Kurrentgasse 1

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Grund-Information
WienPalaisObizzi.jpg

Palais Obizzi, Uhrenmuseum

Aliasadressen =Kurrentgasse 1, =Schulhof 2
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1862: 415 | vor 1821: 448 | vor 1795: 243
Baujahr 1547/1690
Architekt unbekannt


Das Haus - Architektur und Geschichte

Das Palais von Seite des Schulhofs

Auf dem Areal war bis 1421 der Judengarten, der nach der Vertreibung des Volkes am die Karmeliter überging, die daraus einen Friedhof machten. 1554 ging das Areal an die Jesuiten über, denen auch die Kirche gehörte. Ein Teil des Gebiets dürfte schon damals verbaut gewesen sein, denn 1547 ist ein Gebäude nachweisbar, das mit Bäckern besiedelt war.

1587 scheint als Besitz der Krämer Hans Andre auf, der das ebenerdige Haus aufstockte. 1642 ist die Nutzung durch die Jesuiten dokumentiert, 1664 ein Besitzer namens Valentin Fux. 20 Jahre später fällt der Besitz an die Gräfin Maria Cäcilia Starhemberg, zeitgleich wird auch erwähnt, dass hier der Sitz des Oberstleutnants Heinrich Balfour gewesen sein dürfte, der dem „Gesindel“ auflauerte, um es für die Truppenbildung zu Bekämpfung der Türken (2. Türkenbelagerung, 1683) zu rekrutieren.

Palais Obizzi

Das Palais 1923, gemalt von Carl Wenzel Zajicek

Um 1690 war Ferdinand Marchese de Obizzi der Hausbesitzer. Nach ihm wurde das Haus auch benannt. Obizzi war Feldmarschall und Kommandant der Stadtguardia, man schreibt ihm den Aufbau des dritten Stockes des Hauses zu. Er ließ das Haus auch durch barocke Schneckenrollen verzieren.

Ab dem 18. Jahrhundert sind zahlreiche Besitzerwechsel nachzuvollziehen, darunter waren Handschuhmacher (Johann Georg Hoffinger), Universitätsbuchhändler (Augustin Bernhard), die Grafen Marzani und der Händler Franz Malzer, bis das Palais 1901 von der Gemeinde gekauft wurde. Diese hatte es erworben, damit es zur Verkehrsfreimachung abgerissen werden könne, offensichtlich entschied man sich jedoch anders.

Am 4.5.1917 wurde es als Standort für die Unterbringung der Uhrensammlung von Rudolf Kaftan bestimmt, das Uhrenmuseum war gegründet worden.

Museum

Das Uhrenmuseum

Das Uhrenmuseum Innen

1917 übergab der Uhrensammler Rudolf Kaftan der Stadt Wien um günstiges Geld seine Uhrensammlung, allerdings mit der Auflage, dass diese ein Gebäude in der Innenstadt dafür zur Verfügung stelle und ihn als Betreuer der Sammlung bestellte. Kaftan gründete zur finanziellen Unterstützung der Umbauarbeiten sogar einen Verein: den der „Freunde des Wiener Uhrenmuseums“.

Am 29.5.1921 konnte das neue Museum endlich eröffnet werden, das mittlerweile – im Jahr 1917 – um die wertvolle Uhrensammlung der Dichterin Maria von Ebner-Eschenbach erweitert werden konnte. In Summe integrierte Kaftan 10 weitere Sammlungen (wie die des Wiener Uhrmachers Nicolaus oder die Stockuhrensammlung Leiner),

1939 wurde das Museum als Teil des Historischen Museums der Stadt Wien integriert. Während des zweiten Weltkrieges gingen zahlreiche wertvolle Stücke „verloren“, vor allem die gesamte Sammlung Nicolaus, aber auch ein Teil des Bestandes von Ebner-Eschenbach.

Im Museum sind 3.500 Uhren gelagert, wovon rund 1000, je nach Schwerpunkt, ausgestellt werden. Man sieht die Entwicklungsgeschichte der Uhren von den Anfängen bis heute, von der Taschenuhr bis zur Turmuhr. Seit 1986 findet sich hier auch eine Armbanduhrensammlung. Zu den größten Exponaten gehört die Turmuhr von St. Stephan, zu den kleinesten eine Pendeluhr, die unter einen Fingerhut passt.

2010 wurde das Museum, nach Renovierung und Neugestaltung, wieder eröffnet, es zählt zu den größten Spezialsammlungen Europas.

Ausgrabungen

Adresse Ausgrabungscode zeitliche Lagerung Beschreibung der Fundstücke
Schulhof 2 200015 Mittelalter/Neuzeit Im Jahr 2000 fanden in dem Haus Bauforschungen statt. Im westlichen Teil des Grundstücks ist ein mittelalterlicher Keller erhalten, über welchem im 16./17. Jh. ein Tonnengewölbe errichtet wurde. Der überwiegende Teil des Kellers mit einem Hausbrunnen im Hofbereich stammt aus dem letzten Drittel des 17. Jh. Dem barocken Bestand ist auch eine Latrine zuzuordnen.
Schulhof 2 196203 Mittelalter/Neuzeit 1962 wurde dem Historischen Museum der Stadt Wien ein frühneuzeitlicher Topf aus dem Keller des Uhrenmuseums übergeben.
Schulhof 2 201402 römisch/Mittelalter/Neuzeit Bei Arbeiten zur Verlegung von Wasserrohren fand man Mauerwerk, eine Brandschicht, Straßenschotterungen und ein menschliches Skelett



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Quellen