Maria Major im Königskloster
Diese Wiener Überlieferung erzählt vom Gnadenbild Maria Major, das zunächst im Königskloster verehrt und später in die Augustinerkirche übertragen wurde. Um das Bild rankten sich zahlreiche Wunder: Es spendete Trost, kündigte Unglück an, schützte eine Kapelle und half sogar einer Nonne beim Knödelkochen.
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1., Innere Stadt Königskloster Augustinerkirche Marienverehrung Gnadenbild Wunder Türkenzeit 17. / 18. Jahrhundert
Historischer Hintergrund
Gnadenbilder spielten in der barocken Frömmigkeit eine bedeutende Rolle. Man verehrte sie nicht nur als Darstellungen heiliger Personen, sondern als Orte besonderer Nähe zwischen Himmel und Erde. Solche Bilder wurden mit Trost, Fürsprache, Heilung und wundersamen Zeichen verbunden. Gerade in Klöstern und Hofkirchen entwickelten sich um einzelne Marienbilder oft dichte Überlieferungen, die ihre besondere Gnade bekräftigen sollten.
Das Gnadenbild Maria Major war eng mit dem Wiener Königinkloster und später mit der Augustinerkirche verbunden. Solche Bildübertragungen waren nicht nur ein Wechsel des Standortes, sondern nahmen auch Erinnerungen, Legenden und Frömmigkeitsformen mit. Dass das Bild mit dem Haus Habsburg in Verbindung gebracht wurde und Unglück vorausdeuten konnte, zeigt, wie stark religiöse Verehrung und dynastische Erinnerung im alten Wien miteinander verflochten waren.
Das Königskloster wurde am 22. Jänner 1782 aufgehoben – für die dort lebenden Nonnen völlig unerwartet. Im Konvent befanden sich damals 40 Schwestern, von denen die meisten später in andere Klöster eintraten. Am 13. Juni 1782 verließ die letzte Schwester das Haus, und schon am 25. Juni wurde die Kirche exsuriert.
Mit der Aufhebung des Klosters endete auch die jahrhundertelange Verehrung des Gnadenbildes Maria Major an seinem ursprünglichen Ort. Zwei bedeutende Altäre der Kirche, der sogenannte Goldaltar und der Silberaltar, wurden zerlegt und eingelagert. Sie blieben noch bis 1955 erhalten, verschwanden dann jedoch spurlos.
Das Gnadenbild selbst – eine frühe Kopie der Maria Maggiore, die vom heiligen Franz Borgia an Königin Elisabeth gelangt sein soll – wurde in die Augustinerkirche übertragen. Dort blieb es als Erinnerungsstück an das aufgehobene Königskloster erhalten, bis es in jüngerer Zeit hinter den Klostermauern von St. Augustin verschwand.
Gerade dieser Übergang vom Kloster in die Augustinerkirche erklärt, warum sich die Legenden um Maria Major über die Aufhebung des Konvents hinaus weitertrugen. Das Bild blieb nicht nur ein Gegenstand höfischer und klösterlicher Erinnerung, sondern auch ein Träger jener Wundererzählungen, die sich über Generationen mit ihm verbanden.
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