Coburgbastei 2-4
- Bezirk
- 1., Innere Stadt
- Aliasadressen
- =Coburgbastei 2-4
- =Seilerstätte 1-3
- =Liebenberggasse 2
- Konskriptionsnummer Stadt
- vor 1862: 801, 802
- vor 1847: 801, 802
- vor 1821: 848, 849
- vor 1795: 913, 914
- Baujahr
- Mittelalter/1641
- Architekten (Bau)
- k.A.
Das Palais Coburg - Architektur und Geschichte
Das Gebäude steht auf der ehemaligen Braunbastei, einem Rest der frühneuzeitlichen Wiener Stadtbefestigung. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erwarb Graf Franz Koháry Liegenschaften in diesem Bereich; über die spätere Verbindung der Familie mit dem Haus Sachsen-Coburg entstand der unmittelbare Anlass für ein repräsentatives Stadtpalais.[1]
Der Neubau wurde in den Jahren 1839 bis 1845 nach Plänen von Karl Schleps errichtet und nach dessen Tod von Adolf Korompay weitergeführt. Auftraggeber war Herzog Ferdinand Georg August von Sachsen-Coburg, der sich hier ein standesgemäßes Palais an der damaligen Basteizone schaffen ließ.
1846 wollte Baron Sina das Palais kaufen, um hier die k.k. Börse und das Wechselgericht unterzubringen, der Versuch misslang jedoch. Nachdem 1863 die Braunbastei abgerissen wurde, entstand im Jahr darauf die Gartenfassade mit den zahlreichen Säulen; Seither hieß das Haus in der Wiener Bevölkerung „Spargelburg“.
Architektonische Details
Zur Seilerstätte zeigt sich eine breit gelagerte Straßenfassade, die durch drei Rundbogenportale und einen akzentuierten Mittelteil gegliedert ist. Für das Erscheinungsbild typisch sind die großmaßstäbliche Ordnung der Front und die repräsentative, palastartige Wirkung, die den spätklassizistischen Anspruch der Bauzeit deutlich macht.
Besonders markant ist die zur Ringstraße hin sichtbare Gartenfassade: In der Mitte liegen übereinander Loggien, deren Säulenordnung den aristokratischen Charakter des Hauses unterstreicht. Diese Seite profitiert bis heute von der Lage am ehemaligen Befestigungsrand und der dadurch gegebenen räumlichen Öffnung.[2]
Das Palais im 20. Jahrhundert
Während der Zeit der Besatzung war das Haus auch Quartier für russische Soldaten.
Die Familie Coburg verkaufte das Gebäude im Jahr 1978 an den Realitätenmakler Peter Pühringer um 10,4 Millionen Euro, Prinzessin Aurelia von Sachsen-Coburg-Kohary hatte jedoch bis zu ihrem Tod (1994) ein Servitutsrecht.
Denkmalschutz
Der Gebäudekomplex ist in den Denkmallisten des Bundesdenkmalamtes für den 1. Bezirk als geschützt ausgewiesen (Bescheid, Unterschutzstellung nach §3).[3]
Vorgängerhäuser
Bevor ein Palais errichtet wurde, stand hier das „Krowotendörfel an der Stadtmauer“ (auch: Windisches Dörfel) – eine Ansammlung ebenerdiger Soldatenhäuschen. Zwei Häuser, die hier standen, gehörten auch zum kaiserlichen Zeug- und Gusshaus, sie waren bereits 1547 auf dem Wolemutsplan eingezeichnet.
1775 stand hier ein Haus mit der Nummer Stadt 801, es gehörte dem Schlosser Wunibald Galler. Ein anderes Haus, Stadt 802, besaß der Stadtschultheißenmeister und beherbergte später die Wohnung des jeweiligen Stadtkommandanten, und gelangte durch Erbschaft an die Familie Coburg. In diesem Haus starb 1766 der Feldmarschall Leopold Graf Daun, am 24.11.1801 Franz Moritz Graf Lacy.
Nutzung heute
Das Palais wird als exklusiver Hotel- und Gastronomiestandort genutzt. Der heutige Betrieb positioniert sich ausdrücklich als Haus in denkmalgeschützter Substanz und knüpft damit an die historische Repräsentationsfunktion des Gebäudes an.[4]
Das Hotel
Nach der umfangreichen Sanierung des Hauses wurde es im Jahr 2003 als Luxushotel („Palais Coburg Hotel Residenz“) eröffnet – es beherbergt 35 Suiten, darunter 14 "City-Suiten" bis zu 96 m² und sechs "Imperial-Suiten" bis zu 164 m². Das ebenfalls hier beherbergte Restaurant (unter der führung von Christian Petz, der ehemals das Gourmetrestaurant „Meinl Am Graben“ betrieben hatte) wird hochgelobt, soll aber ein Ambiente haben, dass einer „Schweizer Privatbank für Nachwuchs-Oligarchen“ gerecht wird.
Im Keller, integriert in den ehemaligen Munitionsbunker, sollen nun 60.000 Flaschen Wein gelagert sein.
Eindrucksvoll und jedenfalls sehenswert ist ein riesiger Stadtplan, der Wien um 1850 zeigt. Er ist im Boden des Foyers im Keller eingelassen.
Clementine im Glashaus
Auf der Bastei, mitten in der Stadt, eröffnet sich eine Grünoase mit Brunnen und Bäumen. Hier hat ein neues Lokal namens "Clemetine" eröffnet. Eine kleine Frühstückskarte mit gehobenen Preisen offeriert frische ausgewählte Speisen, hier ist für jeden etwas dabei (selbst für Veganer). Das Service ist bemerkenswert aufmerksam und zuvorkommend. Mit einem Wort: Gelungen.
Interessante Details zum Palais
Die freistehenden Säulen im Mittelteil der Fassade brachten dem Palais Coburg schon im 19. Jahrhundert einen bis heute geläufigen Spitznamen ein: Im Wiener Volksmund wurde das Haus wegen seiner „säulenreichen“ Mittelzone als „Spargelburg“ bezeichnet.[5]
Nach der Bauphase und den Revolutionsjahren wurde das Palais erstmals von Prinz August von Sachsen-Coburg und Gotha und seiner Frau Clementine d’Orléans bewohnt. In derselben Zeit entstand in Wien der Typus des Zinspalais; auch im Palais Coburg wurden daher Teile als hochwertige Mietwohnungen vergeben, während die repräsentativen Räume die adelige Wohnkultur widerspiegelten.[6][7]
Eine besonders gut dokumentierte Bewohnergeschichte verbindet das Palais mit europäischer Dynastie- und Gesellschaftsgeschichte: Prinz Philipp von Sachsen-Coburg und Gotha und Prinzessin Louise von Belgien lebten im Wiener Palais Coburg. Im selben Umfeld wuchs auch Philipps jüngerer Bruder Ferdinand auf, der später als Fürst von Bulgarien bekannt wurde. Die Ehe- und Hofintrigen rund um dieses Umfeld wurden um 1900 über Wien hinaus breit rezipiert und sind in späteren Darstellungen vielfach aufgearbeitet.[8]
Am Rande der jüngeren Nutzungsgeschichte ist bemerkenswert, dass die Prunkräume des Hauses auch als diskrete Bühne internationaler Politik dienten: Hier fanden 2015 die UN-Verhandlungen zum iranischen Atomprogramm ihren Abschluss.[9]
Alte Ansichten
- Alte Ansichten
Palais Coburg und Gartenbaugebäude um 1870 [10]
Ansichtskarte um 1900 [11]
Seilerstätte 3 [12]
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Quellen
- ↑ https://www.palais-coburg.com/geschichte
- ↑ https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_denkmalgesch%C3%BCtzten_Objekte_in_Wien/Innere_Stadt/Rot%E2%80%93Si
- ↑ https://www.bda.gv.at/dam/jcr:8169a67a-9ffd-493d-a7b3-1cd25797e285/NEU_Wien_DML_2025.pdf
- ↑ https://www.palais-coburg.com/
- ↑ https://www.derstandard.at/story/1473822/spargelburg-wurde-luxushotel
- ↑ https://special-woehr-parken-3.bauwelt.de/palais_coburg/
- ↑ https://www.burgen-austria.com/palais.php?id=756
- ↑ https://kurier.at/kultur/geschichten-mit-geschichte/ein-k-u-k-sittenbild-der-jahrhundertwende/297.912.354
- ↑ https://special-woehr-parken-3.bauwelt.de/palais_coburg/
- ↑ Michael Frankenstein & Comp. (Fotoatelier), 1., Coburgbastei 4 - Gartenbaugelände und Palais Coburg, um 1870 (Aufnahme), um 1940 (Reproduktion), Wien Museum Inv.-Nr. 71451, CC0 (https://sammlung.wienmuseum.at/objekt/463168/)
- ↑ Carl (Karl) Ledermann jun. (Hersteller), Gruß aus Wien I. Coburg-Palais und k. k. Gartenbau - Gesellschaft., 1900 (Gebrauch), Wien Museum Inv.-Nr. 205251, CC0 (https://sammlung.wienmuseum.at/objekt/38047/)
- ↑ Bruno Reiffenstein (Fotograf), 1., Seilerstätte 3 - Coburgpalais - Schrägansicht - Blick Richtung An der Hülben, 1942, Wien Museum Inv.-Nr. 79000/13451, CC0 (https://sammlung.wienmuseum.at/objekt/182630/)
- Rainer Nowak, Presse Schaufenster, Juli/2007
- http://kurier.at/immo/architektur/die-10-schoensten-palais-in-wien/710.003/slideshow#710003,547056


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