Himmelpfortgasse 4

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Das Gebäude

Ein Bild.

Bezirk
1., Innere Stadt
Aliasadressen
=Himmelpfortgasse 4
=Kärntner Straße 29-33
=Johannesgasse 1
Konskriptionsnummer Stadt

vor 1862: 967, 968, 969
vor 1821:
vor 1795:

vor 1862: 967, 968, 969
vor 1847: 967, 968, 969
vor 1821: 1025, 1026, 1027
vor 1795: 993, 994, 995
Baujahr
2009–2011
Architekten (Bau)
David Chipperfield Architects; PORR Projekt und Hochbau AG
Inhaltslizenz: CC-BY-SA 4.0


Das Weltstadthaus (Peek & Cloppenburg) Haus, „Zum goldenen Greifen", ehem. Erweiterung des Finanzministeriums – Architektur und Nutzung

Das heutige Gebäude ist das Wiener Weltstadthaus von Peek & Cloppenburg an der Kärntner Straße zwischen Himmelpfortgasse und Johannesgasse. Es wurde von David Chipperfield geplant und am 1. September 2011 eröffnet. Charakteristisch sind die helle Natursteinfassade (Donaukalk) und das durchgehend über mehrere Geschosse geführte Fenster-Raster, das dem Haus bewusst einen „öffentlichen“ Charakter geben soll (Chipperfield spricht vom Haus der Fenster).[1]

Im Inneren organisiert ein zentrales Atrium die Verkaufsebenen; Tageslicht gelangt über eine großflächige, transluzente Dachstruktur in den Kern des Hauses. Der Neubau ging aus einem geladenen Wettbewerb hervor; neben Chipperfield waren dabei weitere international prominente Büros eingeladen.[2][3]

Vorgängerbauten und Bauplatzgeschichte

Der Neubau ersetzte die ehemaligen Nachkriegsbauten 29, 31 und 33. [4] Der Abriss und Baubeginn wurden 2009 öffentlich begleitet; als Eröffnungstermin war damals „2011“ avisiert.[5] Die PORR war ab 2009 als Totalunternehmerin sowohl mit Abbruch als auch Neubau beauftragt.

Kärntner Straße 29 - Erweiterung des Finanzministeriums

Das ehemalige Haus 29 wurde im April 1945 von einer Bombe getroffen worden, die Zerstörung war Anlass zu Plünderungen, dabei wurde ein Feuer gelegt, das dafür sorgte, dass das danebenliegende Gebäude nahezu restlos abbrannte. Ersetzt wurde es durch ein Haus, das 1959 von Wörle und Fellerer erbaut worden war, es wurde als Erweiterung des Finanzministeriums genutzt. [6]

Kärntner Straße 31 – Zum Goldenen Greif / Zum Erzherzog Karl

An der Adresse Kärntner Straße 31 war um 1700 eines der vornehmsten Wiener Gasthäuser, der "Goldene Greif" zu finden; 1807 wurde der Hof in "Zum Erzherzog Karl" umbenannt. Der Gasthof gilt als Erfinder des Brunch, denn hier wurde erstmals ein "Gabelfrühstück", also zwischen 10 und 12 Uhr ein "Déjeuner à la Fourchette" serviert. Zu den Gästen zählten Franz Grillparzer, Ludwig van Beethoven, Richard Wagner und Moritz Michael Daffinger.

1844 erbaute Franz Xaver Ehmann das Haus neu, das Hotel gab es bis zu seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg 1945.

Bis zum Brand, der durch die Plünderer gelegt worden war, befand sich in dem Haus auch ein bekanntes Feinkostgeschäft, Köberl & Pientok.[7]

Kärntner Straße 33 / Johannesgasse 1 – Fleischhof, Fresko, Cabaret Fledermaus

Für den Bereich der Ecke Kärntner Straße 33 / Johannesgasse 1 befand sich bis zum Ende des 15. Jahrhunderts der Fleischhof.[8] Beim Abbruch des Hauses (1906) wurde an der Feuermauer des Nachbarhauses Johannesgasse 3 ein Fresko (Scheinarchitektur) aus dem 16. Jahrhundert sichtbar.[9]

Das nun errichtete Gebäude überstand den Zweiten weltkrieg nicht, es wurde 1949 durch einen Neubau von Schüssler und Schilhak ersetzt.

Cabaret Fledermaus

Bereits am 19. Oktober 1907 eröffnete im Souterrain des damaligen Neubaus ein Kabarett - es war prunkvoll von Klimt, Josef Hoffmann und Oskar Kokoschka ausgestattet worden. Unter der künstlerischen Leitung von Marc Henry, Egon Friedell oder Leo Ascher erhielten Künstler die Möglichkeit, hier ihre Werke aufzuführen. Darunter waren Kokoschkas Erstlingsdrama "Sphinx und Strohmann. Komödie für Automaten", das am 29. März 1909 im Cabaret Fledermaus uraufgeführt wurde, oder auch der Sketch "Goethe" von Alfred Polgar und Egon Friedell. Schon 10 Jahre später, 1917 schloss das Cabaret Fledermaus - es wurde von Oskar Bronner später - nach dem Zweiten Weltkrieg - nun in der Spiegelgasse 2 wiedereröffnet.

Wohn- und Sterbehäuser

Ludwig van Beethoven

Icon Wohnhaus Person.png

1824 war der vierte Stock des Hauses Kärntner Straße 33 einer der zahlreichen Wohnsitze Beethovens. Er wohnte hier, bereits taub geworden, mit seiner Haushälterin und seinem Neffen und nervte die Nachbarn, da er auf sein Piano einen Klangverstärkungs-Trichter montiert hatte, um seine eigene Musik hören zu können. Das war schließlich auch der Grund für die Kündigung seines Mietverhältnisses.

Wohn- und Sterbehaus des Dichters Theodor Berling

Icon Wohnhaus Person.png

Theodor Berling (* 10. November 1776 Malmö, Schweden, † 18. Februar 1826, ebenhier) war Dichter und nicht sehr erfolgreicher Schauspieler. Nachdem er in Breslau gespielt hatte, kam er nach Wien und erhielt im Burgtheater nur eine Anstellung als Souffleur. Er bearbeitete den "Nathan" von Lessing, damit er "spielfähig" wurde (der Zensur entkam) und leitete ab 1819 die Theaterzeitung.[10]

Wohn- und Sterbehaus des Malers Pierre Benevault

Icon Wohnhaus Person.png

Auch der Maler Pierre Benevault (auch: Benevauct, Benevoux, Benevva, * 1685, † 8. Juni 1767 ebenhier) wohnte und starb in diesem Haus. Zu seinen Werken zählen die Gestaltung des Tafelzimmers im Schloss Schönbrunn (1752) und die Porträts von Karl VI., Erzherzog Leopold, Erzherzog Karl und Erzherzog Joseph, die alle im Belvedere ausgestellt sind; oder die Darstellung der „schlafenden Diana“ (1752).[11]

Ausgrabungen

Adresse Ausgrabungscode [12] Zeitstellung Kurzbeschreibung
Himmelpfortgasse 4 195611 römisch / Mittelalter / Neuzeit 1956 wurden in einem Brunnen römische, mittelalterliche und frühneuzeitliche Keramikfragmente dokumentiert.


Quellen