Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs

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Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs


Interessenvertretung
Historische Wurzeln 1912 als Wirtschaftsverband bildender Künstler Österreichs
Neugründung 1945 als Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs
Heutiger Sitz Schloss Schönbrunn, Ovalstiege 40, 1130 Wien
Bereich Standes- und Interessenvertretung bildender Künstlerinnen und Künstler
Dachorganisation seit 1949/1950 zusätzlich Zentralverband der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs
Einrichtungen Kunstsalon Schönbrunn, Archiv, Datenbank, Gemeinschaftsausstellungen, ART-Award, Schmuckpreis

Die Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs ist eine der traditionsreichsten Standes- und Interessenvertretungen für bildende Künstlerinnen und Künstler in Österreich. Ihre geschichtlichen Wurzeln reichen bis 1912 zurück, als im Wiener Künstlerhaus der Wirtschaftsverband bildender Künstler Österreichs gegründet wurde. Die heutige Berufsvereinigung als Verein entstand nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Mai 1945.

Geschichte

Am 27. November 1912 wurde im Künstlerhaus der Wirtschaftsverband bildender Künstler Österreichs gegründet. Ziel war die Vertretung der wirtschaftlichen Interessen bildender Künstlerinnen und Künstler. 1913 erfolgte die Eintragung als Firma im Handelsregister. Erster Präsident war der Maler Hans Ranzoni.

Der Wirtschaftsverband hatte zunächst seinen Sitz in der Secession, während größere Versammlungen im Künstlerhaus stattfanden. 1919 übersiedelte er nach 1., Maysedergasse 4. Im selben Jahr traten das Künstlerhaus, die Sezession, der Hagenbund und weitere Vereinigungen dem Verband geschlossen bei. Dadurch entwickelte sich die Organisation zu einer Dachvertretung großer Teile der österreichischen Künstlerschaft.

1926 wurde der Name in Zentralverband bildender Künstler Österreichs zur Wahrung ihrer Standes- und Wirtschaftsinteressen, reg. Genossenschaft m. b. H. geändert. 1932 wurde das Geschäftslokal in der Maysedergasse aufgegeben, der Sitz war wieder die Sezession. Nach dem Anschluss 1938 verlor die Organisation unter den Vorgaben der Reichskulturkammer weitgehend ihre Selbstständigkeit und wurde als Wirtschaftsgenossenschaft bildender Künstler weitergeführt.

Neugründung 1945

Unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entstand im Mai 1945 die neue Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs. Sie sollte die Interessen der bildenden Künstlerinnen und Künstler in der neuen Republik vertreten. Zum kommissarischen Leiter wurde Rudolf Buchner bestellt. Die Vereinigung verstand sich von Anfang an als unpolitisch und pluralistisch und wollte bewusst keine stilistische oder ideologische Einengung vorgeben.

Zu den ersten Aufgaben gehörten die materielle Unterstützung notleidender Künstlerinnen und Künstler, die Beschaffung von Malmaterial, die Vermittlung von Aufträgen und der Wiederaufbau des Ausstellungswesens. Bereits 1945 wurden Landesorganisationen gegründet, um über ganz Österreich hinweg wirksam zu sein.

Im Mai 1946 übersiedelte die Berufsvereinigung in das Franziskanerkloster am Franziskanerplatz 4. 1947 wurde ihr eine Anzahl von Räumen im Schloss Schönbrunn zugeteilt. 1948 wurde der Mietvertrag mit der Schlosshauptmannschaft abgeschlossen. Dort befindet sich bis heute der Sitz des Landesverbands Wien, Niederösterreich und Burgenland.[1] [2] [3] [4] [5][6]

Erste Große Österreichische Kunstausstellung

1947 organisierte die Berufsvereinigung im Künstlerhaus die Erste Große Österreichische Kunstausstellung. Diese Ausstellung gilt als kulturhistorisch bedeutsam, weil sie kurz nach dem Krieg die Vielfalt der österreichischen Kunst einem breiten Publikum vor Augen führte. Zu den Ehrengästen der Eröffnung zählten Bundespräsident Karl Renner, Bundeskanzler Leopold Figl, Bürgermeister Theodor Körner und Vertreter der alliierten Besatzungsmächte. Die Ausstellung wurde von 61.567 Menschen besucht.

Landesverbände und Zentralverband

1949 beziehungsweise 1950 wurde die Berufsvereinigung in Landesverbände gegliedert. Seither besteht neben dem Landesverband Wien, Niederösterreich und Burgenland auch ein Zentralverband der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs, der als Dachverband der Landesverbände fungiert. Sein Sitz liegt ebenfalls im Schloss Schönbrunn.

Heute bestehen Landesorganisationen für Salzburg, Steiermark und Kärnten sowie für Wien, Niederösterreich und das Burgenland. Der Zentralverband koordiniert überregionale Interessen und vertritt die Künstlerschaft gegenüber Ministerien, Verwertungsgesellschaften und weiteren Institutionen.

Ausstellungen und Gegenwart

Ab 1950 nutzte die Berufsvereinigung auch Räume im Palais Liechtenstein für Ausstellungen. Um 1970 wurden fallweise die Kronprinzen-Appartements im Schloss Schönbrunn für Präsentationen der Mitglieder verwendet. 1973 erlangte die Ausstellung Rettung von Kunstwerken der Restauratorinnen und Restauratoren internationale Anerkennung.

1996 eröffnete der Landesverband Wien/Niederösterreich/Burgenland Ausstellungsräume in 8., Florianigasse 47–49, musste diese jedoch 1998 wieder schließen. Heute organisiert die Berufsvereinigung Gemeinschaftsausstellungen im In- und Ausland sowie im eigenen Kunstsalon Schönbrunn.

Zu den aktuellen Aufgaben gehören die kulturpolitische Interessenvertretung, die Beratung von Mitgliedern, die Organisation von Ausstellungen, der Aufbau von Netzwerken und die Durchführung von Wettbewerben. Dazu zählen insbesondere der jährlich ausgeschriebene ART-Award in den Kategorien Malerei und Grafik sowie Bildhauerei, Keramik und Installationen, außerdem ein Schmuckpreis für zeitgenössischen Schmuck und weitere Wettbewerbe.

Archiv

Die Berufsvereinigung verfügt über ein umfangreiches Archiv und eine digitale Datenbank. Besonders wertvoll sind Personalakten, Korrespondenzen, Werkfotos, Entwurfszeichnungen sowie Unterlagen zu Ausstellungen und zur ehemaligen Reichskammer der bildenden Künste in Wien. Das Archiv wird heute von Kunsthistorikerinnen und Kunsthistorikern, Sammlerinnen und Sammlern sowie Familienforschenden genutzt.

Präsidentinnen und Präsidenten

Die historische Linie der Präsidentinnen und Präsidenten umfasst unter anderem Hans Ranzoni, Oswald Grill, Franz Messner, Albert Janesch, Rudolf Buchner, Karl Stemolak, Paul Kronik, Anselm Grand, Johann Mohorko, Walter Strasil, Karl Novak und seit 2016 Berthild Zierl. Im Zentralverband folgten auf Karl Stemolak unter anderem Gerhard Obsieger, Karl Rippel, Anselm Grand, Erich Kucher, Hansjörg Swetina, Karl Novak und seit 2015 Rikki Reinwein.

Vorkommen in CityABC

Für CityABC ist die Berufsvereinigung vor allem über mehrere Wiener Orte interessant: das Künstlerhaus als Gründungsort von 1912, die Secession als früher Sitz, die Maysedergasse 4, den Franziskanerplatz 4 und vor allem Schloss Schönbrunn als heutigen Standort. Darüber hinaus gehört sie in den Zusammenhang der Wiener Künstlervereinigungen, der Nachkriegskunst in Wien und der kulturpolitischen Interessenvertretungen.

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Quellen