Erste Türkenbelagerung

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THEMA: Este Türkenbelagerung (1529) was ist hier zu finden
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Zwischen 27. September und 14 Oktober 1529 belagerten die Türken unter dem Kommando von Sultan Süleyman I. die blühende Stadt.




Abbildung: Erste Wiener Türkenbelagerung, zeitgenössische Darstellung von Bartholomäus Beham (1502-1540) (aus: WikiCommons)


Auslöser der Türkenbelagerung

Die Türken waren im 14. Jahrhundert über europäisches Territorium eingefallen. 1361 hatten sie die Schlacht bei Adrianopel (Edirne, später Hauptstadt des Osmanischen Reichs) gewonnen, 1371 die an der Mariza und 1389 auf dem Amselfeld (heutiger Kosovo), damit hatten sie große Teile der Balkanhalbinsel unterworfen. 1520 wählte der damals herrschende Sultan Süleyman das Königreich Ungarn als nächstes Ziel der Eroberung. Schon ein Jahr später war ihm die Eroberung Belgrads, damals Teil Ungarns, gelungen, fünf Jahre später siegte er in der Schlacht bei Mohàcs, bei der der ungarische König Ludwig II. fiel. Aufgrund eines Erbvertrages (und der Ehe mit der ungarisch-böhmischen Prinzessin Anna Jagiello) erhob nun der österreichische Erzherzog Ferdinand Ansprüche auf Böhmen und Ungarn. Um die österreichische Übernahme zu verhindern, wählte der ungarische Adel am 10.11.1526 Johann Zápolya aus Siebenbürgen zum neuen ungarischen König - am 16.12. ließ sich auch Ferdinand zum König Ungarns wählen. Zápolya stellte sich unter den Schutz der Osmanen und behielt so vorerst die Oberhand in der Regentschaft. Doch Sultan Süleyman hielt sich nicht an das Bündnis, 1529 marschierte er in Ungarn ein, setzte König Johann auf den Thron und machte Ungarn zu einem osmanischen Vasallenstaat. Durch diesen Erfolg beflügelt zogen die osmanischen Truppen nun über Pressburg nach Wien.

Ferdinand war zu dieser Zeit mit Kämpfen in Italien beschäftigt, denn eigentlich wollte er die Vorherrschaft in Europa erkämpfen. Seine Truppen waren daher nicht verfügbar. Zusätzlich führten Unruhen im Land (Philipp von Hessen versuchte, den Protestantismus auf die habsburgischen Länder auszuweiten) zu einer schwierigen Situation im Volk. Um also einem Kampf auszuweichen, versuchte er dem Sultan Friedensangebote zu unterbreiten und versprach regelmäßige Geschenke, wenn es sich der osmanische Herrscher anders überlegen würde. Am Reichstag zu Speyer konnte der Erzherzog seine Stände überreden, ihm Geld und Truppen zur Verteidigung gegen die Türken zu geben, seinem eigentlichen Ziel - nämlich der Rückeroberung Ungarns - wurde hier jedoch nicht zugestimmt. Vereinbart wurde, dass die Soldaten das Land verteidigen, nicht jedoch die Grenzen überschreiten.

Belagerung und Angriff

Am 23.September 1529 schließlich sah Wien in der Ferne den Anmarsch des riesigen osmanischen Heeres. 150.000 Türken umringten innerhalb von vier Tagen Wien, das durch die im 13. Jahrhundert erbauten Stadtmauern nicht so gut geschützt war, wie erforderlich gewesen wäre. Der Sultan selbst schlug sein Zelt in St. Marx auf, es soll so groß gewesen sein, dass es sich durch das ganze Dorf Simmering bis nach Ebersdorf erstreckt haben soll. Der riesigen osmanischen Heerschar mit 300 Kanonen standen nun 17.000 Wiener Soldaten mit 72 Kanonen unter der Führung des Pfalzgrafen Philipp von Baiern, der mit spanischen und deutschen Soldaten zu Hilfe geeilt war, gegenüber. Zwei Delegerierte, die von Süleyman mit einem Friedensangebot nach Wien geschickt wurden, um eine Kapitulation der Stadt anzubieten, wurden ins Lager der Türken zurückgeschickt. Damit war das weitere Schicksal besiegelt.

In Wien hatte alles dicht gemacht - es gab kein Glockengeläut mehr, Graf Salm hatte alle Stadttore (bis auf das unter dem Salzturm) zumauern lassen, und die 28 Schiffe der Donauflotte wurden verbrannt, damit sie den Feinden nicht in die Hände fielen und sie damit in die Stadt gelangen konnten. Um Brände zu verhindern, wurden die Holzdächer der Häuser abgetragen, die Vorräte und das Vieh aus den Vorstädten wurden eingesammelt, um einer Hungersnot vorzubeugen. Auch strategisch schlecht liegende Gebäude innerhalb der Ummauerung und in den Vorstädten wurden abgerissen und niedergebrannt, um den Türken keine Unterschlupfmöglichkeit zu bieten (eines davon war das Bürgerspital).

Die Türken griffen Wien nun mit ihren Kanonen an, da es sich aber nur um leichte Geschütze handelte, war der Erfolg nicht so groß wie erhofft. Trotzdem erlitten die Bauwerke, darunter der Turm der Kirche Maria Am Gestade, oder auch das Kloster An der Hülben und die Dominikanerkirche, erhebliche Schäden. Gleichzeitig gruben die Feinde unterirdische Stollen unter die Stadttore, um hier Minen zu legen - zur Ablenkung hagelten weiter Kanonenkugel auf Wien ein. Zum Glück hatte ein christlicher Überläufer der Osmanen die Wiener davor gewarnt. Rasch wurden nahe der Stadtmauern Wasserbottiche aufgestellt, die Erschütterungen von den Grabungsarbeiten mit kleinen Wellen anzeigten. Parallel gruben sich die Wiener den Türken entgegen - und wirklich stieß man dabei bald auf die osmanischen Minengräber (siehe dazu auch die Legende: Wo der Türke scheuzzt). Die beginnenden Kämpfe fanden nun unterirdisch statt, die Türken konnten dabei aber keine Feuerwaffen benutzen, da sie Fässer mit Sprengstoff mit sich trugen.

Am 12. Oktober gelang es den Türken endlich, ein großes Loch in die Stadtmauer zu sprengen (die "Sulaiman-Bresche"), doch die Wiener hielten einen Einmarsch ab. Dabei wurden 1.200 Türken getötet. Die Krisensitzung, die Süleyman an diesem Abend einberief, zeigte, dass es für die Belagerer schwierig sein würde: Sie hatten zu wenig Essen, da ihre eigenen Männer das Umland geplündert hatten, und die Wetterverhältnisse waren äußerst ungünstig.Man entschied sich daher für noch einen großen Angriff. Am 14. Oktober sprengten die feindlichen Heere das Kärntnertor, dabei passierte jedoch das Missgeschick, dass die Trümmer nach Außen - gegen die Türken - fielen, der Angriff wurde also erschwert, die Türken mussten sich wieder geschlagen geben.

Der Abzug

Der verwundete Graf Salm, mit Graf Roggendorf und seiner Tochter, die ihren Schal um den zerschmetterten Schenkel des Grafen bindet, um den Blutfluss zu stoppen [1]

In der Nacht zum 15. Oktober beschloss der Sultan aufzugeben, sofort zogen die Truppen ab und hinterließen alles, was sie beim Rückzug behinderte.

In Wien begannen nun wieder die Glocken zu läuten, im Stephansdom wurde das Te Deum gebetet, nur die zu spät eingetroffenen Söldner des Reichsheeres - 1600 Reiter, die bei Krems an der Donau hängen geblieben waren - rebellierten, denn sie wollten, obwohl sie nun nicht gekämpft hatten, ihren fünffachen Sturmsold. Friedrich konnte sie nach zwei Wochen Verhandlung zum Abzug und Annahme einer Abschlagszahlung bewegen. Der 70 jährige Graf Niklas Salm (siehe auch: Bräunerstraße 13), der am letzten Kampftag durch einen herabfallenden Stein des Kärntnertores am Oberschenkel schwer verletzt wurde, starb am 4. Mai 1530. Ferdinand stiftete ihm ein Renaissance-Grab, das heute in der Votivkirche aufgestellt ist (ehemals in der Dorotheerkirche).



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Quellen

  1. Anton Ziegler: Vaterländische Immortellen aus dem Gebiete der österreichischen Geschichte, der alten, mittleren, neuern und neuesten Zeit gesammelt, und mit einer höchst interessanten Bilderschau der merkwürdigsten Handlungen ausgezeichneter Personen, historischer Ereignisse, wohlthätiger Stiftungen, ehrwürdiger Denkmale, geschichtlicher Sagen und glaubwürdiger Legenden ausgestattet. A. Ziegler, Wien, 1840, S. 48