Bräunerstraße 13

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Grund-Information
Palais Pallavicini.jpg

Palais Pallavicini

Aliasadressen =Bräunerstraße 13, =Josefsplatz 5
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1862: 1155 | vor 1821: 1224 | vor 1795: 1129
Baujahr 1783
Architekt Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg


Das Palais Pallavicini - Architektur und Geschichte

Das Palais mit Aussicht auf den Bibliothekstrakt der Hofburg wurde 1783 statt dem Königinkloster errichtet. Bevor hier das Kloster errichtet wurde, befand sich an dieser Stelle (im 16. Jahrhundert) das Majoratshaus des Grafen Niklas Salm.

Graf Salm

Der Belgier Niklas Salm wurde 1459 in Niedersalm geboren und war ein Feldherr der Renaissance. Berühmtheit erlangte er vor allem bei der Verteidigung Wiens während der ersten Türkenbelagerung 1529.

Als jüngster Sohn des Grafen zu Salm, Baron von Viviers nahm er bereits mit 17 an seinem ersten Feldzug teil. Während der Türkenbelagerung 1529 war er einer der Befehlshaber, die die Stadt erfolgreich verteidigt hatten, er erhielt dafür die Grafschaft Neuburg (heute in der Gegend von Passau, damals im Heiligen römischen Reich gelegen).

Salm zog sich bei der Verteidigung Wiens durch einen herabfallenden Stein eine Verletzung zu, an der er letztendlich 1530 starb. Salm wurde in der Dorotheerkirche beigesetzt, die für ihn errichtete Tumba (Hochgrab) wurde von Kaiser Ferdinand I. gestiftet. Nach Auflösung der Kirche wurde das Grabmal in das Schloss der Familie Salm-Reifferscheidt in Rajec nad Svitavou verbracht, von wo es dann, auf Initiative des Wiener Altertumsvereins, nach Wien zurückgeholt wurde. 1878 wurde es, als Leihgabe der Familie, in der Rosenkranzkapelle der Votivkirche aufgestellt, wo es noch heute zu sehen ist.

Salms Statue in Ritterrüstung steht heute am Rathausplatz, verewigt wurde er auch in Wolfgang Hohlbeins Roman „Die Wiederkehr“ und durch die Benennung einer Straße im 3. Bezirk (Salmgasse).

Vom Kloster zum Palais

Das Haus wurde vom Bruder Salms, Hektor, 1559 an Kaiser Ferdinand I. verkauft, der es seinem Sohn Karl hinterließ. So kam es in den Besitz von Elisabeth (sie war seine Nichte), die hier ihr Kloster errichtete.

Nach der Auflassung des Klosters wurde das Areal aufgeteilt, ein Teil kam an den Bankier und Reichsgrafen Johann von Fries, der das Palais errichten ließ. Von Fries wählte als Architekt Hetzendorf von Hohenberg aus, der auch die Gloriette in Schönbrunn erbaut hatte. Das neue Palais war das erste in Wien, das eine rein klassizistische Hausfront hatte – die Wiener fanden das langweilig, immerhin war das Palais nahe zur Hofburg, eine schmuckvollere Fassade hätte mehr Anklang gefunden. Auch das Vorhaben, vor dem gesamten Palais Vasen aufzustellen, widerstrebte den Wienern, man bevorzugte die barocke Ausstattung und die Konzentration von Schmuck auf den Eingangsbereich. Die geplanten Vasen kamen daher stattdessen in den Park von Schloss Vöslau.

Von Fries und seine Söhne waren bedeutende Kunstförderer. Das Palais beherbergte 300 Gemälde, 100.000 Kupferstiche, eine Bibliothek mit 16.999 Büchern und eine Skulpturensammlung. In den Festsälen wurden Konzerte und Soireen abgehalten. Als das Bankhaus Fries in Finanzielle Probleme geriet, wurde die riesige Fries’sche Kunstsammlung versteigert. Das Palais kaufte 1828 der Freiherr Georg Simon von Sina, der es 1842 an Alphons Marchese Pallavicini weiterverkaufte. Seine Nachkommen bewohnen das Palais immer noch, einige der Wohnungen haben sie vermietet. Einer der Mieter ist der Wiener Rennverein, er hat hier seinen Sitz.

1873 wurde das Gebäude innen umgestaltet, Alexander Pallavicini ließ die Treppenhäuser mit Kaiserstein ausstatten und gestaltete alles im Stil des Historismus. Um die Aufregung um das schmucklose Haus zu vermindern, ließ der Bauherr das Portal etwas mehr ausschmücken, er engagierte den Bildhauer Franz Anton von Zauner, der mehrere Attikafiguren und ein Karyatidenportal anbrachte.

Berühmtheit erlangte das Palais, als der Film „Der dritte Mann“ gedreht wurde: Im Film war es das Wohnhaus von Harry Lime.

Im ehemaligen Pferdestall des Palais ist heute der Sitz der Tanzschule Elmayer.

Tanzschule Elmayer

Die Tanzschule wurde am 19.11.1919 in den ehemaligen Pferdeställen vom k.k. Rittmeister Willibald „Willy“ Elmayer (27.5.1885-7.11.1966) eröffnet. Willy Elmayer war Absolvent der Theresianischen Militärakademie (daher finden die Tanzkurse der MilAk heute noch hier statt) und rückte im Ersten Weltkrieg als Mitglied des Dragonerregiments aus. In der Zwischenkriegszeit war er der Adjutant von Theodor Körner, der damals noch Oberst des Generalstabskorps war, im Zweiten Weltkrieg kämpfte er in der Wehrmacht. 1944 wurde er als Oberstleutnant pensioniert und konzentrierte sich auf die Leitung der Tanzschule mit dem Schwerpunkt auf gutes Benehmen. Sein Buch „Früh übt sich… Gutes Benehmen wieder gefragt“ verkaufte sich mit mehreren 100.000 Exemplaren. Nach dem Tod von Willy Elmayer übernahmen Nora und Diether Schäfer-Elmayer, mit Unterstützung durch den Direktor Robert Hysek, bis 1987 der Adoptivenkel Thomas die Leitung übernahm.

Seit 1993 ist Rudi Peschek als Direktor eingesetzt.

Der Elmayer ist die letzte Tanzschule in Wien, in der die Herren noch verpflichtend Zwirnhandschuhe und Sakko tragen müssen, Hosen sind bei Damen noch immer nicht erlaubt.

Sitz TSC Schwarz-Gold-Wien

Sitz von einem der 19 Wiener Tanzsport-Verbände, nämlich des TSC Schwarz-Gold-Wien.


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