Naturkatastrophen und Epidemien

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THEMA: NATURKATASTROPHEN UND EPIDEMIEN was ist hier zu finden
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Wien war vor allem im Mittelalter von Katastrophen geschüttelt. Überschwemmungen und Brände waren so häufig, dass sie hier nicht erwähnt werden. Eine Auswahl davon, die zwischen dem 12. und dem 15. Jahrhundert dazu geführt hatte, dass Wien zu einer unsicheren Stadt wurde (Überfälle am Tag, Verschuldung der Bürger) findet sich hier.


Katastrophen im Mittelalter

Vom 12. bis ins 15. Jahrhundert finden sich in Wien folgende Katastrophen:

Katastrophe Jahr
Epidemie 1187
Mißernte 1194
Mißernte 1195
Epidemie 1195
Mißernte 1196
Epidemie 1196
Mißernte 1197
Epidemie 1197
Erdbeben 1267
Epidemie 1270
Epidemie 1285
Mißernte 1302
Mißernte 1304
Mißernte 1310
Mißernte 1311
Mißernte 1312
Mißernte 1317
Mißernte 1338
Heuschreckenplage 1338
Mißernte 1343
Erdbeben 1348
Erdbeben 1356
Epidemie 1359
Epidemie 1370
Mißernte 1392
Epidemie 1399
Pest 1399
Epidemie 1400
Epidemie 1410
Epidemie 1411
Epidemie 1419
Epidemie 1425
Epidemie 1428
Hungersnot 1459
Hungersnot 1473
Heuschreckenplage 1473
Hungersnot 1486

Die Heuschreckenplage 1338

Unter der Regierung von Albrecht dem Lahmen, im Jahr 1338, wurde Wien von einer Heuschreckenplage heimgesucht, die in die Geschichte eingegangen ist. Wahrscheinlich war das Umland noch schlimmer betroffen, wie eine Legende erzählt. Kaiser Karl IV, Markgraf von Mähren, war gerade auf der Reise zu Herzog Otto IV. (dem Fröhlichen), als er in der Früh von einem seiner Diener geweckt wurde: "Steh auf, oh Herr! Der jüngste Tag ist da, die Heuschrecken kommen über die Welt!" Der Fürst und sein Gefolge sattelten sofort ihre Pferde und sahen den endlosen langen, übel riechenden Zug der Heuschrecken. Der Schwarm vernichtete die ganze Ernte, das Gras und das Laub, nur die Weingärten blieben verschont. Ein besonders tapferer Ritter ritt aus, um sich gegen die Plage zu wehren, tollkühn warf er sich zwischen die unendlich vielen Feinde. Am nächsten Morgen fand man sein Pferd und ihn als Gerippe wieder. [1]

Unglücksfälle im 16. Jahrhundert

Im 16. Jahrhundert war Wien besonders geplagt. Erst belagerten die Türken die Stadt, danach starben die Einwohner an der Pest und mussten Erdbeben miterleben.

Die Pestepidemien

Die erste große Pest-Epidemie herrschte in Europa zwischen 1348 und 1352, Wien war mit seinen schmalen Gassen, engen Häusern und der mangelnden Hygiene ein williges Opfer.

Mathias Fuhrmann beschreibt die Pestepidemie des Jahres 1541 so:

"Obschon in Wien die Furcht wegen des Türken zu vergehen anfing, weil Solimannus sich allein nur in Hungarn herum tummelte, und Ofen einnahm, so kam doch ein anderes Übel Anno 1541 über Wien und Österreich, nämlich ein(e) allergrausamste Pestilenz, welche gleichwie in ganz Österreich, also auch in der Stadt Wien, den dritten Teil der Einwohner hingerissen. Sie machte den Anfang im Monat Juni und dauerte hinaus bis Lichtmess 1542, welcher wehrender ganzer Zeit die Schulen auf hiesiger Universität versperrt gewesen." [2]

Auch im August 1570 und im Jahr 1586 befielen neue Pestepidemien die Stadt, wieder sperrte man alle Schulen.

Über das Pestjahr 1679 schildert Abraham a Santa Clara seine Eindrücke in einem Gedicht (Wien im Pestjahr 1679). Zur Beseitigung der Leichen außerhalb der Stadt beauftragte man vorzeitig entlassene Häftlinge. Sie wurden in Massengräbern verscharrt.

Der Arzt Paul Sorbait (1621-1697) verfasste in dieser schweren Zeit eine "Pest-Ordnung". Er beschrieb hier die Symptome genau nieder: "mit Beulen, Drüsen, Dippel-Zeichen oder mit Carfunkeln, braunen und schwarzen Flecken und Kohl, Zündt Blättern, hingerafft mit großer inwendiger Hitz". Sorbait erkannte rasch, dass die mangelnde Hygiene mit verursachend für die Ausbreitung der Seuche war, fand jedoch kaum Gehör. In der Pest-Ordnung schrieb er trotzdem Folgendes vor: "So ist unserer ernstlicher Befehl, dass Erstens kein Blut, Eingeweide, Köpfe und Beiner von dem abgetöteten Vieh, noch auf Kraut-Blätter, krebs, Schnecken, Eierschallen oder anderen Unflat auf denen Gassen und Plätzen ausgegossen: Ingleichen keine todte Hund, Katzen oder Geflügel auf die Gassen geworfen, sondern ein und anders vor die Stadt hinausgetragen werden."[3]

Da erstmals auch der Adel von der Seuche betroffen war, setzte die Flucht aus der Stadt ein. Auch der Kaiser, Leopold I., floh zunächst nach Prag, dann nach Linz, gelobte jedoch seinem zurückgebliebenen Volk eine Pestsäule zu errichten, wenn die Not überstanden sei. Noch 1679 wurde die Säule aus Holz aufgestellt, 1693 ersetzte man diese mit der noch heute sichtbaren barocken Pestsäule am Graben.

Die Erdbeben 1560 und 1590

Am 13. Dezember 1560 erschreckte ein Erdbeben die Wiener. Am selben Tag tobte auch ein Unwetter mit Donner und Wetterleuchten, ein Blitz schlug in den Turm des Stephansdoms ein. Der Himmel erschien an diesem Tag feuerrot, als ob er brennen würde. [4]

1590 war für Wien ein besonders schweres Jahr, es war durch große Feuer und ein Erdbeben schwer beschädigt worden. Schon das Feuer am 23. April des Jahres, das von Seiten des Stubentors kam, legte fast die ganze Stadt ein Asche. Noch schlimmer wurde es jedoch am 15. September. Um fünf Uhr Nachmittags begannen die Beben und verstärkten sich bis Mitternacht. Das Wirtshaus "Zur goldenen Sonne" stürzte in sich zusammen und begrub elf Menschen unter sich, kirchentürme stürzten in sich zusammen und der Nordturm des Stephansdoms neigte sich bedrohlich. Vor den Stadttoren verbreitete sich ein fürchterlicher Gestank - das gesamte Erdreich war mit schwarzen toten Heuschrecken übersät. [5]



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Quellen

  1. A. Realis: Curiositaten und Memorabilien-Lexicon von Wien, II. Band, Anton Köhler Verlag, Wien, 1846. S. 32
  2. Mathias Fuhrmann, Walter Obermaier: Alt- und Neues Wien, Band 2, Promedia Druck- und Verlagsgesellschaft, 1739, Wien. S. 789
  3. Katharina Unterreiner: Medizin in Wien, Billroth&Co, Metroverlag, 2010, Wien, ISBN 978-3-99300-601-3, S. 20
  4. Mathias Fuhrmann, Walter Obermaier: Alt- und Neues Wien, Band 2, Promedia Druck- und Verlagsgesellschaft, 1739, Wien. S. 806
  5. Mathias Fuhrmann, Walter Obermaier: Alt- und Neues Wien, Band 2, Promedia Druck- und Verlagsgesellschaft, 1739, Wien. S. 818 ff