Bauernmarkt 5-7

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Grund-Information
Wildpretmarkt 2-4.jpg

Das Zacherlhaus

Aliasadressen =Bauernmarkt 5-7, =Brandstätte 6, =Wildpretmarkt 2-4
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1862: 579, 549 | vor 1821: 618, 590 | vor 1795: 559, 558
Baujahr 1903-1905
Architekt Josef Plecnik


Das Zacherlhaus - Architektur und Geschichte

Das Wohnhaus wurde 1903/05 von Josef Plecnik für den Fabrikanten Zacherl errichtet. Die Fassade besteht aus grauen polierten Granitplatten, das Dachgesims ist besonders kunstvoll gestaltet. Das Zacherlhaus war das erste „moderne Haus“ in der Innenstadt – eines der ersten Eisenbetonhäuser (Vorläufer des Stahl-Betons).

Am 8. April 1945 fiel eine Bombe in den Lichthof des Zacherlhauses und brachte durch die sich ergebende Druckwelle die Stiegen zum Einsturz, die Mauern des Treppenhauses blieben jedoch stehen; es wurde 1949 vollständig renoviert.

Noch heute befindet sich das Haus im Besitz der Familie Zacherl, dient aber hauptsächlich als Bürogebäude.

Gedenktafel

Die Gedenktafel (auf der Seite Brandstätte angebracht) würdigt den slowenischen Architekten Plecnik, der ein Otto-Wagner-Schüler war.

Bild Anlass/Persönlichkeit Text der Tafel
Plecnik GT.jpg Plecnik, Josef Dem Architekten

zum 100-jährigen Bestehen
dieses Hauses 2005

Vorgängerhäuser

Auf dem Areal standen zuvor zwei Häuser, das Haus Nummer 549, das bereits 1460 urkundlich erwähnt wurde, und das Haus 579 aus dem Jahr 1444 (das Haus des Bürgermeisters Hans Haringseer). Hier wohnte zwischen 1391-1393 ein weiterer Bürgermeister, Rudolf Angerfelder. Diese beiden Häuser kauft Johann Evangelist Zacherl 1893, und ließ rasch über die schmalen Fassaden ein neues Geschäftsportal von Franz von Krauss im sezessionistischen Stil anbringen.

Weil die Stadt Wien jedoch eine Verlängerung der Brandstätte plante, und die Fassaden der Häuser im Weg standen, mussten die Häuser mitsamt dem neuen Portal abgerissen werden. Zacherl nahm über einen befreundeten Maler Kontakt mit Otto Wagner auf, der ihm ein neues Haus bauen sollte, der unter seinen Schülern einen Wettbewerb ausschrieb – gewonnen hat ihn Josef Plecnik. Die Ausführung über-nahmen die Architekten Franz von Krauss und Josef Tölk, mit denen es relativ schnell zu Konflikten kam; Plecnik beendete das Projekt vorzeitig.

Johann Zacherl

1880 übernahm Zacherl das Unternehmen von seinem Vater. Weil er immer vornehm auftrat, wurde er in der Wiener Gesellschaft „Lord Zacherl“ genannt. Als Atheist, der sich von seinem Verstand und Gefühl leiten ließ, lernte er den Bürgermeister Dr. Karl Lueger kennen, der in ihm einen Gesinnungswandel hervorrief: Durch den Bürgermeister wurde Zacherl zu einem Kämpfer der katholisch-sozialistischen Bewegung.

Zacherl war Insektenpulverfabrikant. Das wirksame Insektengift hatte sein Vater bei seiner Wanderung durch den Kaukasus entdeckt und damit den Reichtum der Familie begründet. Im Volksmund hieß das Haus daher rasch „Wanzenburg“, was durch die Ausstattung des Stiegenhauses auch noch verstärkt wurde: Die Beleuchtungskörper sind insektenartig. Plecnik ließ sich offensichtlich von den Rüsseln der Motten zur Form der Lampen inspirieren.

Die Metall-Skulptur des Erzengels Michael, von den Wienern liebevoll „Wanzentöter“ genannt, (Besieger der unreinen Geister, eine Anspielung auf die Insektenvernichtung und Zacherl als Retter vor Ungeziefer) wurde von Ferdinand Andri geschaffen, die am Obergeschoss angebrachten Atlanten von Franz Metzner. Die Figuren wurden aus Steinzeug hergestellt – übrigens dem gleichen Material, aus dem die Kanalrohre in Wien bestehen.

Das Insektenvertilgungsmittel wurde im kleinen Geschäft links vom Haupteingang verkauft.

Ausgrabungen

Adresse Ausgrabungscode zeitliche Lagerung Beschreibung der Fundstücke
Wildpretmarkt 2-4 190403 römisch Im Jahr 1904 wurden bei Hausumbauarbeiten die Reste von römischen Kasernen des Legionslagers aufgedeckt. Zu den Fundstücken gehörten Bronzepostamente, Leuchter, Bronzebüste, Beinschienenbruchstück, Panzerbruchstück, Keramik, Ziegel mit Stempel, Münzen, Mauerwerk



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