Ertlgasse 2

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Grund-Information
Ertlgasse 06.JPG

Ertlgasse 2

Aliasadressen =Ertlgasse 2, =Rotenturmstraße 13, =Kramergasse 12, =Lichtensteg 1
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1862: 527, 528, 529, 530, 638 | vor 1821: 567, 568, 569, 570, 679, 571 | vor 1795: 629, 630, 631, 632, 628, 633
Baujahr 1913
Architekt Ludwig Baumann


Das Ertlsche Stiftungshaus - Architektur und Geschichte

Das heute hier stehende Haus wurde 1913 von Ludwig Baumann errichtet, 1939 wurde das Erdgeschoss durch Hubert Gessner neu gestaltet. An der Fassade fallen die Fenster auf, die durch eine schmiedeeiserne Vergitterung geschützt sind. Besonders beachtenswert ist jedoch das zur Gänze originalerhaltene marmorverkleidete Stiegenhaus: Hier sind die schmiedeeisernen Gelände und Aufzugsgitter, Marmorböden, Türen mit intarsierten Blättern und gehämmerten Messingschildern und Türrahmungen aus Stuckmarmor zu sehen.

Während dem zweiten Weltkrieg wurde auch dieses Haus nicht vor Zerstörung verschont: Am 12.3.1945 traf eine Bombe das Gebäude schräg und zerstörte dabei das komplette Dachgeschoss und die darunter liegenden Wohnungen.

Die Stiftung

Der Bau des Ertlschen Stiftungshauses wurde von der Irländerin Maria Anna Edle von Ertl d’Omolley (eigentlich: O’Malley) für verarmte Jusstudenten in Auftrag gegeben. Ertl d’Omolley hatte das Areal von ihrem Schwiegervater Dr. Franz Anton Ertl geerbt.

1817 wurde das Stiftungshaus an die Juridische Fakultät der Universität Wien zur Verwaltung übertragen. Seit 1853 ist das Haus im Besitz der Rechtsanwaltskammer, die Stiftung besteht bis heute noch.

Vorgängerhäuser

An seiner Stelle standen einst fünf kleinere Häuser, die bereits im 14. Jahrhundert erwähnt werden.

Zur schwäbischen Jungfrau

Darunter war auch das Haus Stadt 528, das ab dem späten 18. Jahrhundert als „Zu den drei schwäbischen Jungfrauen“, später als „Zur schwäbischen Jungfrau“ in Stadtplänen auftaucht. Das Hausschild wurde von Johann Nepomuk Meyer im Stil des Biedermeiers geschaffen.

Das Haus 530 war das Haus „Zum Marokkaner“ und gehörte 1486 Katharina Rollinger, der Frau des Schnitzers Wilhelm Rollinger, der der Erschaffer des Chorgestühls von St. Stephan war. 1832 scheint für das Haus der Name "Zum weißen Lamm" auf. [1]

Haus 638

Das größte der ehemaligen Häuser war Nummer 638 aus dem Jahr 1348. Es war 1393 im Besitz des Bürgermeisters Paul Holzkäffel. In diesem Haus war neben Fleischbänken ab 1848 auch ein beliebter Metkeller, das "Süße Löchl", das Lokal war von der Ertlgasse 1 in den Federlhof (Rotenturmstraße 6) übersiedelt und schließlich hier eröffnet worden. Besonders bekannt waren im 19. Jahrhundert die Auftritte des blinden Harfenisten Paul Oprawil.[2] Nach Abriss des Hauses (1913) siedelte sich im Neubau ein weiteres bekanntes Weinhaus an, das "Barcelona".

Das Haus war mit einer Stiftung belegt: Der jeweilige Besitzer war dazu verpflichtet, täglich zwei Pfennige für Brot für die Armen zu spenden. Zusätzlich mussten jeden Freitag Arme bewirtet werden, die nach dem Essen einen Pfennig und die Vorgabe erhielten, für das Seelenheil des Gastgebers zu beten. Diese Verpflichtung wurde erst im 19. Jahrhundert aufgehoben.

Neubau 1841

Die alten Häuser wurden zwischen 1838 und1841 abgerissen, an ihrer Stelle erbaute Josef Kornhäusel ein neues Haus, auf das der Stiftungsbrief übertragen wurde.

Der Juridisch-Politische Leseverein

Hier traf sich ab 1844 der Juridisch-Politische Leseverein, der als Diskussions-Club vorrangig aus Juristen bestand, im Vormärz schlossen sich auch andere Berufsstände wie Mediziner, Geistliche und Industrielle an. Durch den Mitgliedsbeitrag von 20 Gulden wurde der elitäre Status gewahrt. [3] Der Verein existiert bis heute.

Wohnhaus bekannter Persönlichkeiten

Wohn- und Sterbehaus von Johann Lukas Hildebrandt

Zwischen etwa 1700 und 1745 wohnte der Barockarchitekt Hildebrandt in dem Haus, in dem er 80-jährig starb, auch seine Frau und die drei Kinder lebten und starben hier.



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Quellen

  1. Franz Haller: Adressenbuch des bürgerlichen Handelsstandes in der k.k. Haupt- und Residenzstadt Wien für das Jahr 1832, Eigenverlag, 1833, Wien, S. 5
  2. Eugen Messner: Die Innere Stadt Wien. Österr. Bundesverlag, 1928, Leipzig. S. 173
  3. Eugen Messner: Die Innere Stadt Wien. Österr. Bundesverlag, 1928, Leipzig. S: 63