Der heilige Sebastian bewahrt Sievering vor der Pest

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Sagen und Legenden
Der heilige Sebastian bewahrt Sievering vor der Pest



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Wie der heilige Sebastian Sievering vor der Pest rettete


Zur Zeit der großen Pest lag über Sievering tiefer Schrecken. In einem Haus nach dem anderen starben Menschen, und niemand wusste, wie das Sterben aufzuhalten wäre. Schließlich waren, so erzählt die Überlieferung, nur noch sieben Männer übrig. In ihrer Verzweiflung versammelten sie sich bei der Dreifaltigkeitssäule und baten Gott inständig, ihr Dorf und die wenigen Überlebenden vor dem Untergang zu bewahren.

Während sie beteten, trat plötzlich ein fremder Mann zu ihnen und fragte, was sie dort täten. Als sie ihm ihr Leid klagten, sagte er nur: „Geht mit mir, ich weiß Hilfe.“ Die sieben folgten ihm. Der Unbekannte führte sie einen Tag und eine Nacht und noch einen weiteren Tag und eine Nacht, bis sie nach Pernitz kamen und auf den Sebastianiberg stiegen.

Dort stand eine dem heiligen Sebastian geweihte Kapelle. Der Fremde forderte die Männer auf, andächtig zu beten. Als sie das taten und wieder aufblickten, war er verschwunden. Da erkannten sie, dass kein gewöhnlicher Mensch sie geführt hatte: Es war der heilige Sebastian selbst gewesen, der Schutzpatron gegen die Pest.

Voller Vertrauen kehrten die sieben nach Sievering zurück. Und noch am selben Tag, so berichtet die Sage, erlosch die Seuche. Aus Dankbarkeit wallfahrteten die Sieveringer fortan jedes Jahr um den 19. September auf zwei Tage zum Sebastianiberg. [1]

Ort: Sievering / Dreifaltigkeitssäule; Wallfahrt zum Sebastianiberg bei Pernitz

Historischer Hintergrund

Der heilige Sebastian galt seit dem Mittelalter als einer der wichtigsten Pestheiligen. Seine Verehrung nahm besonders in Zeiten großer Seuchen zu, als Menschen in Kirchen, Kapellen und Bildstöcken Schutz und Fürsprache suchten. Auch in Wien und Umgebung wurde Sebastian in Pestzeiten häufig angerufen.

Der Sebastianiberg (auch Sebastianikogel genannt) ist ein bekannter Hügel und Wallfahrtsort in der Marktgemeinde Pernitz im niederösterreichischen Piestingtal. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts (um 1496–1507) wurde auf dem Sebastianikogel eine dem hl. Sebastian geweihte Kirche samt Anna-Kapelle errichtet. Diese entwickelte sich über zwei Jahrhunderte zu einem bedeutenden Wallfahrtszentrum und Wirtschaftsfaktor für die Region.

Solche Überlieferungen verbinden oft historische Erfahrung mit religiöser Deutung. Die Pest war für die Menschen eine kaum begreifbare Katastrophe, gegen die es lange kein wirksames Mittel gab. Umso größer war die Hoffnung auf himmlische Hilfe. Wenn eine Seuche plötzlich nachließ oder ein Ort verschont blieb, deutete man dies häufig als Wunder oder als Eingreifen eines Heiligen.

Die Sage aus Sievering erklärt auf diese Weise auch eine Wallfahrtstradition. Solche frommen Gänge zu einem heiligen Ort waren im alten Österreich weit verbreitet. Sie dienten nicht nur dem Dank, sondern stärkten auch das gemeinsame Gedächtnis eines Dorfes: Die Erfahrung von Not, Rettung und Hoffnung blieb so über Generationen lebendig.

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Quellen

  1. Mailly, Anton von: Allerlei Merkwürdigkeiten vom Wiener Stephansdom, Wien 1923, Nr. 204