Wallnerstraße 8

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Grund-Information
Palais Caprara-Geymueller panoramic.jpg

Wallnerstraße 8

Aliasadressen =Wallnerstraße 8
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1862: 272 | vor 1821: 283 | vor 1795: 154
Baujahr 1698
Architekt Domenico Egidio Rossi, Domenico Martinelli


Das Palais Caprara-Geymüller - Architektur und Geschichte

Informationen folgen in Kürze


Geymüllerpalais (1, Wallnerstraße 8). Der Feldmarschallleutnant und Vizepräsident des Hofkriegsrats Enea Silvio Graf Caprara (Neffe des Ottavio Piccolomini Caprara, Vetter des Grafen Montecuccoli) ließ 1698 an der Stelle des alten Gebäudes, das dem Jesuitenpater M. Codella, Rektor der St.-Anna-Schule, gehört hatte, vermutlich von Domenico Egidio Rossi ein Palais erbauen, in dem bald viele angesehene Gäste empfangen wurden.

Anfang 18. Jahrhundert kam es zu baulichen Veränderungen (unter anderem Hinzufügung eines Portals mit Atlanten). Im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts war in diesem Haus einige Zeit die Spanische Hofkanzlei untergebracht. Dann kam es in Fürstlich-Liechtensteinischen Besitz und 1797 in den des Barons Wimmer, von dem es 1798 Johann Bernadotte (der nachmalige König von Schweden und Norwegen) als Gesandter der französischen Republik mietete. In diese Zeit fällt der sogenannte Fahnentumult (Fahnengasse), als Bernadotte anlässlich eines Fests die Trikolore hisste.

Noch im selben Jahr verkaufte Wimmer das Palais an die angesehenen Bankiers Johann Heinrich und Johann Jakob Geymüller, die das Innere im Empirestil erneuern ließen. Im Geymüllerschen Salon trafen sich Künstler, Politiker und Wissenschafter des vormärzlichen Wien. Im Winter 1820/1821 lernte hier Franz Grillparzer Kathi Fröhlich kennen (ihre Schwester Anna war die Musiklehrerin der Töchter des Hauses Geymüller). Das Palais wurde 1897 von Ludwig Freiherr von Pouthon angekauft und 1905 vom Land Niederösterreich erworben, das dort Landesämter und das Niederösterreichische Landesmuseum (eröffnet 18. Dezember 1911, seit 15. Oktober 1924 in dem 1922 vom Land Niederösterreich angekauften Clary-Mollard-Palais, 1, Herrengasse 9; Übersiedlung nach St. Pölten beschlossen) unterbrachte.

Das Niederösterreichische Landesmuseum war von seiner Eröffnung (1911) bis 1922 im Geymüllerpalais (1, Wallnerstraße 8) untergebracht. Ab April 1923 übersiedelte das Museum mit seinen Beständen ins ehemalige Clary-Mollard-Palais (1, Herrengasse 9) und wurde (nach Abschluss der Renovierung) 1924 wiedereröffnet. Die Übersiedlung in einen Neubau in der neuen niederösterreichischen Landeshauptstadt St. Pölten ist beschlossen. 1947-1950 wurde das vierte Geschoß aufgestockt. Die Freskengalerie (17. Jahrhundert) und die Prunkräume (1760) wurden in der ursprünglichen Gestalt wiederhergestellt.

Heute ist hier Sitz der Wiener Börse AG.[1]

Im 14. Jahrhundert stand hier das Haus der Herren von Losenstein, den Herren der Schallaburg südöstlich von Melk. Bis 1558 blieb das Haus im Besitz dieses Geschlechtes. 1687 erwarb das Haus Aeneas Graf von Caprara. Er errichtete an dieser Stelle den heutigen Palastbau (siehe Caprarapalais). Auf einem Stich von Salomon Kleiner um 1729 wird das Gebäude als „Spanische Cantzley in der Wallnerstraßen“ bezeichnet. Graf von Caprara entstammte einem italienischen Adelsgeschlecht. 1785 erwarb das Palais Fürst Karl von und zu Liechtenstein. Nach dem Tod des Fürsten verkaufte man das Palais 1797 dem Oberstleutnant Jakob von Wimmer, von dem es dann Bernadotte (der nachmalige König von Schweden) als Gesandter der französischen Republik 1798 mietete. Bernadottes Verhalten erregte unter der Wiener Bevölkerung Anstoss. Ein Grund hierfür war unter anderem die Veranstaltung eines Festes nach 7 Uhr abends, bei welcher eine große dreifarbige Fahne vom Balkon des Hauses tief in die Straße hing. Die Bevölkerung Wiens fühlte sich durch diesen Akt in ihrem Patriotismus verpönt. Es kam zu einem Tumult, wobei ein Mann die Fahne abriss und zur Hauptwache in Burg brachte. Die Meute stürmte daraufhin das Palais und konnte nur mit Mühe abgehalten werden in die Wohnung des Botschafters einzudringen. Bernadotte verließ am 15. April Wien. Damals glaubte man, dass die Franzosen diesen Skandal absichtlich herbeigeführt haben, um die Ausführungen des Friedens von Campo Formio (17. Oktober 1797) zu hintertreiben und Grund zum neuen Bruch zu haben.

1798 verkaufte Baron Wimmer sein Palais an die angesehenen Bankiers Johann Heinrich und Jakob Geymüller. In ihrem Gasthaus versammelte sich in Wien damals alles was Rang und Namen hatte. Im Palais Geymüller begegnete Grillparzer zum ersten Mal Kathi Fröhlich. Unter dem Neffen Geymüllers folgte der tiefe Absturz des „Hauses“. Er gab sich einer wahren Verschwendungssucht hin. Seine Frau Rosalie galt zudem auch als eine der damals verschwenderischsten Frauen Wiens im Jahr 1834. Zehn Jahre später stellte das Bankhaus Geymüller seine Zahlungen ein und musste liquidieren. Johann Heinrich Geymüller-Falkner starb 1848 „im Elend“.

Mit Kaufvertrag wurde das Haus 1922 von der Anglo Austrian Bank Limited erworben.

17. bis 18. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1687 kaufte der aus einer Bologneser Familie stammende Generalfeldmarschall Enea Silvio Graf von Caprara ein Haus an der Wallnerstraße, doch er ließ es sehr bald abreißen. Elf Jahre später, im Auftrag des Grafen von Caprara, errichtete der ebenfalls aus Bologna stammende Architekt Domenico Egidio Rossi das Palais Caprara. Er orientierte sich bei der Planung an der damals in Italien üblichen Palastarchitektur. Für das Hauptportal, Gesimse, Stufen und andere Bauteile wurde harter Kaiserstein aus dem Kaiserlichen Steinbruch verwendet.

Anfang des 18. Jahrhunderts wurden bauliche Veränderungen vorgenommen, so wurden beispielsweise die zwei Atlas-Statuen aus Eggenburger Stein am Eingangstor hinzugefügt. Daraufhin blieb das Palais fast 100 Jahre im Besitz der Familie Caprara, bis es 1796 von Carl Fürst von Liechtenstein gekauft wurde. Ein Jahr später ging es in den Besitz von Baron Wimmer über, bevor 1798 der französische Gesandte Jean Baptiste Bernadotte, später König von Schweden, das Palais mietete. Da er aber am 13. April bei einem Fest die Trikolore hisste, musste er noch im selben Jahr das Land verlassen, da es zu Aufständen unter dem Volk kam.

Ende 1798 kauften Johann Heinrich und Johann Jakob Geymüller das Gebäude das von nun an Palais Caprara-Geymüller heißen sollte. Johann Jakob Geymüller war ein reicher Fabrikant und Bankier und ihm gehörte unter anderem auch das sogenannte Geymüllerschlössel in Pötzleinsdorf. Die Brüder Geymüller ließen die Innenräume des Palais im Empirestil neu gestalten.

19. Jahrhundert bis heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem finanziellen Ruin des Bankhauses Geymüller wurde das Gebäude unter anderem 1897 an die Freiherren Pouthon und 1905 an das Land Niederösterreich verkauft, das es ab Anfang 1912 als Landesmuseum nutzte.[1] Neben privaten Eigentümern hatte im Palais Caprara-Geymüller auch die Konsularabteilung der Britischen Botschaft ihren Sitz. Nach einer Generalsanierung unter der Federführung des Architekten Alois Machatschek von 1986 bis 1988 durch den heutigen Eigentümer, eine Immobiliengesellschaft, wurde das Haus bis zum Jahr 2000 als Domizil der Syrischen Botschaft genutzt. Seit 2001 haben die Wiener Börse und nahestehende Gesellschaften hier ihren Sitz, unter anderem seit April 2007 die Bronner Online AG. Im Oktober 2007 zog die österreichische Niederlassung von Thomson Financial in das Gebäude.

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da das Palais Caprara-Geymüller eine eher untypische Bauweise für das barocke Wien hat, fanden die Wiener anfangs wenig Gefallen daran, jedoch wurden sie bald beeindruckt von dem wuchtigen Bau der sich ohne Probleme in das Stadtbild einfügte. Die Fassade besteht aus einem fünfachsigen Mittelrisalit und je einem zweiachsigen Seitenrisalit. Die horizontale Fassadengliederung erfolgt durch Simse über den Stockwerken. Zusätzlich sind die Fenster der Beletage abwechselnd mit Dreiecksgiebeln und Rundbögen geschmückt. Repräsentativ für die italienische Palastarchitektur ist die strenge Gliederung der Stockwerke. Das Eingangstor wird von zwei Atlanten begrenzt, welche den darüber liegenden Balkon tragen. Die Eingangshalle ist eine quergelegte weite Säulenhalle, von der man über eine dreiarmige Treppe in das erste Geschoß gelangt. Die Wände des jetzt unterteilten Festsaales der früher über die ganze Länge des Gebäudes reichte, waren fast vollständig mit Architekturmalereien bedeckt die nach einer Restaurierung zum Vorschein kamen. Von der qualitativ hochwertigen Empire-Ausstattung blieben nur zwei Räume erhalten: Der Geymüller-Salon und das Pompejanische Zimmer, das sich heute allerdings im Wien Museum befindet.

Wohnhaus bekannter Persönlichkeiten

Wohnhaus des Jean Baptiste Bernadotte

Für die kurze Zeit zwischen 13.2.1797 und 15.4.1798 wohnte in dem Haus der französische Gesandte und spätere König von Schweden, Jean Baptiste Bernadotte (* 26. Jänner 1763 Pau, Frankreich, † 8. März 1844 Stockholm). Er hatte den Fahnentumult ausgelöst, nach dem die Fahnengasse benannt ist. Der große Tumult, den das Hissen der verhassten französischen Trikolore am 13.4. ausgelöst hatte, veranlasste den Diplomaten, zwei Tage später Wien zu verlassen. 1809 nahm er an Seiten Napoleons an der Schlacht bei Wagram teil.

Ab 1818 war Bernadotte König von Schweden (Karl XIV. Johann).

Aeneas Silvius Graf Caprara, * 1631 Bologna, † 3. Februar 1701 Wien (1, Wallnerstraße 8), Feldmarschall, Mitglied des Hofkriegsrats, Rivale des Prinzen Eugen; erbaute sich 1698 ein Palais in der Wallnerstraße 8 (Caprarapalais), das 1798 von den Bankiers Johann Heinrich und Jakob Geymüller erworben wurde

Wohn- und Sterbehaus des Bankiers Johann Jakob Geymüller

Geymüller Johann Jakob (31. März 1824 Freiherr von), * 6. September 1760 Basel, † 10. Mai 1834 Wien 1, Wallnerstraße 8 (Friedhof Hollenburg, Gruft), Bankier, Gattin Clara Forgaten (auch Fürgang, Vorgang; * 1773 als Tochter eines k. k. Beamten in Graz, † 14. Oktober 1857), Sohn des Hanns Rudolf Geymüller ( † 1771) und dessen Gattin Gertrude Schaub, Bruder des Johann Heinrich Geymüller der Ältere. Nachdem Johann Heinrich in Wien Mitchef des Bankhauses Peter Ochs geworden war, rief dieser Johann Jakob 1781 nach Wien 1808 überließ ihm seine Schwägerin Barbara die Liegenschaft 19, Khevenhüllerstraße 2, die er durch den Ankauf angrenzender Hausgründe, Gärten und Nebengebäude vergrößerte und auf ihr bald darauf eine Villa erbauen ließ (Geymüller-Schlössel).

Grillparzer lernt Kathi Fröhlich kennen

1820 lernte Franz Grillparzer in diesen Haus seine "ewige Braut" Kathi Fröhlich kennen. Kathi war hier als Klavierlehrerin der Geymüllerschen Tochter engagiert.



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Quellen