Bäckerstraße 1

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Das Gebäude

Ein Bild.

Bezirk
1., Innere Stadt
Aliasadressen
=Bäckerstraße 1:
=Lugeck 4
=Sonnenfelsgasse 2
Konskriptionsnummer
vor 1862: 751
vor 1847: 751
vor 1821: 797
vor 1795: 784
Baujahr
1896
Architekten (Bau)
Franz von Neumann
Inhaltslizenz: CC-BY-SA 4.0


Das Haus, Regensburger Hof - Architektur und Geschichte

Der ehemals hier stehende Regensburger Hof (der bereits 1410 als Sitz der süddeutschen Kaufleute und deren Lagerhaus erwähnt wird) wurde 1897 abgerissen und durch einen späthistorischen Bau von Franz von Neumann jun. ersetzt.

Charakteristisch sind die stark gegliederte Fassadenordnung, die reich dekorierten Obergeschoße und die markante Dachsilhouette. An den Ecken sitzen turmartige Runderker mit mehrteiligen Zwiebelhelmen; sie ruhen auf figuralen Renaissancekonsolen, die aus dem frühen 16. Jahrhundert stammen und vom alten Regensburger Hof übernommen wurden. Im Giebelfeld ist das Erbauungsjahr angebracht. [1] Die Fassade wurde, im Gegensatz zum ursprünglichen Haus, zurückversetzt, sie sollte ein rahmender Hintergrund für das schon hier stehende Denkmal sein. Damit verringerte sich die verbaute Grundfläche deutlich von 1.262 qm auf 731.

Der Bau ist amtlich denkmalgeschützt: In der Denkmalliste 2025 des Bundesdenkmalamts ist er als „Warenhaus Orendi“, Adresse Lugeck 4, 1010 Wien, mit Denkmalschutz per Bescheid (Unterschutzstellung §3) geführt. Hier wird der Neubau als Mischung aus Neu-Wiener Renaissance und Neobarock beschrieben. Diese Anlehnung an den Vorgängerbau geschah bewusst, denn die Bevölkerung hatte gegen den Abriss des alten Regenburgerhofes protestiert; mit der neuen Gestaltung sollte die Wirkung des alten Hofs äußerlich aufgegriffen werden.

An dem Gebäude ging auch die NS-Zeit nicht spurlos vorbei: Am 20.9.1940 hatte die Deutsche Reichspost (Deutsches Reich) einen minimalen Betrag für den Kauf des Hauses bezahlt, 1948 wurde ein Rückstellungsverfahren eingeleitet.

Vorgängerbauten

Der Regensburger Hof am Lugeck war über Jahrhunderte Stapel- und Einkehrgasthof der Regensburger Kaufleute in Wien. Er ist als Handels- und Herbergsort seit dem Mittelalter belegt und blieb bis in die Gründerzeit ein prominenter Fixpunkt am Übergang vom Stephansplatzbereich zum Donaukanalraum.

Der Bau hatte damals zwei Ecktürme, unter den Erkern waren zwei Steinbüsten (ein Mann und eine Frau - sie wurden in den Neubau übernommen) und an der Fassade ein Wandbild der Stadt Regensburg zu sehen. Darunter stand:

Mich Regensburger Hof bewahr' allezeit
Die allerheiligste Dreifaltigkeit.

1410 befand sich vor dem Gebäude ein Ziehbrunnen für die Fleischhauerstände, heute steht vor dem Haus das Gutenbergdenkmal.

Alte Ansichten

Bekannte Besitzer und Bewohner

Bis 1398 gehörte der Hof dem Patrizier Hans von Tirna.

Im 15. Jahrhundert war Niklas Teschler (1453 und 1456/1457 Bürgermeister von Wien) der Besitzer des Hofs, der für seine rauschenden Feste berühmt wurde: Er veranstaltete für König Sigismund vier Festmahle und gab 1470 ein Fest für Kaiser Friedrich III. und den ungarische König Matthias Corvinus; die Gedenktafel erinnert daran. Als Corvinus 1485 Wien belagerte, war es Teschler, der dem Ungarn die Kapitulationspapiere überbrachte.

1685 kaufte Franz Cischini das Gebäude; er überwachte die Ausführung des Neubaus der Peterskirche.

1775 wohnte Eva König, die Ehefrau Lessings hier, sie starb bei der Geburt ihres Kindes im Jahr 1778.

Nutzungsgeschichte und Gewerbe

17. Jahrhundert: Munitionsdepot

1683 war in den ebenerdigen Räumen des Hofs das Munitionsdepot untergebracht.

18. Jahrhundert: Frag- und Kundschaftsamt

Die Geschichte des (staatlichen) Frag- und Kundschaftsamts ist mit dem Regensburger Hof insofern verbunden, als Aktivitäten des Fragamts im 18. Jahrhundert u. a. im Regensburger Hof am Lugeck nachweisbar sind; später übersiedelte das Amt in andere Häuser der Innenstadt.[3] Die Gründung des Versatz- und Fragamts (später Dorotheum) erfolgte 1707 an anderer Adresse; in der Erinnerungskultur wird die Institution dennoch gelegentlich mit dem Regensburger Hof verknüpft, was sich auch in der Inschrift der Gedenktafel widerspiegelt.[4][5]

19. Jahrhundert: Kaffeehaus Adami

Ab 1830 war hier der Sitz des Kaffeehauses Adami, das vor allem von Billardspielern und Künstlern gerne besucht wurde. Dominik Adami hatte sein erstes Lokal drei Jahre zuvor am Rabensteig 4 eröffnet, und war hierher übersiedelt.

20. Jahrhundert: Warenhaus Orendi

In der Denkmaltopografie wird das Objekt als Ehem. Warenhaus Orendi geführt; es handelte sich um ein Teppichhaus („Genersich & Orendi"). 1910 kaufte der Stoffhändler Artur Kary das Haus und richtete repräsentative Geschäftsräume für seine Samt- und Seidenstoffe ein.

Heute: Gastronomie Figlmüller

Im Erdgeschoßbereich ist der Standort bis heute durch publikumsorientierte Nutzungen geprägt; am Lugeck ist insbesondere Gastronomie etabliert. Besonders ist hier das Gasthaus Lugeck - Figlmüller: Der durch seine Schnitzel bekannt gewordene Wirt serviert hier wunderbare Wiener Küche. [6] [7]

Sagen und Legenden

Icon Sagen und Legenden.png

Wenn man ganz genau das Haus ansieht, entdeckt man eine wirklich lustige Besonderheit: Hier lugen ein Mann und eine Frau ums Eck. Die beiden Steinfiguren sind unterhalb der Erker zu sehen, die Frau lugt in die Bäckerstraße, der Mann in die Sonnenfelsgasse. Die Sage kann hier nachgelesen werden: Die Sage vom Ehepaar, das um die Ecke lugt

Gedenktafeln

Regensburgerhof

Gedenktafel

Gedenktafel Regensburgerhof

An dieser Stelle stand
der alte Regensburgerhof,
einst Niederlagsort der Bayrischen
Handelsherren. Hier bewirtete der
Wiener Bürger Niklas Teschler
1470 Kaiser Friedrich III. und
König Matthias Corvisnus.
Im selben Hause errichtete
Kaiser Josef I.
das k. Frag-und Versatzamt.

Friedrich III. und das Stadtwappen

Gedenktafel

Gedenktafel Friedrich III.

|- Friedrich III.
verlieh
der Stadt Wien
den Reichsadler
als Wappenbild
MCCCCLXL

Kunst im öffentlichen Raum

Friedrich III.-Denkmal

Friedrich III.-Denkmal – Steckbrief
Datierung / Aufstellung 1897
Künstler Theodor Friedl
Material Stein
Darstellung Friedrich III.
Standort (genau) an der Fassade des Hauses


An Friedrich III., der Wien das Stadtwappen verliehen hatte, erinnert an diesem Ort nicht nur eine Gedenktafel, sondern auch eine an der Hausfassade angebrachte Statue. Die lebensgroße Figur stammt von Theodor Friedl und wurde 1897 geschaffen.


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Quellen

  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_denkmalgesch%C3%BCtzten_Objekte_in_Wien/Innere_Stadt/L%E2%80%93Roc (Beschreibung Lugeck 4).
  2. Moritz Bermann, Alt- und Neu-Wien. Geschichte der Kaiserstadt und ihrer Umgebungen, 1880
  3. https://homepage.univie.ac.at/anton.tantner/publikationen/Tantner_FragamtWien_WG_2011.pdf (Anton Tantner, Das Wiener Frag- und Kundschaftsamt, Wiener Geschichtsblätter 2011, Passage zum Regensburger Hof am Lugeck).
  4. https://www.lexikon-provenienzforschung.org/dorotheum (Gründung 1707, Annagasse/Seilerstätte).
  5. https://www.dorotheum-pfand.com/ueber-uns/geschichte/ (Kurzgeschichte; Gründung als Versatz- und Fragamt 1707).
  6. https://www.lugeck.com/
  7. https://www.gasthauslugeck.com/