Steindlgasse 6

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Grund-Information
Wien 01 Steindlgasse 06 a.jpg

Steindlgasse 6

Aliasadressen =Steindlgasse 6, =Kurrentgasse 2
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1862: 428 | vor 1821: 461 | vor 1795: 250
Baujahr Mitte 16. Jhdt.
Architekt unbekannt


Das Haus "Zur goldenen Schlange" - Architektur und Geschichte

Das genaue Alter des heute hier stehenden Hauses ist nicht bestimmt, es dürfte aus dem 16. Jahrhundert sein.

Erstmals erwähnt wurde das Haus 1421, es war Teil der Judenstadt und wurde von Albrecht V. beschlagnahmt.

Helene Kottanerin und die Rettung der Ungarischen Krone

Das Haus hieß früher „zur goldenen Schlange“ und befand sich 1451 im Besitz von Helene Kottanerin.

Sie war die Kammerfrau der Königin Elisabeth (Gattin von Kaiser Albrecht II), der noch vor der Niederkunft seiner Frau starb. Elisabeth wollte sicher sein, dass ihr Kind mit der ungarischen Stephanskrone gekrönt wird, und schickte ihre Kammerfrau in die Plintenburg bei Budapest, um die Krone zu stehlen. Helene Kottanerin ist das nicht nur gelungen (sie hat die Krone in ein rotes Samtpolster eingenäht und aus der Burg geschmuggelt), sie hat ihre Reise auch dokumentiert, was für eine Frau in dieser Zeit selten war. Das Dokument ist noch erhalten. Der Sohn Elisabeths, Ladislaus Postomus, wurde mit 12 Wochen gekrönt.

Die Legende sagt, sie hätte das Haus als Gegenleistung für Rettung der Krone erhalten, die Auszüge der Grundbücher widerlegen das jedoch: Kottanerin hatte das Haus gerichtlich zugesprochen bekommen, weil eine Geldschuld nicht eingelöst werden konnte.

Weitere Hausbesitzer

Die "Ausführliche Häuser-Chronik" von Carl August Schimmer schildert die ehemaligen Besitzer des Hauses detailliert:

1422: Herzog Albrecht V. (Beschlagnahmung nach Vertreibung der Juden)
1451: Helene Kottaner
1468: Stadt Wien (erhalten aufgrund Steuerschulden)
1516: Siegmund Engel
1545: Christoph Schmid
1563: Caspar Wachenschwarz
1582: Das Stanislaus-Zimmer wurde in eine Kapelle umgewandelt
1619: Christoph Ridinger
1665: Elisabeth Schmidin, geborene Zellermayer
1699: Christoph Winkelmüller
1674: Johanna Franziska Stampa, geborene Depezin
1677: wird als Hausbesitzer der Chirurg Dr. Nikolaus Pinon genannt
1700: Wird das Haus erstmals "Zur gulden Schlangen" genannt (es gehört nun dem Sohn Nicolas Pinon, ebenfalls Chirurg)
1739: Johann Michael Bibiar von Sternfeld
1741: Maria Barbara Koller von Mohrenfeld, die 1742 die Kapelle, 1757 das ganze Haus erneuern ließ
1783: wurde das Haus zum Pfarrhof der neuen Pfarre Am Hof[1]
1915: Christlicher Verband der weiblichen Hausbediensteten in Wien
1938: Einverleibung in die "Vermögensverwaltung der Deutschen Arbeiterfront Ges. m.b.H" durch die Nazis
1938: Verkauf an das Erzbistum Wien
1948: Durch ein Rückstellungsverfahren erhält der Verband der christlichen Hausgehilfinnen in Wien das Haus zurück.

Die Stanislaus-Kostka-Kapelle

In dem Haus befindet sich eine der wenigen erhaltenen Hauskapellen, man sieht sie von der Straße aus. Das Fenster ist besonders geschmückt, dahinter befindet sich das sakrale Gedenkzimmer an Stanislaus Kostka.

Die Legende vom heiligen Stanislaus

Hier wohnte 1564 – 1576 der (damals noch nicht) heilige Stanislaus Kostka, er war damals noch ein Knabe und ein glühender Katholik. Eines Tages erkrankte er schwer, und ließ einen Priester rufen, weil er dachte, dass er sterben würde. Der Hausherr aber (Caspar Wachenschwarz) war Protestant, und verwehrte ihm diese Bitte. In der Nacht erschien Kostka die heilige Barbara, die ihm das Sakrament brachte. Er wurde gesund und trat dem Jesuitenorden bei, er starb erst 1578 in Rom. 1726 wurde Kostka heilig gesprochen (Schutzpatron junger studierender Menschen).

1582 hat ein späterer Mieter das Zimmer von Kostka in eine Kapelle (Stanislauskapelle) umbauen lassen.

1742 ließ die neue Besitzerin des Hauses, Maria Barbara Koller von Mohrenfeld, die Kapelle neu gestalteten und statte sie bei dieser Gelegenheit mit Gold- und Marmorschmuck aus. Testamentarisch verfügte sie, dass die Mieteinträge des Hauses zur Erhaltung der Kapelle genutzt werden müssen, die Betreuung übertrug sie an die Jesuiten. 1840 erhielt die Kapelle ein neues Altarbild, eine auf goldenem Untergrund gemalte "Kommunion des Heiligen aus Engelshand", geschaffen von Franz Stecher.

Ausgrabungen

Adresse Ausgrabungscode zeitliche Lagerung Beschreibung der Fundstücke
Steindlgasse 6 191601 römisch Während dem Hausumbau 1916 kamen zahlreiche Mauerzüge und ein römischer Kanal zu Tage.



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Quellen

  1. Carl August Schimmer, Ausführliche Häuser-Chronik der Innern Stadt Wien, mit einer geschichtl. Uebersicht sämmtlicher Vorstädte und ihrer merkwürdigsten Gebäude. Wien, Kuppitsch 1849. S. 84