Rundgang Außen

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Die Westseite

Ein Rundgang um den Stephansdom bietet mehr als man denkt. Diese kurze Darstellung ermöglicht Jedem, den Dom auf eigene Faust zu erkunden.

Der Rundgang verläuft im Uhrzeigersinn, beginnend an der linken Ecke des Doms (aus der Sicht des Betrachters). Aufgrund des Umfangs der Beschreibung sind alle Seiten des Doms auf jeweils eigenen Seiten abrufbar.

Die Westseite

Die Westfassade gehört zu den ältesten Teilen des Doms – der romanischen Ursprungs ist. Für ihren Bau wurden, unter anderem, römische Grabsteine verwendet, die heute noch im Bereich des Heidentores sichtbar sind.

Riesentor – Westfassade (der älteste Teil)

Der Mammutknochen von St. Stephan, aus Bermann, Bermann 1880
Das Riesentor heute

Das Riesentor ist angeblich benannt nach dem Knochen eines Mammuts (Riesenknochen) – der bei Bauarbeiten gefunden wurde und im Tor aufgehängt wurde. Dort hing er bis zum 18. Jahrhundert. Als im Mittelalter der Oberschenkelknochen eines Mammuts im Ersten Wiener Gemeindebezirk ausgegraben wurde, dachten die Menschen an die Gebeine von Riesen. Knochen vorzeitlicher Säugetiere wurden damals als „naturwissenschaftliche Kuriosa“ gerne von Domen und Kirchen gesammelt. Wie auch jener 86 Zentimeter lange Mammut-Knochen mit den Inschriften "AEIOU" (dem Wahlspruch von Kaiser Friedrich III.) und "1443". Der Knochen gehörte zur privaten Reliquien-Sammlung von Rudolf.

Die Jahreszahl legt die Vermutung nahe, dass der Knochen bei den Aushub-Arbeiten für den Nordturm des Stephansdomes gefunden wurde. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts befindet er sich jedenfalls in den Sammlungen des ehemaligen Institutes für Geologie der Universität Wien. Anlässlich der Mammut-Ausstellung zwischen 19. November uns 2. März 2015 war er in den Schauräumen des Naturhistorischen Museums Wien zu sehen.

Legenden erzählen aufgrund dieses Knochen von Riesen, die geholfen hätten, den Dom zu bauen. Tatsächlich kommt die Bezeichnung aber von dem altdeutschen Wort „risen“ – untergehen, fallen.

Auch hier gibt es unterschiedliche Aussagen: Die Einen meinen, die sich nach innen „fallende“ Architektur des Tores sei ausschlaggebend gewesen – Andere sagen, das Riesentor sei das Tor, das in diese Richtung weist, in der die Sonne „ze rise“ geht – also untergeht. Und nebenbei war hier auch das Fallgitter befestigt, das die Kirche vor dem „Stefansfreithof“ schützte.

Fakt ist, dass, wenn man durch das Tor Richtung Altar geht, man genau gegen Osten – also ins Jenseits – geht, wenn man wieder hinausgeht, exakt in Richtung Westen – also „in die Welt zurück“.

Die drei Zonen der Westfassade

Die Westfassade gliedert sich in drei Zonen, eine himmlische, eine rituelle und eine menschliche:

Die himmlische Zone

Ganz oben (in der Mitte) ist die himmlische Zone. Dort steht der Heilige Stephanus, der im 1. Jahrhundert nach Christus gesteinigt wurde, deshalb hält er einen Stein in der Hand. Daneben der heilige Laurentius. Er hat einen Rost in der Hand, weil er verbrannt wurde. Auf der anderen Seite steht der Erzengel Michael. Er drückt Luzifer zu Boden, der nach Westen blickt. Im Mittelalter war man der Meinung, dass aus dem Westen das Böse kommt, weil dort die Sonne untergeht. Deshalb glaubten die Leute, die Kirchen würden vom Westen aus von den Mächten der Finsternis (Dunkelheit) angegriffen. So versuchte man, die bösen Geister ebenso durch Bilder von Dämonen und Bestien zu vertreiben. Nichts Teuflisches und Böses sollte in die Kirche kommen.

Das kann man in der untersten Zone erkennen. In den großen gotischen Radfenstern, den "Dämonenfallen" sollten sich die „wilden Gesellen“ verhängen und aufgehalten werden.

Phallus und Vagina, Jachin und Boas

Phallus ....
... und Vagina

Die Westfassade war bis ins 18. Jahrhundert schillernd bunt bemalt. Durch das Riesentor durften früher nur Adelige und Kirchenmänner eintreten, für das gewöhnliche Volk waren die Seiteneingänge gedacht.

Darunter sieht man zwei Rundstäbe mit den menschlichen Geschlechtsorganen: Vagina (rechts) und Phallus (links), das ist außergewöhnlich für eine Kirche. Diesen Fruchtbarkeitssymbolen (aus der heidnischen Zeit) wurde große Abwehrkraft zugeschrieben. Die Kirche meint dazu, es seien Abschreckungen für Dämonen und das Böse – da diese selbst geschlechtslos seien, würden sie beim Anblick das Weite suchen. Auffällig ist auch, dass die beiden Säulen „vertauscht“ sind, denn links ist die Seite der Frau (Sitzordnung in der Kirche) und rechts die des Mannes.

Hier könnte man einen Anknüpfungspunkt zu dem Salomonischen Tempel, der das Heiligste der Freimaurerei darstellt, herstellen. Der Eingang zum Salomonischen Tempel ist von zwei Säulen umgeben, Jachin und Boas. Die linke Säule, Jachin, symbolisiert das Männliche, das aktive Prinzip oder auch die Sonne. Die rechte Säule, Boas, repräsentiert das Weibliche, Passive oder auch den Mond.

Der Dornauszieher

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Der Dornauszieher

Über dem Tor, in einer Nische, ist eine romanische Figur mit übereinander geschlagenen Beinen zu sehen. Kunsthistoriker meinen, es handle sich dabei um die Darstellung eines Richters, und nicht eines Menschen, der sich einen Dorn aus der Fußsohle zöge - dennoch ist er im Wiener Volksmund als "Dornauszieher" bekannt.

Geheime Rituale?

Jesus, der Weltenrichter, die Hand am Knie haltend

Die dritte Reihe zeigt die Welt der Menschen. Viele Familienmitglieder der Babenberger und Habsburger, die den Kirchenbau unterstützt hatten, sind hier zu erkennen.

Jesus sitzt als Weltenrichter in der Lichthülle, umgeben von Engeln. Seine rechte Hand segnet. Links hält er das Buch des Lebens. Sein Knie ist nackt: es ist ein antikes Majestätsmotiv, zugleich aber auch ein geheimes Erkennungszeichen der Baumeister und Architekten (Bauhütten: „Arkandisziplin“ – Geheimhaltung um erworbene Erkenntnisse). Sie haben sich begrüßt indem sie ihre Hände auf den Puls des andern gelegt und die linken Kniescheiben aneinander gerieben haben (ein erster Kräfteaustausch). Daneben sitzen Apostel und Evangelisten mit Büchern und Schriftrollen. Unter dieser menschlichen friedlichen Zone regiert der Streit: Der Teufel fängt einen Narren mit der Schlinge, ein Brudermord und eigenartige Wesen. Aber es gibt keinen Sieg und keine Entscheidungen, alles ist offen.

Die Wasserspeier an der äußeren Fassade sind Regenrinnen.

Katharina von Böhmen
Rudolf der Stifter

An den Eckpfeilern - neben den Dämonenfallen - sind die Statuen der Gründer des Doms zu sehen: an der nördlichen Außenkante Katharina von Böhmen, Gemahlin des Rudolf; an der rechten Außenkante Rudolf der Stifter.

Die Fensterguckerin

Die Festerguckerin. Aus: Unser Stephansdom, Nr. 87, März 2010 [1]

Erst vor kurzem entdeckt wurde die „Fensterguckerin“. Sie befindet sich am Rande der Grundsteine und ist von einem Vogel Greif verdeckt – in Wahrheit ist hier der Kopf einer römischen Statue, die Teil einer Grabstelle gewesen sein muss, eingemauert worden. Es wird vermutet, dass hier die symbolische Aussage getroffen wird: „Das Christentum hat das Heidentum besiegt“, auch die Einstellung der Kirche zu Frauen könnte hier gemeint sein (der Greif steht für die dominierende Männlichkeit).

Maßeinheiten, Symbole und Legenden

Die Rundung oberhalb der Ellen wurde als Maß für Brotlaibe überliefert. Brot zählte früher zu den Hauptnahrungsmitteln. Dementsprechend waren die Qualität und vor allem die Größe der Brotlaibe sehr wichtig. So hatten die Wiener die Möglichkeit, hier am Kreis die Größe des Brotlaibes nachzumessen.

DAS BÄCKERSCHUPFEN

Wurde ein Bäcker des Betruges überführt, drohte ihm eine strenge Strafe: Das Bäckerschupfen. Dabei wurde der Beschuldigte in einen hölzernen Käfig gesteckt und mittels eines Hebels in die Donau (bei der Rossau) getaucht, und das meistens gleich mehrmals.
"Lustig" war dies nur für die schadenfrohen Zuschauer, sie hatten Gelegenheit, ihrer derben Spottlust freien Lauf zu lassen. Seit dem 13. Jahrhundert bestand diese harte Bestrafung (1550 kam es sogar zu einem Todesfall), sie wurde auch am Neuen Markt und am Graben vollzogen. Der Sohn von Kaiserin Maria Theresia, Kaiser Josef II., schaffte das Bäckerschupfen ab, das letzte Mal fand es 1773 statt. Mehr dazu findet man auch auf der Seite Methoden der Bestrafungen und Urteilsfolgen.

Das Messen des Brotlaibs am Portal der Stephanskirche ist jedoch nur eine Legende. In Wirklichkeit handelt es sich um eine kreisrunde Einfurchung, verursacht durch einen einst hier montierten Mauerhaken (das gleiche kreisrunde Gebilde befindet sich auf der anderen Seite des Tores). Bis ins Jahr 1880 wurde der Haupteingang mit einem Rokokogitter verschlossen. Dieses war an der Außenseite des Portalvorbaus befestigt, die Angeln sind an der Mauer gut erkennbar. Um die Gitterteile im geöffneten Zustand zu fixieren, war links und rechts ein Haken angebracht. Wenn man sich ausrechnet, wie oft diese Haken betätigt wurden, kann man sich leicht vorstellen, wie sich die Kreise im Laufe der Jahre in die Mauer eingeritzt haben.

Auch dazu gibt es eine nette Legende:

Die Sage Der steinerne Brotlaib
Eiserne Masse Stephansdom Wien 1010.JPG

Es gab in Wien eine hochmütige reiche Frau, die sich weigerte, ihren Reichtum mit den Armen zu teilen. Täglich kaufte sie frisches Brot am Markt vor dem Steffl.

Eines Tages holte sie das Brot daheim heraus und es war zu Stein geworden. Dies passierte einige Male, bis die Frau ihre Habgier bereute und zur Buße zum Steffl ging. Ab sofort ging sie täglich ein Jahr lang morgens zum Riesentor, und half dem Mesner, das große Tor zu öffnen, in dem sie die Torflügel an einem eisernen Haken befestigte.

Eines Tages bemerkte sie, dass dort, wo sie den Haken betätigte, ein kreisrundes Loch in Form eines Brotlaibes entstanden war. Dies nahm sie als Zeichen, dass sie ihre Sünden nun abgebüßt hatte, ging fröhlich nach Hause, und teilte fortan ihren Reichtum mit den Armen der Stadt.

Links neben dem Riesentor sehen wir außen zwei in die Wand eingelassene Eisenstäbe: die große Elle (= Wiener Elle 77,8 cm, auch österreichische Tuchelle) und die kleine Elle (=Brabanter Elle 69,5 cm, auch Leinenelle). Die Tuchelle war bis 1875 – zur Einführung des metrischen Systems – gültig. Die flandrischen Tuchhändler erhielten bereits um 1200 ein Handelsprivileg in Wien, mehr dazu unter Tuchlauben. Hier konnte man die Stofflängen nachmessen.

Rechts vom Riesentor ist das Zeichen O5 in die Mauer eingeritzt. O5 war das Zeichen des österreichischen Widerstandes – genauer gesagt des „Provisorischen Österr. Nationalkomitees“, das 1945 mit den nahenden Besatzungsmächten Kontakt zur Befreiung aufgenommen hatte. Die 5 steht als fünfter Buchstabe des Alphabets für das E – womit sich OE für Österreich ergibt. Dieses Symbol war auch im Film „Der Dritte Mann“ zu sehen – bei der Verfolgungsjagd in der Kanalisation sah man es auf einer der Wände.

O5, ein Zeichen des Widerstands

In der Nähe des Zeichens O5 befindet sich am linken Pfeiler des mittleren Riesentorbogens ein Kontrollzeichen der russischen Armee – als Hinweis, dass das Gebäude ohne deutsche Soldaten sei.

Heidentürme

Die Heidentürme

Die Türme heißen so, weil sie aus römischen Steinen von Stadtmauerresten und römischen Grabsteinen erbaut wurden (heidnisch). Sie gehören zu den ältesten erhaltenen Teilen des spätromanischen Doms und überragen das Langschiff mit 65,6 Metern deutlich.

In den Heidentürmen befinden sich Kapellen, im nördlichen befinden sich zwei – die Prinz-Eugen-Kapelle und darüber die Schatzkammerkapelle. In ihr ist der Reliquienschatz des Domes aufbewahrt. Im südlichen Heidenturm sind ebenfalls zwei Kapellen untergebracht: Die Eligiuskapelle und darüber die Batholomäuskapelle.

Früher waren in beiden Türmen auch Glocken, die teilweise beim Brand 1945 zerstört wurden. Die Größte war die „Halbpummerin“, die vor dem Guss der Pummerin bis 1711 die größte Glocke des Doms war.

Heute noch sind im nördlichen Heidenturm 5 Glocken untergebracht:

  • Die Feuerin – wurde bei Brand geläutet
  • Die Kantorin – rief die Kantoren zum Gottesdienst
  • Die Bieringerin – befahl den Wirten, das letzte Mal vor Sperrstunde Bier zu zapfen, und läutet heute noch um 22 Uhr – ausschließlich beim Kirtag.
  • Die Churpötsch – zur Rosenkranzandacht und
  • Die Fehringerin – deren Bedeutung heute unklar ist.

Ursprünglich begrenzten die beiden Türme die romanische Basilika, als jedoch die gotischen Kapellen die Gesamtkonstruktion verbreiterten, rückten die Türme optisch in die Mitte. Beim Brand 1258 wurden sie vermutlich beschädigt und wieder aufgebaut, daraus ist eventuell auch das ungleiche Aussehen im oberen Teil zurück zu führen.



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Quellen