Der heilige Sebastian bewahrt Sievering vor der Pest
19., Döbling Sievering Pest Heiligenverehrung Wallfahrt Frühe Neuzeit
Historischer Hintergrund
Der heilige Sebastian galt seit dem Mittelalter als einer der wichtigsten Pestheiligen. Seine Verehrung nahm besonders in Zeiten großer Seuchen zu, als Menschen in Kirchen, Kapellen und Bildstöcken Schutz und Fürsprache suchten. Auch in Wien und Umgebung wurde Sebastian in Pestzeiten häufig angerufen.
Der Sebastianiberg (auch Sebastianikogel genannt) ist ein bekannter Hügel und Wallfahrtsort in der Marktgemeinde Pernitz im niederösterreichischen Piestingtal. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts (um 1496–1507) wurde auf dem Sebastianikogel eine dem hl. Sebastian geweihte Kirche samt Anna-Kapelle errichtet. Diese entwickelte sich über zwei Jahrhunderte zu einem bedeutenden Wallfahrtszentrum und Wirtschaftsfaktor für die Region.
Solche Überlieferungen verbinden oft historische Erfahrung mit religiöser Deutung. Die Pest war für die Menschen eine kaum begreifbare Katastrophe, gegen die es lange kein wirksames Mittel gab. Umso größer war die Hoffnung auf himmlische Hilfe. Wenn eine Seuche plötzlich nachließ oder ein Ort verschont blieb, deutete man dies häufig als Wunder oder als Eingreifen eines Heiligen.
Die Sage aus Sievering erklärt auf diese Weise auch eine Wallfahrtstradition. Solche frommen Gänge zu einem heiligen Ort waren im alten Österreich weit verbreitet. Sie dienten nicht nur dem Dank, sondern stärkten auch das gemeinsame Gedächtnis eines Dorfes: Die Erfahrung von Not, Rettung und Hoffnung blieb so über Generationen lebendig.
Quellen
- ↑ Mailly, Anton von: Allerlei Merkwürdigkeiten vom Wiener Stephansdom, Wien 1923, Nr. 204