Michaelerkirche - Rundgang Innen

Aus City ABC

Das Innere der Kirche, ein Rundgang

Wer lieber einen virtullen Rundgang machen möchte, ist mit diesem Film gut bedient:

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Lesend ist der nachfolgende Rundgang im Uhrzeigersinn zu absolvieren.

Eingangsbereich

Gedenktafel

Orgelempore

Die Orgel der Michaelerkirche ist Wiens größte nahezu vollständig erhaltene Barockorgel und eines der bedeutendsten historischen Instrumente Österreichs. Sie befindet sich oberhalb des westlichen Eingangs auf der Orgelempore, die 1713 nach einem Entwurf von Antonio Beduzzi errichtet wurde.

Das Instrument wurde von Johann David Sieber erbaut und erklang erstmals am 24. Jänner 1714, in Anwesenheit von Karl VI.. Die Orgel war von Anfang an für die anspruchsvolle Hof- und Stadtliturgie konzipiert und stellte einen Höhepunkt barocker Orgelbaukunst dar.

Bereits 1742 wurde das Instrument von Gottfried Sonnholz umgebaut. Die erste große Reparatur erfolgte 1785 durch Franz Xaver Christoph. Im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts kam es zu weiteren tiefgreifenden Veränderungen, die dem jeweiligen Zeitgeschmack folgten, jedoch die barocke Substanz beeinträchtigten. Unter anderem:

  • das Rückpositiv wurde aus der Brüstung entfernt,
  • mehrere historische Register gingen verloren,
  • die ursprüngliche Balgenanlage wurde beseitigt.

Einen besonders schweren Einschnitt brachte der Erste Weltkrieg, als sämtliche Prospektpfeifen zu Rüstungszwecken abgeliefert werden mussten.

Am 24. April 1972 erhielt Arnulf Klebel den Auftrag zur Restaurierung der Orgel. Diese Arbeiten misslangen jedoch; dabei gingen weitere historische Teile verloren. 1977 wurde ihm der Auftrag entzogen. Die von Klebel an einen unbekannten Ort in Wien verbrachten Originalteile konnten 1980 sichergestellt und an die Michaelerkirche zurückgegeben werden – ein Vorgang, der in der österreichischen Orgelbaugeschichte als nahezu einzigartig gilt. Die damit verbundenen rechtlichen Auseinandersetzungen erstreckten sich über rund fünf Jahre.

Die entscheidende Wende brachte die Restaurierung 1986/87 durch den renommierten Orgelbauer Jürgen Ahrend. Ziel war die konsequente Rückführung in den Zustand von 1714. Die Orgel verfügt heute über 40 Register (besonders bemerkenswert ist, dass 32 der historischen Register erhalten geblieben sind), drei Manuale und Pedal und mechanische Schleifladen.

Apostelaltar

Gedenktafel

Apostelaltar

Der Apostelaltar der Michaelerkirche stammt aus dem Jahr 1642 und gehört zu den wichtigsten frühbarocken Ausstattungsstücken der Kirche. Der Entwurf geht auf Johann Zobel, 1821, zurück, die Bildhauerarbeiten sind Werke von Franz Käßmann.

Das zentrale Altarbild zeigt das Pfingstwunder und wurde von Johann Pock geschaffen, einem der bedeutendsten Maler des Wiener Frühbarock.

Dargestellt ist der Moment der Ausgießung des Heiligen Geistes: Die Apostel haben sich nach der Himmelfahrt Christi gemeinsam versammelt, als der Geist Gottes in Gestalt von Feuerzungen auf sie herabkommt. Dieses Ereignis gilt als Geburtsstunde der Kirche, da die Apostel nun befähigt werden, das Evangelium in alle Welt zu tragen.

Pock inszeniert die Szene als dramatischen, aber geordneten Moment. Die Apostel reagieren unterschiedlich – Erstaunen, Sammlung, innere Ergriffenheit –, bleiben jedoch in einer klaren Gemeinschaft verbunden. Das göttliche Licht fällt gebündelt von oben in den Raum und lenkt den Blick des Betrachters unmittelbar auf das Zentrum des Geschehens. Die Komposition verbindet Bewegung und Stabilität und ist typisch für die katholische Bildsprache der Zeit nach dem Trienter Konzil.

Die Entstehungszeit 1642 fällt in eine Phase religiöser Festigung nach den Wirren der Reformation und des Dreißigjährigen Krieges. Der Apostelaltar ist somit auch als Bekenntnisbild zu verstehen: Er betont Einheit, Sendung und göttliche Legitimation der Kirche in einer Zeit konfessioneller Spannungen.

Judas-Thaddäus-Kapelle

Links vom Eingangsbereich sieht man den Altar des Judas Thaddäus als Helfer in der größten Not aus dem Jahr 1827. Das Kreuzrippengewölbe entstammt aus der Zeit um 1300.

1823: Kreuzaltar, Michaelerkirche, Wien 1, Michaelerplatz [1] 1826: Juliusaltar, Michaelerkirche, Wien 1, Michaelerplatz[2]

Kreuzaltar

Unter dem Kreuzaltar der Michaelerkirche liegt eine kleine, heute kaum sichtbare „Promi-Adresse“ der Stadt: In der Gruft darunter wurde der italienische Dichter und Librettist Pietro Metastasio (1698–1782) beigesetzt. Seine Bestattung verbindet Kirchenraum, Hofkultur und barocke Begräbnispraxis an einem einzigen Punkt.

Metastasio in der Gruft unter dem Kreuzaltar

Metastasio starb 1782 in Wien und wurde in der Michaelerkirche in der Gruft unter dem Kreuzaltar beigesetzt. Dass ausgerechnet hier ein berühmter Hofdichter ruht, ist kein Zufall: Die Michaelerkirche war über Jahrhunderte ein wichtiger Bestattungsort der Innenstadt, und die Gruftanlage entwickelte sich seit dem 16. und 17. Jahrhundert zu einem weit verzweigten System von Gemeinschafts- und Familiengrüften.[3][4]

Der Kreuzaltar selbst, unter dem die Gruft liegt, ist ein klassizistischer Altar des 19. Jahrhunderts (Entwurf Johann Zobel, 1823), mit einer Kreuzigungsgruppe von Franz Käßmann. Gerade dieser Kontrast macht die Stelle so spannend: Oben ein ruhiger, „klar“ gestalteter Altarraum – darunter eine Begräbniswelt, in der sich der barocke Umgang mit Tod, Status und Erinnerung unmittelbar ablesen lässt.[5]

Einbalsamierung und der Blick „hinter“ den Kirchenraum

Aus der Restaurierung seines Sarges weiß man, dass Metastasio einbalsamiert wurde.[6] Das ist mehr als eine kuriose Randnotiz: Es zeigt, wie viel Aufwand man im späten 18. Jahrhundert für eine würdige Aufbahrung und Bestattung bedeutender Personen betrieb. In der Gruftführung wird sein Sarg bis heute als einer der bekannten „Fixpunkte“ gezeigt.[7]

In der Kirche erinnert eine Gedenktafel an Metastasio; von dort ist der Schritt in die Gruft auch gedanklich nachvollziehbar – Erinnerung im Licht des Kirchenraums, Bestattung im Schatten darunter.[8]

Gedenktafeln

Mozart-Gedenktafel, Bronzerelief

In der Eingangshalle zur Kirche erinnert eine bronzene Gedenktafel daran, dass hier am 10. Dezember 1791 Mozarts Requiem uraufgeführt worden war. Da Mozart nicht mehr geschafft hatte es zu vollenden, wurde vermutlich nur der erste Satz, vielleicht auch der zweite gespielt. Die Vollendung übernahm wahrscheinlich sein Schüler Franz Xaver Süßmayr. Der Gedenkgottesdienst wurde von Emanuel Schikaneder gestiftet und kostete 26 Gulden und 35 Kreuzer.

Gedenktafel

Gedenktafel Mozart

Am 10. Dezem
ber 1791 wurde
in dieser Kirche
für Wolfgang
Amadeus Mozart

das Seelenamt
gehalten, dabei
erklangen Teile
seines Requiems
zum ersten Mal.

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Stadtspaziergang: Mozart - nächste Station

Weitere Gedenktafeln

Bild Anlass/Persönlichkeit Text der Tafel
256px-Wien01_Michaelerplatz005_Michaelerkirche_2017-04-30_GuentherZ_GD_NS-Opfer_Dachau_1514.jpg NS-Opfer - Dachau Dem

Andenken
der
Österreicher
ermordet
und gestorben
im K.Z. Dachau
für
Freiheit Recht u.
Menschlichkeit
gewidmet von ihren
österreichischen
Kameraden

Wien01 Michaelerplatz005 Michaelerkirche 2018-01-23 GuentherZ GD NS-Opfer Dachau 0354.jpg NS-Opfer - Dachau 1945 auf dem Dachauer Friedhof

für Österreichs Märtyrer errichtet
dort durch ein würdiges Denkmal ersetzt,
möge dieses Kreuz kommenden
Generationen Mahnung, Warnung und
bleibende Erinnerung sein!
13. März 1951

256px-Wien01_Michaelerplatz005_Michaelerkirche_2018-12-23_GuentherZ_GD_AufSeeGeblieben_3657.jpg Marine-Opfer Allen auf See

gebliebenen
Kameraden
Der
Marineverband
Wien



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Quellen