Michaelerplatz 4

Aus City ABC

Das Gebäude

Ein Bild.

Bezirk
1., Innere Stadt
Aliasadressen
=Michaelerplatz 4
=Kohlmarkt 11
Konskriptionsnummer Stadt
vor 1862: 1152
vor 1847: 1152
vor 1821: 1220
vor 1795: '1182
Baujahr
1710
Architekten (Bau)
Giovanni Battista Maderna
Inhaltslizenz: CC-BY-SA 4.0


Das große Michaelerhaus - Architektur und Geschichte

Das Große Michaelerhaus wurde um 1710 von Giovanni Battista Maderna erbaut.

Zur Zeit des Friedhofes war hier das Organistenhaus (1430 erbaut, es gehörte zur Michaelerkirche), das Mesnerhaus (um 1470 erbaut) und das 1559 neu errichtete „neue Gebäude“, das von der Pfarrgemeinde errichtet worden war. Außerdem gab es ein Bürgerhaus aus 1369, das 1631 von den Barnabiten gekauft wurde. Alle genannten Häuser wurden bei einem Brand im Oktober 1704 zerstört.

Die Barnabiten bauten daher auf dem Areal ein großes Zinshaus, das sie aus Spenden finanzierten. Das Haus ist am Stadtplan von Steinhausen aus dem Jahr 1710 bereits fertiggebaut sichtbar.

Der Innenhof

Sieht man aus dem Hof des Hauses auf die Michaelerkirche, so offenbart sich eine gänzlich neue Perspektive: Der Blick ruht auf dem ältesten, spätromanischen Mauerwerk der Kirche. Gerade hier wirkt die Architektur besonders „ehrlich“, weil man die massiven Quaderflächen und Details am Querhaus aus der Nähe wahrnimmt – ein Eindruck, den man vom Platz aus kaum bekommt.

Der Hof ist zugleich ein kleines Stück Alltagsgeschichte der Inneren Stadt. Die offenen Gänge – die typischen Pawlatschen – erinnern daran, dass große Stadthäuser nicht nur repräsentative Fassaden hatten, sondern innen wie kleine „Stadt im Haus“ funktionierten: mit Erschließungsgängen, Wirtschaftsräumen und einer klaren Trennung von Hof- und Straßenseite.

Die Ausbauten, die hier zu sehen sind, dienten teilweise als Wagenremisen, teilweise aber auch als Wohnungen. Besonders spannend ist, dass im Hof noch Wagenschuppen aus der Zeit um 1810 erwähnt werden – also aus jener Phase, in der der Verkehr mit Fuhrwerken das Stadtbild prägte und ein Haus dieser Lage eigene Abstell- und Arbeitsbereiche brauchte.

Wer genau hinschaut, erkennt, wie dicht hier „hochstädtisches Wohnen“ und praktische Infrastruktur zusammenspielen: oben die Laubengänge, unten die Nutzbauten – und dahinter die Kirche als steinerner „Rücken“ dieses Hofraums.

Wohnhaus bekannter Persönlichkeiten

Icon Wohnhaus Person.png

In dem Haus wohnte einst der Bürgermeister Ignaz Czapka, nach dem auch die Czapkagasse im 3. Bezirk benannt ist.

Bis zu ihrem Tod wohnte hier auch die Schauspielerin Elfriede Ott.

Zwischen 1751 und 1756 wohnte hier im Dachgeschoß, in einer kleinen Kammer, Joseph Haydn (daran erinnert auch die Gedenktafel im Haus), der wegen schlechten Benehmens und seinem Stimmbruch mit 16 Jahren aus dem Domchor entlassen wurde.

Metastasio war als Sohn eines Soldaten in Assisi geboren, und mit 31 Jahren als Hofdichter nach Wien berufen worden. Der Dichter hatte sich in ein Mädchen im dritten Stock des Hauses verliebt, Marianne Martines (*4.5.1744, † 13. Dezember 1812). Sie, die selbst Pianistin und Sängerin war, führte einen Salon, in dem sich Musiker versammelten, und in dem Metastasio aufgrund der Freundschaft mit Mariannes Vater häufig verkehrte. Ihr vermachte Metastasio nach seinem Tod ein großes Vermögen.

Im Haus lebte und starb 1919 auch der Klavierbauer Ludwig Bösendorfer, Sohn des Klavierbauers Ignaz Bösendorfer.

Gedenktafel und Wohnhaus Joseph Haydn

Gedenktafel

Gedenktafel Joseph Haydn

In diesem Hause wohnte
Joseph
Haydn
seit 1750
durch mehrere Jahre.
Gewidmet von der Gesellschaft
für Musikfreunde in Wien

Gedenktafel Metastasio, Wohn- und Sterbehaus

Eine weitere Gedenktafel erinnert daran, dass in diesem Haus der Librettist Pietro Metastasio wohnte (und hier am 12.4.1782 starb), er war, wie Nicola Antonio Porpora, der ab 1752 auch hier wohnte, ein Förderer von Haydn.

Gedenktafel

Gedenktafel Pietro Metastasio

In diesem Hause
lebte und starb
Pietro Metastasio
Seinem Andenken von Italienern
und Österreichern geweiht.
12. April 1882

Apotheke

Apotheke Zum goldenen Hirschen

ICON Medizin in Wien.png

Seit 1840 ist hier die Apotheke "Zum goldenen Hirschen" angesiedelt. Die Apotheke selbst gab es bereits seit 1200 und gehört damit zu den ältesten Pharmabetrieben der Stadt.

In ihrer Frühzeit war die Apotheke eng mit der klösterlichen Heilkunst verbunden. Wie viele mittelalterliche Apotheken entwickelte sie sich aus der Kräuter- und Arzneimittelkunde geistlicher Gemeinschaften. Die Versorgung mit Heilpflanzen, Salben, Tinkturen und Pulvern war zunächst weniger kommerziell als fürsorglich geprägt – Apotheker galten als gelehrte Heilkundige, nicht als Händler.

Mit dem Wachstum Wiens zur Handels- und Residenzstadt wandelte sich die Apotheke allmählich zu einem bürgerlichen Pharmabetrieb, der sowohl den Hof als auch die städtische Bevölkerung versorgte. Der Name „Zum goldenen Hirschen“ folgt dabei der frühneuzeitlichen Hauszeichen-Tradition: Der Hirsch steht sinnbildlich für Erneuerung, Lebenskraft und Heilung, da er jährlich sein Geweih abwirft und neu bildet.

Der heutige Standort wurde 1840 bezogen und markiert den Übergang in die moderne Pharmazie. In dieser Zeit wurden Apotheken stärker reguliert, naturwissenschaftlich ausgerichtet und zunehmend staatlich kontrolliert. Rezepturen, Waagen, Standgefäße und Offizinen aus dem 19. Jahrhundert prägten auch hier das Erscheinungsbild.

Die Apotheke blieb über Generationen hinweg in Betrieb und passte sich immer wieder neuen medizinischen Erkenntnissen an – von der traditionellen Kräutermedizin über die chemische Pharmazie bis zur heutigen Arzneimittelversorgung.

Heutige Nutzung

Juwelier Rozet & Fischmeister

Seit 1770 ist in dem Haus die Niederlassung des Hofjuweliers Rozet & Fischmeister.

Der Juwelenhandel wird in sechster Generation von Franz Fischmeister mit seinem Vater Georg geführt.[1]


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Quellen