Bauernmarkt 4

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Grund-Information
Bauernmarkt 4.jpg

Ehem. Gundelhof

Aliasadressen =Brandstätte 5, =Bauernmarkt 4
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1821: 588 (teilw. Brandstätte 3) | vor 1821: 327 | vor 1795: 534
Baujahr 1949
Architekt Franz John


Ehemaliger Gundelhof - Architektur und Geschichte

Das Durchhaus wurde 1949 erbaut, da das Vorgängerhaus dem Krieg zum Opfer gefallen war.

Vorgängerhäuser

Der Gundelhof

1351 stand hier ein Haus mit dazugehöriger Kapelle für den heiligen Thomas, das dem Bürgermeister Berthold Poll gehörte. 1422 kaufte es der Stadtanwalt Hans Zink, dann Peter Straßer, bei dem Friedrich III. angeblich drei Tage gewohnt hatte, als er von Wiener Neustadt nach Wien zur Landtagsausschreibung kam.

Die Witwe von Straßer, Kunigunde, heiratete 1461 in zweiter Ehe den Tiroler Georg von Gundlach, und so gelangte das Haus in die Familie, die dem Haus ihren Namen verlieh (Gundlach, verballhornt Gundel). Als Georg im Jahr 1515 seine Schulden nicht bezahlen konnte, wurde das Gebäude durch die Schranne einem Gläubiger zugesprochen, danach wechselten die Besitzer häufig (Augustin Haffner, Paul Wiedemann, Bartholomäus Tinti).

1800 erwarb der Bruder des Kaisers Joseph II, Erzherzog Ferdinand I., den Hof, der es an seinen Sohn, Freiherrn von Modena vererbte, der verkaufte ihn wiederum 1810 an den Juwelier Bruno Neuling, der ihn ebenfalls an seinen Sohn Vinzenz weiter vererbte. 1843 besaß es bis zu seinem Tod 1855 Salomon Mayer Rotschild, der kurz vor seinem Ableben sogar noch einen Zubau errichten ließ.

1802 war hier auch kurz die Wiener Börse tätig (vorher im Haus „Zum grünen Fassl“ am Kohlmarkt 8-10).

Ignaz Sonnleithner und sein Salon

Anfang des 18. Jahrhunderts (1815 bis 1824) wurde hier der Sonnleithnersche Salon geführt, der größte Musiksalon seiner Zeit.

Ignaz Sonnleithner, der Onkel von Grillparzer (seine Schwester Maia Anna Sonnleithner hatte Dr. Wenzel Grillparzer geheiratet und mit ihm den Sohn Franz bekommen) war ein Jurist und Schriftsteller und in Wien als Witzbold (meinte Eduard von Bauernfeld) bekannt. Die Gäste Sonnleithers, die zur kulturell interessierten Elite Wiens gehörten, boten Schubert den richtigen Namen, seine Lieder bekannt zu machen, er nutzte den musikalischen Salon zur Uraufführung zahlreicher Werke. Die Abenden hatten meist ein bestimmtes Thema, bei dem Schubert die Sänger, wie Johann Michael Vogl (einen damals sehr bekannten Bariton) selbst am Klavier begleitete, es wurde gelesen, diskutiert und auch gespielt.

Durch Ignaz Sonnleithners Salon entstanden damit die "Schubertiaden", die noch heute als Musikfestspiele (zum Beispiel in den Orten Hohenems und Schwarzenberg) stattfinden.

Der Gänsemarkt

Aufgrund der Größe des Hofes standen in seinem Inneren Verkaufsbuden, hier wurde der Gänsemarkt abgehalten. Daher stand hier auch der Gänsemädchenbrunnen (von Anton Paul Wagner, 1865/66 geschaffen), der sich seit 1879 vor der Rahlstiege in der Mariahilfer Straße befindet.

Das Gebäude schloss den Zugang zwischen der Brandstätte und dem Bauernmarkt ab, der St. Stephans Freithof konnte von dieser Seite nur durch den Hof betreten werden. Berühmt waren auch die zwei Gasthäuser, die hier zu finden waren: der „Goldene Stern“ und die „Eiche“ - hier soll Beethoven öfter zu Gast gewesen sein.

1877 kaufte die Stadtbaugesellschaft das Areal und ließ den Gundelhof durch ein modernes Haus ersetzen, das im April 1945 durch einen Bombentreffer ausbrannte und 1949 neu erbaut wurde.

Café Hönig

1723 gründete Johann Winkhowitz in der Wollzeile ein Kaffeehaus, das Ende des 18. Jahrhunderts von Leopold August Hönig übernommen wurde und hierher übersiedelte. Das Kaffeehaus war für seine Billardtische bekannt, man konnte hier aber auch Karten, Schach und Brettspiele spielen.

Die Thomaskapelle

Leider wurde die Hausapelle bereits 1875 abgerissen, sie stammte aus dem 13. Jahrhundert. Es wird vermutet, dass sie von der Familie Schüttwürfel gegründet wurde (nicht von Peter Strasser, der das Haus erst 1434 kaufte), erneuert wurde sie eventuell 1450.

1607, als Augustin Haffner, (zwischen 1604 und 1607 Wiener Bürgermeister), das Haus mit der Kapelle kaufte, war sie schon nahezu verfallen, er ließ sie renovieren. Paul Wiedemann, ein späterer Besitzer ließ sie erweitern, sie diente dann sogar zur Abhaltung von Gottesdiensten, bis sie unter Joseph II. profaniert wurde.



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