Stephansplatz 1: Unterschied zwischen den Versionen

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== Entstehung zwischen 1137 und 1440 ==
 
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Der gotische Dom (der Grundriss ist der eines Kreuzes – der auf dem Kreuz liegende Christus) ist – wie eingangs erwähnt - so ausgerichtet, dass am Namenstag des Hl. Stephan, am 26. Dezember (erstmals 1137), die ersten Sonnenstrahlen auf den Altartisch und die Ikone des Heiligen Stephanus fallen.  
 
Der gotische Dom (der Grundriss ist der eines Kreuzes – der auf dem Kreuz liegende Christus) ist – wie eingangs erwähnt - so ausgerichtet, dass am Namenstag des Hl. Stephan, am 26. Dezember (erstmals 1137), die ersten Sonnenstrahlen auf den Altartisch und die Ikone des Heiligen Stephanus fallen.  
  
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== Änderungen im Laufe der Jahre ==
 
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Der Stephansdom wird umgebaut, seit es ihn gibt. So wurde beispielsweise der Rathaus-Architekt Friedrich Schmidt 1863 mit großen Renovierungsumbauten beauftragt. 27 Jahre lang war er mit der Instandhaltung des Südturms, der Westfassade und des Innenraums befasst. Zwischen 1838 und 1844 waren die Architekten Paul Sprenger und Joseph Mauritius Stummer mit der Renovierung des Turms beauftragt.
 
Der Stephansdom wird umgebaut, seit es ihn gibt. So wurde beispielsweise der Rathaus-Architekt Friedrich Schmidt 1863 mit großen Renovierungsumbauten beauftragt. 27 Jahre lang war er mit der Instandhaltung des Südturms, der Westfassade und des Innenraums befasst. Zwischen 1838 und 1844 waren die Architekten Paul Sprenger und Joseph Mauritius Stummer mit der Renovierung des Turms beauftragt.
  
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===Das Hauptschiff ===
 
 
Eine  Tafel oberhalb des 1952 eingefügten Schlusssteines im Hauptschiff trägt folgende Inschrift:
 
   
 
    Die dich in dieses Gotteshaus ruft, die Glocke, spendete
 
    das Land Oberösterreich; das dir den Dom erschließt, das
 
    Tor, das Land Steiermark; der deinen Schritt trägt, den
 
    Steinboden, das Land Niederösterreich; in der du betend
 
    kniest, die Bank, das Land Vorarlberg; durch die das
 
    Himmelslicht quillt, die Fenster, das Land Tirol; die in
 
    festlicher Helle erstrahlen, die Kronleuchter, das Land
 
    Kärnten; an der du den Leib des Herrn empfängst, die
 
    Kommunionbank, das Burgenland; vor dem deine Seele sich
 
    in Andacht neigt, den Tabernakel, das Land Salzburg; das
 
    die heiligste Stätte des Landes behütet, das Dach, spendete
 
    im Verein mit vielen hilfreichen Händen die Stadt Wien.
 
  
 
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[[Kategorie:Architekten:Paul Sprenger]]
 
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== Quellen ==

Version vom 12. Juni 2016, 09:22 Uhr

Grund-Information
XStephansdom.JPG

Stephansdom

Aliasadressen =Stephansplatz 1
Konfession römisch-katholisch


Stephansdom

Die bedeutungsvollste Kirche in Wien kann nicht in ein paar Zeilen abgehandelt werden, sie birgt derart viele Geheimnisse, Legenden, Symbole und Kunstwerke, dass dafür mehr Raum gegeben wird. Der liebevoll "Steffl" genannte Dom ist das Wahrzeichen Wiens und hat Not, Zerstörung, Hoffnung und Glück miterlebt.

Der Ursprung - Keltenzeit

Der alte „Steffl” ist erstaunlicherweise nicht – wie sonst für christliche Kultbauten üblich – nach Osten ausgerichtet („orientiert”). Die Hauptachse der Kirche weist gegen die sonstige Grundregel genau in jene Richtung, in der am 25. und 26. Dezember die Sonne erstmals über dem Horizont erscheint.

Der 25. Dezember ist ein alter „heidnischer” Termin: Die Römer feierten unter Heranziehung des uralten indo-iranischen Sonnengottes Mithras, der als Kriegsgott gerade unter den römischen Soldaten sehr verehrt wurde, bis ins 3. Jahrhundert auf ihren damals obersten Staatsgott „Sol invictus”, dem der 25. Dezember, der in dieser Zeit kürzeste Tag des Jahres, als Geburtstag der unbesiegbaren Sonne geweiht wurde. Um die Christen gegen das heidnische Fest zu immunisieren, setzte die Kirche anstelle des Sonnengottes „das wahre Licht des Erlösers“.

Der 26. Dezember war in der Keltenzeit der Beginn der Raunächte. Das Symbol der Kelten für Licht und Weisheit war das Pferd. Die Katholische Kirche (bzw. Kaiser Justinian I.) integrierte diesen Glauben im 5. Jahrhundert nach Christus, und setzt den Heiligen Stephanus auf ein Pferd, das Pferd wurde wegen seines Springens zum Symbol für die aufsteigende Seele, für Auferstehung und Himmelfahrt, gemacht.

Bedeutsam ist dies aufgrund folgender Annahmen:

In Wien, dem gallorömischen Vindobona, dürften unsere „heidnischen” Vorfahren über sehr lange Zeit – vielleicht noch nach Justinian – an der Stelle des heutigen Westwerks (dem ältesten – daher romanischen - erhaltenen Teil des Stephansdomes) der Stephanskirche und am benachbarten Rossmarkt ihre Pferde-Opfer zum Jahreswechsel zelebriert haben. Der 26. Dezember, der nun dem Hl. Stephan gewidmet ist, war in gallorömischer Zeit der Tag der rituellen Opfer weißer Pferde, deren Köpfe erst ein halbes Jahr später – zur Sommersonnenwende – den heutigen „Johannisfeuern” übergeben wurden.

Vor der Opferung waren diese Tiere, die unseren keltischen Ahnen als orakelkundige „Mitwisser der Göttinnen” galten und in Heiligen Hainen gehalten wurden, in entsprechende Weissagungs-Rituale für das Neue Jahr eingebunden. Mit der Errichtung des Stephansdomes wurden also heidnische Bräuche am Gelände des heutigen Stephansplatzes geschickt in den katholischen Glauben integriert.

Grabungen im Jahr 2000 zeigten, dass die erste Kapelle an dieser Stelle bereits im Jahr 800 n.Chr. stand – in dieser befanden sich Knochen aus dem 4. Jahrhundert nach Christus. Weitere Funde belegen, hier stand ein Turm mit farbenfroher Innenbemalung, ebenfalls aus dem 4. Jahrhundert.

Der Platz gilt also seitjeher als „heilig“. Archäologen fanden auf diesem Platz 11 Schichten von früheren Kirchen und Friedhöfen.

Entstehung zwischen 1137 und 1440

Die Baugeschichte des Doms im Grundriss, grün: das Riesentor; rot: romanischer Dom, 1430 abgerissen; rosa: Albertinischer Chor; blau: das gotische Langhaus

Der gotische Dom (der Grundriss ist der eines Kreuzes – der auf dem Kreuz liegende Christus) ist – wie eingangs erwähnt - so ausgerichtet, dass am Namenstag des Hl. Stephan, am 26. Dezember (erstmals 1137), die ersten Sonnenstrahlen auf den Altartisch und die Ikone des Heiligen Stephanus fallen.

Besonders ist auch, dass am 6. Jänner der Lichtstrahl so in den Innenraum einfällt, dass die Kronen der drei Heiligen Könige erleuchtet werden.

1137 ist deshalb ein bedeutendes Datum, weil in diesem Jahr Wien zum ersten Mal (unter dem Babenberger Leopold dem IV.) als „Civitas“ urkundlich erwähnt wurde. In diesem Jahr wurde mit dem Bau einer Pfarrkirche St. Stephan begonnen. Zur „besonderen“ Zahl 37 kommen wir etwas später.

Der Um- und Ausbau des Domes zog sich, wie aus nebenstehender Grafik erkennbar ist, über mehrere Jahrhunderte (rund 300), bis ungefähr im Jahr 1440 der Bau des Langhauses vollendet wurde. Der Turmbau wurde bereits mit der Grundsteinlegung 1339 begonnen.

Änderungen im Laufe der Jahre

[File:Manner-Mann.jpg|thumb|200 px|Der Männer-Mann, ein Domsteinmetz, der von der Firma Manner entlohnt wird]] Der Stephansdom wird umgebaut, seit es ihn gibt. So wurde beispielsweise der Rathaus-Architekt Friedrich Schmidt 1863 mit großen Renovierungsumbauten beauftragt. 27 Jahre lang war er mit der Instandhaltung des Südturms, der Westfassade und des Innenraums befasst. Zwischen 1838 und 1844 waren die Architekten Paul Sprenger und Joseph Mauritius Stummer mit der Renovierung des Turms beauftragt.

Die letzten großen Veränderungen wurden im 20. Jahrhundert vorgenommen; in den 30er Jahren wurde elektrisches Licht eingeleitet, das Dach musste nach dem zweiten Weltkrieg erneuert werden und 1946 wurden die ersten WC-Anlagen eingebaut. Im Mittelalter war es üblich, die Notdurft innerhalb der Kirche zu verrichten, da standen fahrende Leibschüsseln und Kübel unter den Kirchenbänken. Der entstehende Gestank wurde mit Weihrauch übertüncht.

Für die laufenden Restaurierungsarbeiten beschäftigt die Dombauhütte heute noch rund 20 Steinmetze, Schlosser, Elektriker, Bildhauer und Tischler. Einer davon läuft in rosa Arbeitsgewand umher: Es ist der Manner-Mann. Die Firma Manner sponsert seit 35 Jahren einen Handwerker, um ihre Verbundenheit zur Kirche (immerhin ist der Steffl das Logo von Manner) zu zeigen.

Mystische Zahlensymbolik

Die Schlüsselzahl des Stephansdom ist die 37. Die Unterlegung von kirchlichen Bauten mit einer Schlüsselzahl kam von den Scholastikern. Zur 37 fällt einem einiges ein: Sie ist eine Primzahl, 37 Grad beträgt die durchschnittliche Körpertemperatur – und letztlich wurde der Bau 1137 begonnen…

Mögliche Erklärungen der Zahl XXXVII (37):

  • die drei X sind das Sinnbild der Dreifaltigkeit,
  • die VII gilt als die perfekte oder auch heilige Zahl, die die Vollkommenheit repräsentiert – die Zahl der Schöpfungstage, der Bitten des Vaterunsers, der Gaben des Heiligen Geistes, der Tugenden, der Todsünden, der Sakramente, der Leidensstationen Jesu, die sieben Sakramente der katholischen Kirche, die sieben urkirchlichen Diakone (einer von ihnen war der hl. Stephanus), das apokalyptische Buch mit den sieben Siegeln.
  • Die 7 besteht aus der 3 (Dreifaltigkeit – das Göttliche, das Männliche) und der 4 (Zahl des Irdischen, das Weibliche, Temperamente, Himmelsrichtungen, Jahreszeiten…)
  • 7 hinter der 3 ergibt 37. 3 x 37 = 111. Der Dom ist 111 Fuß breit und 333 (3 x 3 x 37) Fuß lang.
  • Die Anzahl der Stufen zum Glockenturm beträgt 343 (in Quersummen: 7+3 oder 3+7) bzw. 7 x 7 x 7
  • 3 x 4 Türmchen (Symbol der 3x4 = 12 Apostel) umringen den Südturm.
  • Der Südturm selbst ist 444 (37 x 3 x 4) Fuß hoch – das plus die Länge des Doms mit 333 (37 x 3 x 3) Fuß = 777 (37 x 3 x 7)

Der Zweite Weltkrieg - Zerstörung

Am 13. April 1945 geschah die Katastrophe, die bereits fünf Tage lang versucht wurde zu verhindern, der Dom brannte und stürzte teilweise in sich zusammen. Keine andere Schilderung dieser dramatischen Entwicklung stellt so aufwühlend und trotzdem sachlich dar was geschah, wie die des Zeitzeugen Jörg Mauthe.

Sie ist hier im Original nachzulesen: Als der Dom in Flammen stand [1]

Zur besseren Übersichtlichkeit können die Beschreibungen zu den Seiten des Doms unabhängig von einander abgerufen werden:

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Die Westseite

Die Nord-Seite

Die Ost-Seite

Die Süd-Seite

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Quellen

  1. Jörg Mauthe, Der Dom zu St. Stephan in Wien, Festschrift zur Wiedereröffnung des Albertinischen Chors, 1952, im Eigenverlag der Dompfarre, S. 15-16