Die neugierigen Schwestern
9., Alsergrund Altes AKH Währing Pest Teufelssage Warnsage Frühe Neuzeit
Historischer Hintergrund
Pestzeiten hinterließen in Wien nicht nur Gräber und Erinnerungen, sondern auch zahlreiche unheimliche Erzählungen. Das Sterben in den Spitälern, die nächtlichen Totenfuhren und die Friedhöfe vor der Stadtmauer prägten die Vorstellungswelt der Menschen stark. Wo Krankheit und Tod allgegenwärtig waren, entstanden leicht Geschichten über dämonische Mächte und nächtliche Erscheinungen.
Die Sage von den neugierigen Schwestern verbindet mehrere typische Motive des Volksglaubens: die Angst vor dem Teufel, das unheimliche Geräusch einer nächtlichen Fahrt und die Warnung vor verbotener Neugier. Gerade in moralischen Erzählungen wird häufig gezeigt, dass der Mensch nicht alles sehen oder wissen soll. Wer die Grenze überschreitet, zieht Unheil auf sich.
Auch die Versteinerung ist ein bekanntes Sagenmotiv. Sie macht aus dem Vergehen ein sichtbares Zeichen: Der angebliche Steinrest wird zur bleibenden Mahnung. Ob ein solcher Stein tatsächlich gezeigt wurde oder nur Teil der Erzählung war, ist dabei weniger wichtig als die Botschaft selbst. Die Geschichte erklärt das Unerklärliche und verknüpft es mit einem konkreten Ort im alten Wien.
Quellen
- ↑ Gustav Gugitz: Die Sagen und Legenden der Stadt Wien, Wien 1952, Nr. 24, S. 43