapellenraum, sondern ein stiller Speicher des Materials und der Erinnerung. Gerade deshalb gehört es zu den sprechendsten Orten des Stephansdoms.{index=11}
Interessantes
Das Wort Lapidarium leitet sich vom lateinischen lapis – Stein – ab. Gemeint ist damit eine Sammlung steinerner Kunst- und Baufragmente. Im Stephansdom ist dieser Begriff besonders passend, weil hier nicht einfach alte Steine liegen, sondern Bruchstücke von Grabmälern, Denkmalen und Bildwerken, die einst sichtbarer Teil des Doms waren.
Gerade im Zusammenhang mit dem Türkendenkmal wird deutlich, wie wichtig ein solcher Ort ist. Das im 19. Jahrhundert errichtete und 1945 zerstörte Monument ist heute nur noch fragmentarisch erhalten. Ohne das Lapidarium wären viele seiner zerstörten Figuren für die Wahrnehmung des Doms überhaupt nicht mehr greifbar.
Auch für Restaurierungen spielt das Lapidarium eine wichtige Rolle. Wenn stark verwitterte Originalteile an der Fassade oder im Inneren ersetzt werden müssen, bleiben sie zumindest teilweise als Zeugnisse erhalten. Das Lapidarium ist dadurch nicht nur Erinnerungsort, sondern auch ein Archiv der Dombauhütte.
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