Stadtspaziergang: Heilige & Genies

Aus City ABC

✨ Station 1: Stephansdom – Heiligkeit, Klang und Tod

  • Stephansplatz, 1010 Wien – das Wahrzeichen der Stadt
  • Geweiht dem heiligen Stephanus, dem ersten christlichen Märtyrer
  • Ort von Mozarts Trauung (1782) und Requiemfeier (1791)
  • Sakralraum, Ritualstätte, musikalischer Klangraum – ein Ort zwischen Himmel und Mensch

Der Stephansdom ist nicht nur das religiöse Zentrum Wiens, sondern ein Ort, an dem sich Heiligkeit und Genialität begegnen. Gewidmet dem heiligen Stephanus, dem ersten christlichen Märtyrer, steht er seit Jahrhunderten im Herzen der Stadt – als Ort des Gebets, der Kunst, der Liturgie und der Erinnerung.

Am 4. August 1782 heiratete hier Wolfgang Amadeus Mozart seine Constanze. Damals war er bereits ein gefeierter Komponist – doch der Ort der Trauung verlieh dem Moment eine tiefe spirituelle Dimension.

Nur neun Jahre später, im Dezember 1791, wurde in St. Stephan ein feierlicher Trauergottesdienst für Mozart abgehalten. Sein Körper war bereits auf dem Weg zum Sankt Marxer Friedhof, doch im Dom erklangen Teile des *Requiem* – ein letztes musikalisches Echo für ein Leben zwischen Inspiration und Vollendung.

Die Krypta unter dem Dom beherbergt nicht nur Bischöfe und Adelige – sie steht symbolisch für das Gedächtnis Wiens. Auch Mozart, wenn auch anonym bestattet, gehört zum „unsichtbaren Inventar“ dieses Ortes.

✨ Station 1: Stephansdom – Heiliger Stephanus & gotische Genialität

  • Stephansplatz, 1010 Wien – Wiens geistiges Zentrum und Wahrzeichen
  • Geweiht dem ersten christlichen Märtyrer: *Stephanus*
  • Ein Ort religiöser Verehrung – aber auch künstlerischer und architektonischer Genialität
  • Genies: *Anton Pilgram* (Bildhauer), unbekannte Baumeister, *Friedrich III.* als Förderer

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Südansicht des Doms

Der Stephansdom ist weit mehr als ein Bauwerk – er ist Symbol, Pilgerstätte und Speicher des kollektiven Gedächtnisses. Er wurde Stephanus geweiht, dem ersten christlichen Märtyrer, der für seinen Glauben gesteinigt wurde. Seine Verehrung galt besonders der frühen Kirche und steht für Standhaftigkeit im Glauben.

Doch auch Genialität prägt den Bau: Künstler wie *Anton Pilgram*, der den Kanzelkorb schuf, oder die anonyme Bauhütte, die die Logistik und Gestaltung des 137 m hohen Südturms meisterte, zeugen von geistiger Höchstleistung.

Ein besonderes Genie war Kaiser *Friedrich III.*, der den Ausbau im 15. Jahrhundert förderte – sein AEIOU-Monogramm ist bis heute in und um den Dom sichtbar.

Der Dom verkörpert die Verbindung von Glaube, politischer Macht und künstlerischem Ausdruck – eine Stadtkrone aus Stein, erbaut von gläubigen Händen und brillanten Köpfen.

✨ Station 2: Jesuitenkirche – Glaube, Wissen & Barockgenie

  • Dr.-Ignaz-Seipel-Platz 1, 1010 Wien – Kirche des Jesuitenordens
  • Geweiht dem heiligen *Ignatius von Loyola*
  • Zentrum geistiger Ausbildung: Universität Wien, Theologie, Philosophie
  • Barockes Genie: Andrea Pozzo – illusionistische Deckenmalerei

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Jesuitenkirche – Innenansicht

Die Jesuitenkirche steht für die Verbindung von Glauben und Wissenschaft. Der Jesuitenorden – gegründet von *Ignatius von Loyola* – war seit dem 16. Jahrhundert eng mit der Bildungselite Wiens verbunden. Direkt nebenan befand sich das Kollegium der Universität Wien; viele der größten Geister Europas wurden hier geschult.

Besonders eindrucksvoll: Die barocke Innenraumgestaltung von *Andrea Pozzo*. Er schuf eine Decke mit illusionistischer Malerei – ein Triumph der Perspektive, Lichtführung und Raumillusion. Was aussieht wie gewölbte Architektur, ist in Wirklichkeit flache Wandmalerei. Barocke Genialität – geschaffen, um den Himmel schon auf Erden zu zeigen.

Diese Kirche zeigt: Der Glaube konnte auch intellektuell sein. In einer Zeit, in der Vernunft und Religion oft im Widerspruch standen, bot der Jesuitenorden eine Synthese – tiefgläubig, aber auch argumentativ, rhetorisch und lehrend.

🧠 Station 3: Am Hof 4 – Friedrich August von Hayek

  • Am Hof 4, 1010 Wien – Geburtshaus des Wirtschaftsnobelpreisträgers
  • Genialer Denker des Liberalismus – 1974 Nobelpreis für Wirtschaft
  • Gegner totalitärer Systeme – streitbarer Humanist

Friedrich August von Hayek wurde 1899 hier am Am Hof geboren. Als Kind einer gutbürgerlichen Familie wuchs er in einer Zeit gesellschaftlicher Umbrüche auf – der Untergang der Monarchie, der Aufstieg extremistischer Bewegungen prägten ihn tief.

Sein Werk *„Der Weg zur Knechtschaft“* machte ihn berühmt: Darin warnt er vor jeder Form staatlicher Kontrolle, die individuelle Freiheit gefährdet – ob von rechts oder links. Er wurde zum wichtigsten Vordenker des Neoliberalismus und verteidigte ein freiheitliches, pluralistisches Gesellschaftsbild.

1974 erhielt Hayek gemeinsam mit dem schwedischen Sozialdemokraten Gunnar Myrdal den Nobelpreis für Wirtschaft – ein starkes Zeichen der Versöhnung gegensätzlicher Denktraditionen.

Die Gedenktafel am Geburtshaus erinnert nüchtern, aber klar an einen Mann, der wie wenige andere den politischen Diskurs des 20. Jahrhunderts geprägt hat.

⛪ Station 4: Kapuzinerkirche – Franziskaner-Spiritualität & Kaisergruft

  • Neuer Markt 1, 1010 Wien – Kirche der Kapuziner (Orden der Franziskaner-Familie)
  • Ort der kaiserlichen Gruft: Begräbnisstätte der Habsburger
  • Spirituelle Gegenwelt zur Macht – Armut, Einfachheit, Vergänglichkeit

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Kapuzinerkirche – Außenansicht

Die Kapuzinerkirche wurde 1632 auf Initiative von Kaiserin Anna erbaut – als Kirche des einfachen franziskanischen Kapuzinerordens. Während draußen der Prunk des Barocks blühte, predigte man hier Verzicht, Demut und die Nähe zu den Ärmsten.

Direkt unter der Kirche liegt die berühmte *Kaisergruft* – Begräbnisstätte der Habsburger. Über 140 Mitglieder des Kaiserhauses, darunter Maria Theresia, Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth („Sisi“) ruhen hier in kunstvoll gestalteten Sarkophagen.

Das Zusammenspiel von spiritueller Einfachheit und dynastischem Machtbewusstsein macht diesen Ort einzigartig. Die Kapuzinerbrüder begleiten bis heute jedes Begräbnis mit schlichter Würde. Mystik und Macht – in Stein gegossen.

🎼 Station 5: Stephansplatz 3 – Joseph Haydn & das musikalische Wien

  • Stephansplatz 3, 1010 Wien – Standort der Dompropstei St. Stephan
  • Haydn war Chorknabe im Stephansdom und erhielt hier seine musikalische Grundausbildung
  • Später kehrte er mehrfach nach Wien zurück – als Komponist und Lehrer

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Joseph Haydn (1732–1809)

Joseph Haydn wurde 1732 in Rohrau geboren und kam bereits als Kind nach Wien. Als talentierter Chorknabe wurde er im Stephansdom ausgebildet – hier begann sein musikalischer Weg.

Auch wenn Haydn später überwiegend am Hof der Esterházy in Eisenstadt wirkte, blieb Wien der geistige Mittelpunkt seines Lebens. Als Komponist beeinflusste er Mozart und Beethoven maßgeblich – viele sehen ihn als „Vater der klassischen Symphonie“.

Er war ein bescheidener Mann mit starkem Glauben. Seine Werke – darunter die Schöpfung, zahlreiche Messen und Oratorien – spiegeln diese tiefe Religiosität wider. Die Inschrift auf seiner Gedenktafel lautet: *„Non moriar sed vivam“ – Ich werde nicht sterben, sondern leben.*

✝️ Station 6: Minoritenkirche – Clemens Maria Hofbauer: Stadtpatron von Wien

  • Minoritenplatz 2A, 1010 Wien – Minoritenkirche und Umgebung
  • Hofbauer wirkte hier als Prediger, Sozialhelfer, Mystiker und Reformer
  • Seit 1909 *Stadtpatron von Wien*

Clemens Maria Hofbauer (1751–1820) war zunächst Bäckerlehrling, dann Eremit, schließlich Priester im Redemptoristenorden. Er kam 1808 nach Wien – in eine Zeit großer religiöser Erschöpfung nach der Aufklärung und unter napoleonischer Bedrohung.

In der Umgebung der Minoritenkirche wirkte Hofbauer als Prediger, Seelsorger und sozial engagierter Helfer. Seine Predigten zogen Massen an – sie waren einfach, kraftvoll, mystisch. Er verstand es, die Herzen der Armen ebenso zu erreichen wie die der städtischen Elite.

Er organisierte Armenküchen, half Waisen und galt als unermüdlicher Beter und Tröster. Nach seinem Tod 1820 wurde sein Grab zur Pilgerstätte – 1909 wurde er zum Stadtpatron Wiens erhoben. Seine Statue steht heute gegenüber dem Haupteingang der Minoritenkirche.

🎓 Station 7: Universität Wien – Wiege der Genies

  • Universitätsring 1, 1010 Wien – Hauptgebäude der Universität Wien
  • Gegründet 1365 – älteste Universität im deutschsprachigen Raum
  • Wirkungsstätte von Sigmund Freud, Erwin Schrödinger, Ludwig Boltzmann, Karl Popper u. v. m.

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Hauptgebäude der Universität Wien

Die Universität Wien wurde 1365 gegründet und zählt zu den ältesten Hochschulen Europas. Von Anfang an war sie ein Ort, an dem sich Wissenschaft und Glaube, Philosophie und Theologie, Naturforschung und Geistesleben begegneten – und manchmal auch aneinander rieben.

Hier lehrte **Sigmund Freud**, Begründer der Psychoanalyse. **Erwin Schrödinger**, Mitentwickler der Quantenmechanik, promovierte hier. Auch **Ludwig Boltzmann**, der physikalische Genie der Thermodynamik, wirkte in Wien – seine Grabinschrift lautet schlicht: *S = k log W*.

Im Arkadenhof der Universität befinden sich über 150 Büsten und Gedenktafeln – die sogenannte *"Walhalla der Wissenschaft"*. Darunter auch Nobelpreisträger wie Julius Wagner-Jauregg oder Konrad Lorenz.

Die Universität Wien steht bis heute für das Ideal des freien Denkens – und zeigt, wie sehr Genialität und Bildung das geistige Fundament einer Stadt prägen.

🙏 Station 8: St. Anna-Kirche – Mystik, Wunder & Volksfrömmigkeit

  • Annagasse 3B, 1010 Wien – Barockkirche der Oblaten des hl. Franz von Sales
  • Zentrum stiller Anbetung & traditioneller Volksfrömmigkeit
  • Ort angeblicher Wunderheilungen & marianischer Mystik

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St. Anna-Kirche (Innenansicht)

Die St. Anna-Kirche liegt versteckt in der Annagasse – ein barockes Juwel mit reich vergoldeter Innenausstattung, ovalem Kuppelraum und aufwendigen Fresken. Der ursprüngliche Bau geht auf das Jahr 1320 zurück, der heutige barocke Zustand entstand um 1629.

Besonders verehrt wird hier die Mutter Mariens, *Anna selbdritt* – oft dargestellt mit Maria und dem Jesuskind. Die Kirche war über Jahrhunderte ein Ort der Wallfahrt, bekannt für zahlreiche angebliche Wunderheilungen und Gebetserhörungen.

Im 18. Jahrhundert wurden hier Exerzitien und Volksmissionen abgehalten – ein Zentrum barocker Mystik und Bußspiritualität. Auch heute noch ist die Kirche ein Ort der stillen Anbetung, der eucharistischen Andacht und tiefen Frömmigkeit.

Wer den Weg in diese stille Seitenstraße findet, betritt eine andere Welt – zeitlos, kontemplativ und offen für das Wunder.

☕ Station 9: Café Central – Literaten, Denker & Kaffeehaus-Genies

  • Herrengasse 14, 1010 Wien – im Palais Ferstel
  • Treffpunkt von Arthur Schnitzler, Sigmund Freud, Leo Trotzki, Peter Altenberg u. v. m.
  • Symbol der Wiener Kaffeehauskultur als Denkraum

Das Café Central ist das legendärste Kaffeehaus der Inneren Stadt – eröffnet 1876 im prachtvollen Palais Ferstel. Es war weit mehr als ein Ort für Kaffee und Mehlspeisen: Hier formten sich Gedanken, Ideologien, Weltanschauungen.

Zu den Stammgästen zählten *Arthur Schnitzler*, *Sigmund Freud*, *Karl Kraus*, *Peter Altenberg*, *Hugo von Hofmannsthal*, *Leo Trotzki* – eine einzigartige Mischung aus Literaten, Philosophen, Revolutionären und Psychologen.

Der Central war das Wohnzimmer der Wiener Moderne. Es wurde diskutiert, geschrieben, vorgelesen, gestritten – in verrauchten Salons mit Zeitungshaltern, Kaffeehauskellnern in Frack und einer Aura der Intellektualität.

Heute ist das Café restauriert, stark frequentiert, aber der Geist vergangener Größen weht noch immer durch die Hallen – besonders, wenn man länger verweilt.

CityABC – Spaziergang: Heilige & Genies