Christbaum

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Rituale und Brauchtum
Christbaum
Brauchtum in Wien

Der Christbaum ist heute aus dem Wiener Weihnachtsfest kaum wegzudenken. Doch seine Geschichte in Wien ist erstaunlich jung: Zunächst erschien er als kleiner Lichterbaum zum Nikolausfest, erst im frühen 19. Jahrhundert wurde er allmählich zum Mittelpunkt des Weihnachtsabends.

Advent Weihnachten Brauchtum Ganz Wien


Der Lichterbaum zum Nikolausfest

Brauch: Mit Obst und Keksen geschmücktes Nadelbäumchen

Christkindlmarkt Wien 2017 Rathausplatz.jpg

Christbaum am Rathausplatz

Der Christbaum war in Wien nicht von Anfang an ein fester Bestandteil des Weihnachtsabends. Frühere Formen des Brauchs standen zunächst mit dem Nikolaustag am 6. Dezember in Verbindung. Der heilige Nikolaus brachte mancherorts ein kleines Nadelbäumchen ins Haus, das mit Backwerk und Obst geschmückt war, aber noch nicht die spätere, vertraute Form des Weihnachtsbaums hatte.[1]

Schon in josephinischer Zeit ist allerdings von einem grünen Baum mit brennenden kleinen Kerzchen die Rede, den der heilige Nikolaus den Kindern brachte. Dies zeigt, dass sich ältere Nikolausbräuche und die spätere Christbaumtradition zeitweise überlappten. Noch war der geschmückte Baum jedoch kein allgemeiner Brauch in Wien.[2]

Die Geschichte des Wiener Christbaums

Das katholische Weihnachtsfest war in Wien lange vor allem durch die Christmette geprägt. Einen Christbaum suchte man in älteren Wiener Weihnachtsbräuchen zunächst vergeblich. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts mehren sich die Hinweise auf geschmückte Bäume in privaten Häusern.[3][4]

Als früher Beleg in Wien Währing gilt ein Weihnachtsbaum im Haus des jüdischen Bankiers Nathan Adam von Arnstein. Polizeiakten berichten, dass seine Gattin Fanny von Arnstein, die aus Berlin kam, die norddeutsche Sitte bereits 1814 in ihrem Salon eingeführt haben soll. Dieser erste bekannte Wiener Christbaum blieb aber noch ein Ereignis in einem gehobenen, kosmopolitischen Milieu und war keineswegs schon allgemeiner Stadtbrauch.[5][6]

Entscheidend für die Verbreitung des Christbaums am Weihnachtsabend wurde Erzherzog Carl und vor allem seine Gattin Henriette von Nassau-Weilburg. Die helvetisch-protestantische Prinzessin brachte den Brauch aus dem Norden mit nach Wien. Im Stadtpalais in der Annagasse 20 / Seilerstätte 30, dem später so genannten Erzherzog-Carl-Palais, stellte sie wohl 1816 nach der Geburt ihrer Tochter Maria Theresia Isabella den ersten kerzengeschmückten Christbaum im Kreis der kaiserlichen Familie auf.[7][8][9]

Kaiser Franz I. nahm an dieser Weihnachtsfeier teil und ließ daraufhin auch in der Hofburg einen solchen Baum aufstellen. Damit wurde der Christbaum gewissermaßen hoffähig. Adelige Familien folgten dem Beispiel des Hofs, doch in der breiteren Wiener Bevölkerung setzte sich der Brauch nur langsam durch.[10]

Dass der Brauch in Wien tatsächlich Fuß fasste, zeigen weitere Zeugnisse. Von Rudolf von Alt wird berichtet, dass in seinem Elternhaus bereits 1817 ein Christbaum aufgestellt wurde. Als der Burgschauspieler Heinrich Anschütz 1821 eine Christbescherung mit Christbaum plante, stieß er beim Einkauf dafür in Wien noch auf Verwunderung. Die älteste bekannte bildliche Darstellung eines Wiener Christbaums befindet sich im Illustrierten Erinnerungsbüchlein für die Wiener Kaufmannsfamilie Carl Baumann, 1820 im Wien Museum.

Bemerkenswert ist auch eine niederösterreichische Regierungsverordnung vom 1. August 1815, die im Zusammenhang mit Waldschutzbestimmungen bereits Weihnachtsbäume erwähnt und bei Missbräuchen deren Konfiskation androht. Das zeigt, dass der Brauch damals schon bekannt genug war, um behördlich wahrgenommen zu werden.

Zwischen Krippe und Christbaum

Dass sich der Christbaum in Wien nicht sofort durchsetzte, hatte auch religiöse Gründe. In katholischen Kreisen behauptete lange die Weihnachtskrippe ihren Vorrang. Der Christbaum wurde zunächst eher als neue, aus protestantischen Gegenden übernommene Sitte wahrgenommen.[11][12]

Die eigentliche Veränderung bestand darin, dass die Bescherung allmählich vom Nikolaustag auf den Weihnachtsabend wanderte. Mit dieser Verlagerung verschob sich auch die Bedeutung des geschmückten Baums: Aus dem gelegentlichen Nikolausbaum wurde der Christbaum des Heiligen Abends.[13][14]

Der erste öffentliche Christbaum

Der erste nachweisbare Christbaum in Währing stand 1829 in der Villa Friedrichs von Gentz in der Währinger Straße 169–171. Im selben Jahr wurden beim Schottentor bereits Bäume zum Verkauf angeboten. Ein zeitgenössischer Bericht schildert, dass der Platz Am Hof im Jahr 1851 in der Vorweihnachtszeit einem Wald geglichen habe; auch in Mariahilf wurden damals zahlreiche Christbäume verkauft. Spätestens in der Mitte des 19. Jahrhunderts war der Brauch in Wien also sichtbar im öffentlichen Raum angekommen.[15]

Der Christbaum vor dem Rathaus

Vor dem Wiener Rathaus steht seit 1959 alljährlich ein großer Christbaum, meist eine etwa 30 Meter hohe Fichte. Gespendet wird er abwechselnd von den österreichischen Bundesländern; seit 1989 beteiligt sich auch Südtirol an dieser Tradition. Seit 1975 bildet der Baum das strahlende Zentrum des Wiener Christkindlmarkts am Rathausplatz.[16][17]

Nur 1986 wurde diese Tradition unterbrochen – als Zeichen gegen das damals viel diskutierte Waldsterben. Der höchste Weihnachtsbaum, der je in Wien aufgestellt wurde, maß 39,4 Meter und kam 1971 aus der Steiermark.[18][19]

Nach Weihnachten

Auch nach dem Fest endet die Geschichte des Christbaums in Wien nicht. Die ausgedienten Bäume werden an den Sammelstellen der Magistratsabteilung 48 abgegeben und energetisch verwertet. Aus den gesammelten Christbäumen erzeugt Wien Energie in der Müllverbrennungsanlage Pfaffenau Strom und Fernwärme für Wiener Haushalte. Der Christbaum schenkt der Stadt damit gleichsam zweimal Licht und Wärme: zuerst im Wohnzimmer, später noch einmal als Energie.[20]

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Quellen