Stephansdom: Die obere Sakristei

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Stephansdom
Die obere Sakristei
Stephansdom: Obere Sakristei
Bolla Michael Ob. Sakristei.jpg
Die Obere Sakristei am Nordchor des Stephansdoms

Die sogenannte Obere Sakristei liegt am Chor, nördlich neben der Hauptapsis des Stephansdoms. Sie wurde bereits 1446 erstmals erwähnt, im 17. Jahrhundert erweitert und 1718 barockisiert. Heute gehört sie zu den wenigen Räumen des Doms, die ihre barocke Geschlossenheit weitgehend bewahrt haben.[1][2]

Die Ausstattung umfasst barocken Stuck, vier Deckengemälde aus dem ersten Viertel des 18. Jahrhunderts, einen geschnitzten Sakristeischrank mit Szenen aus der Passion Christi und ein marmornes Lavabo mit Muschelschale und wasserspeienden Delfinen. Die Fresken zeigen Szenen aus dem Leben des heiligen Stephanus.[3]

Ersterwähnung: 1446
Ausbau: Erweiterung im 17. Jahrhundert, Barockisierung 1718
Lage: Nordseite des Chores, neben der Hauptapsis, hinter dem Frauenchor, links vom Altar
Ausstattung: Stuck, vier Deckengemälde, Lavabo, Sakristeischrank
Künstler: Martino Altomonte
Nutzung: heute für kleinere Gottesdienste und liturgische Vorbereitung

Geschichte

Moses mit den Gesetzestafeln

Moses mit den Gesetzestafeln

Die Obere Sakristei wurde erstmals 1446 erwähnt. Sie liegt am nördlichen Chorabschluss und war als Gegenstück zur südseitigen Heiltumsakristei gedacht, aus der später der Kapitelsaal hervorging. Der Raum besteht aus einem quadratischen Hauptraum und einem kleineren Nebenraum, der in die Chorschräge eingepasst ist.

Ursprünglich (wahrscheinlich schon im Jahre 1446) wurde sie als Gegenstück zur "alten Sakristei" (dem heutigen Kapitelsaal) angelegt, im 17. Jahrhundert wurde sie erweitert. 1718 wurden barocker Stuck und vier Deckengemälde eingefügt. Damit gehört sie zu jenen wenigen Nebenräumen des Stephansdoms, in denen die barocke Raumwirkung bis heute geschlossen erhalten ist.

Die Obere Sakristei ist der einzige Bereich des Doms, der im Zweiten Weltkrieg, am 12.3.1945, durch eine Bombe getroffen worden war. Dass der Raum dennoch in seiner Ausstattung wiederhergestellt werden konnte, macht ihn heute umso bemerkenswerter.[4][5]

Architektur und Ausstattung

Die Obere Sakristei ist ein vergleichsweise stiller, aber kunsthistorisch bedeutender Raum. Ihre Ausstattung umfasst barocken Stuck, vier Deckengemälde und einen geschnitzten Sakristeischrank mit Darstellungen aus der Passion Christi. Für die liturgische Vorbereitung des Priesters wurde außerdem ein marmornes Lavabo mit großer Muschelschale und wasserspeienden Delfinen eingerichtet; das Lavabo entstand 1720, der Schrank 1770.

Die Deckenbilder stehen inhaltlich im Zusammenhang mit dem heiligen Stephanus und damit mit dem Patrozinium des Doms. Gerade diese ikonographische Konzentration verleiht der Oberen Sakristei ihren eigenen Charakter: Sie ist kein bloßer Nebenraum, sondern ein Ort liturgischer Vorbereitung mit bewusst gewähltem Bildprogramm.[6][7]

Martino Altomonte

Fresken

Altomontes Fresken

Die Fresken der Oberen Sakristei stammen von Martino Altomonte, einem der bedeutendsten Barockmaler im österreichischen Raum. Er schuf sie 1719. Gemeinsam mit Johann Michael Rottmayr gilt er als einer der Begründer einer eigenständigen Barockmalerei in Österreich. Sie zeigen Szenen aus dem Leben des hl. Stephanus. Zu sehen sind: Die Diakonweihe, Stephanus vor dem Hohen Rat, seine Ergreifung und seine Steinigung. [8]

Gerade weil die Obere Sakristei kein großer Schauraum des Doms ist, werden diese Bilder leicht übersehen. Tatsächlich gehören sie zu jenen Werken, die die barocke Neuausstattung des Stephansdoms im Kleinen besonders anschaulich machen.

Heutige Nutzung und Ausstattung

Ausstattung Obere Sakristei

Ausstattung Obere Sakristei

Die heute noch vorhandene Einrichtung wurde 1718 vorgenommen, die Sakristei-Schränke sind mit Aufsatzbildern ausgestattet, die vier Passionsszenen zeigen: Ecce-Homo, Kreuztragung, Kreuzigung und Beweinung. Die Bilder sind ein Werk von Altomonte aus dem Jahr 1716.

Ebenfalls befindet sich hier - an der Südseite - ein Marmorbrunnen mit einem Relief der Taufe Christi, Wasserspeiern in Form von Delphinen und einer großen Muschelschale aus dem Jahr 1718. [9]

Heute wird die Obere Sakristei weiterhin liturgisch genutzt. Wegen ihrer unmittelbaren Nähe zum Hochaltar eignet sie sich besonders für kleinere Gottesdienste und für die Vorbereitung von Feiern im Chorbereich.

Gerade diese fortgesetzte Nutzung trägt dazu bei, dass der Raum nicht museal wirkt. Die Obere Sakristei ist bis heute ein Arbeits- und Vorbereitungsraum des Doms – und gerade dadurch ein sehr lebendiger Teil seiner Geschichte.


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Quellen