Stephansdom: Das Riesentor

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Stephansdom: Riesentor
Riesentor
Das Riesentor an der Westseite des Stephansdoms

Das Riesentor ist der älteste und symbolisch dichteste Zugang des Stephansdoms. Es bildet das romanische Hauptportal an der Westseite zwischen den Heidentürmen und markiert den Übergang von der Welt draußen in den sakralen Innenraum.

Sein Name ist bis heute Gegenstand verschiedener Deutungen. Besonders bekannt wurde die Erzählung vom gefundenen Mammutknochen, der lange Zeit im Bereich des Tores gezeigt wurde. Daneben wird der Name auch mit dem altdeutschen risen in Verbindung gebracht – also mit dem Untergehen oder Fallen.

Bauzeit: romanischer Baubestand des Westwerks
Stil: Romanik
Lage: Westseite des Stephansdoms, zwischen den Heidentürmen
Nutzung: Hauptportal und symbolische Schwelle zum Kirchenraum
Besonderheiten: Mammutknochen-Legende, Weltenrichter im Tympanon, sieben Säulen, 14 romanische Büsten, Fratzen und rätselhafte Seitenfiguren
Deutung: Übergang vom Westen, aus der Welt und der Finsternis, nach Osten in den sakralen Raum

Geschichte und Name

Das Riesentor ist der älteste Teil des westlichen Zugangsbereichs. Sein heutiger Name wird meist mit einem Mammutknochen erklärt, der bei Bauarbeiten gefunden und im Bereich des Tores aufgehängt worden sein soll. Im Mittelalter deutete man solche Funde als Gebeine von Riesen. Der Knochen war mit „AEIOU“ und der Jahreszahl 1443 versehen; später gelangte er in universitäre Sammlungen und war zeitweise auch im Naturhistorischen Museum zu sehen.

Daneben gibt es eine zweite Deutung: Der Name könne vom altdeutschen risen kommen, also von „untergehen“ oder „fallen“. Das würde entweder auf die nach innen fallende Architektur des Tores oder auf seine Ausrichtung zum Westen verweisen – also dorthin, wo die Sonne untergeht.

Gerade diese Doppeldeutigkeit ist typisch für das Riesentor: Es verbindet Baugeschichte, Sprachgeschichte und Legende.

Bildprogramm

Im Tympanon sitzt Christus als Weltenrichter in der Mandorla. Er segnet mit der rechten Hand und hält links das Buch des Lebens. Schon dadurch wird klar, dass dieses Portal mehr ist als ein Eingang: Es ist ein Ort des Gerichts, der Ordnung und der Entscheidung.

An beiden Seiten des Tores stehen je sieben Säulen, die sich oben in Bogenrippen fortsetzen. Zwischen Säulen und Gewölbe liegen Reliefbänder mit Fratzen, Tier- und Menschenköpfen. Darüber erscheinen 14 romanische Büsten. Sie werden als Apostel und Evangelisten gedeutet und stehen als Zeugen des Gerichts.

Unter dieser ruhigeren Zone wird die Darstellung unruhiger: Streit, Bedrohung und eigenartige Wesen treten auf. Der Teufel fängt einen Narren mit der Schlinge, daneben finden sich weitere rätselhafte Szenen. Dadurch wird das Tor selbst zur Schwelle zwischen Ordnung und Gefährdung.

Rätselhafte Figuren und Deutungen

Besonders auffällig sind zwei Figuren an den Seiten des Tores, die nicht recht in das übrige Heiligenprogramm passen. Rechts sieht man einen niederkauernden Mann mit verschränkten Armen, links eine Figur mit Axt und erhobener Hand. Sie wurden als Meister und Geselle, als Bauherr und Werkmeister oder allgemein als Handwerker gedeutet, die dem Baumeister der Welt ihre Reverenz erweisen.

Auch der Weltenrichter im Tympanon wurde über die reine Christusdarstellung hinaus gedeutet. Das entblößte Knie ist ein antikes Herrschermotiv.

Das Riesentor als Schwelle

Wer durch das Riesentor in den Dom eintritt, geht in Richtung Osten – also symbolisch zum Altar und in den sakralen Raum. Wer hinausgeht, bewegt sich nach Westen zurück in die Welt. Gerade deshalb ist das Tor so stark mit Gericht, Schutz und Übergang aufgeladen.


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Quellen