Das Wunder des heiligen Laurenz
Diese Wiener Überlieferung erzählt davon, wie der heilige Laurenz selbst in menschlicher Gestalt erschienen sein soll, um einem Kapuzinerpater zu helfen. Zugleich stärkte die Begebenheit den Ruf einer Laurenz-Statue als wundertätiges Bildwerk.
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1., Innere Stadt Kohlmarkt St. Laurenz Heiligenlegende Wunder Kapuziner 17. Jahrhundert
Historischer Hintergrund
Die Sage vom Wunder des heiligen Laurenz gehört zu jenen barocken Wiener Überlieferungen, in denen Heilige nicht nur als ferne Fürsprecher, sondern als unmittelbar handelnde Gestalten erscheinen. Solche Geschichten stärkten die Verehrung bestimmter Altäre, Bilder oder Statuen und machten einzelne Kirchen zu besonderen Orten der Frömmigkeit.
Der heilige Laurenz war einer der bekanntesten Märtyrer der alten Kirche und wurde im katholischen Raum vielfach verehrt. Wenn eine Statue als wundertätig galt, beruhte dies oft auf Berichten über Gebetserhörungen, Heilungen oder wunderbare Erscheinungen. In diesem Fall war es die Ähnlichkeit zwischen einer lebendig erlebten Gestalt und der Figur auf dem Altar, die als Zeichen gedeutet wurde.
Auffällig ist auch der konfessionelle Hintergrund der Erzählung. Dass ein zunächst abweisender protestantischer Edelmann nach der geheimnisvollen Begegnung doch eine Gabe spendet, spiegelt die Spannungen und religiösen Deutungsmuster der Zeit nach der Reformation wider. Die Sage verbindet damit Wunderglaube, Heiligenverehrung und konfessionelle Polemik auf typische Weise.
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Quellen
- ↑ Gustav Gugitz: Die Sagen und Legenden der Stadt Wien, Wien 1952, Nr. 72, S. 89
