Stephansdom: Alter Frauenaltar

Aus City ABC

Stephansdom
Alter Frauenaltar


Stephansdom: Alter Frauenaltar
Alter Frauenaltar
Der Alte Frauenaltar im Stephansdom

Der Alte Frauenaltar steht an der fünften Säule linker Hand im Stephansdom und gehört zu den markantesten barocken Seitenaltären des Langhauses. Er trug zuvor die Namen Simon-und-Juda-Altar und – wegen des umlaufenden Gitters – auch Speisaltar.

Im Zentrum des Altars befindet sich das spätgotische Gnadenbild Maria in der Sonne (Mater admirabilis). Gerade diese Verbindung von barockem Altaraufbau und älterem, hochverehrtem Marienbild macht den besonderen Reiz dieses Ortes aus.

Datierung: Altaraufbau um 1699, Gnadenbild 1493
Stil: Barocker Altar mit spätgotischem Gnadenbild
Lage: Langhaus, nördlicher Pfeilerbereich / fünfte Säule linker Hand
Frühere Namen: Simon-und-Juda-Altar, Speisaltar
Besonderheiten: Gnadenbild Maria in der Sonne, umlaufendes Gitter, Marienverehrung nach den Türkenkriegen
Zuschreibung: Entwurf vermutlich Matthias Steinl

Geschichte

Der Alte Frauenaltar ist ein barocker Seitenaltar des Stephansdoms. Sein älterer Name Simon-und-Juda-Altar erinnert an ein früheres Patrozinium, während die Bezeichnung Speisaltar vom umlaufenden Gitter herrührt. Der Entwurf des heutigen Altars wird meist Matthias Steinl zugeschrieben.[1]

Seine besondere Bedeutung erhielt der Altar durch das Gnadenbild Maria in der Sonne („Mater admirabilis"). Dieses spätgotische Marienbild entstand 1493. Es war zunächst in der Augustinerkirche verehrt worden und gelangte 1693 in feierlicher Prozession in den Stephansdom. Dort wurde es zum Mittelpunkt des Alten Frauenaltars.

Im späten 17. Jahrhundert gewann die Marienverehrung in Wien stark an politischer und religiöser Bedeutung. Gerade nach den Türkenkriegen wurde das Bild Maria in der Sonne zu einem wichtigen Zeichen katholischer Frömmigkeit und habsburgischer Selbstdeutung.[2]

Das Gnadenbild Maria in der Sonne

Das auf Goldgrund gemalte Bildnis zeigt Maria im blauen Mantel mit dem Jesuskind auf dem Arm. Das Kind hält einen Apfel – ein altes Symbol, das hier meist als Zeichen von Liebe und Erlösung gelesen wird. Über Maria schweben zwei Engel, die die alte Reichskrone, es ist die des Kaisers Friedrich III., halten; zu ihren Füßen liegt der Mond.

Unterhalb der Gottesmutter erscheinen die Stifter in kleinerem Maßstab, geschlechtlich getrennt, beim Rosenkranzgebet. Die Sonne überstrahlt die gesamte Szene. Dadurch verbindet das Bild private Frömmigkeit, marianische Symbolik und herrschaftliche Bezüge auf besonders eindrucksvolle Weise.

Ikonographisch gehört das Bild zum Typus der Mondsichelmadonna bzw. des apokalyptischen Weibes. In der Zeit nach 1683 wurde der Mond unter den Füßen Mariens zusätzlich als Halbmond und damit als Zeichen des besiegten Osmanischen Reiches gedeutet. So erhielt das ältere Gnadenbild eine neue, türkenpolitische Lesart.

Verehrung und Übertragung in den Stephansdom

Dem Bild wurden schon früh Wunder zugeschrieben. In älteren Wiener Überlieferungen heißt es, das Gnadenbild habe in der Augustinerkirche besondere Verehrung genossen und sei mehrfach mit wunderbaren Ereignissen in Verbindung gebracht worden. Gerade solche Erzählungen stärkten seinen Ruf weit über die Klosterkirche hinaus.

Eine dieser Erzählungen berichtet, dass in einer einzigen Nacht viele einflussreiche Wiener denselben Traum gehabt hätten. Dieser Traum habe sie bewogen, frühmorgens aufzubrechen und die Ungarn im Kampf gegen die Türken zu unterstützen. Solche Geschichten zeigen, wie eng Gnadenbild, Stadtgeschichte und politische Deutung miteinander verknüpft wurden.[3]

Am 16. August 1693 wurde das Bild schließlich von zwölf Pazmaniten in den Stephansdom übertragen. In dieser neuen Umgebung wurde es zum Zentrum des Alten Frauenaltars und zu einem der wichtigen Marienbilder des Doms.

Politische Bedeutung

Der Alte Frauenaltar war nicht nur ein Ort persönlicher Andacht. Nach der zweiten Türkenbelagerung gewann das Bild Maria in der Sonne in Wien auch als Stadt- und Staatsheiligtum an Gewicht. Es stand für Schutz, Sieg und die Wiederherstellung der katholischen Ordnung.[4]

Leopold I. soll hier gelobt haben, alle Kirchen und Pfarren wieder aufzubauen, die durch die Türken zerstört worden waren. Damit wurde der Altar auch zu einem Erinnerungsort der Türkenkriegszeit und des habsburgischen Wiederaufbaus.

Diese Bedeutung erklärt auch, warum das Bild in späteren Deutungen als Vorläufer anderer berühmter Wiener Marienbilder gesehen wurde. Es verbindet Frömmigkeit, städtische Identität und politische Symbolik in besonders dichter Form.

Heutige Wirkung

Heute gehört der Alte Frauenaltar zu jenen Altären im Stephansdom, an denen sich mehrere Zeitschichten zugleich ablesen lassen: ein spätgotisches Gnadenbild, ein barocker Altaraufbau und eine lange Geschichte von Verehrung, Deutung und Erinnerung.

Gerade im Zusammenspiel mit dem gegenüberliegenden Josefsaltar bildet er ein wichtiges Ensemble am östlichen Ende des Langhauses. Zugleich lenkt er den Blick auf die besondere Rolle der Marienverehrung im Stephansdom.<


Navigation

→ weiter zu Stephansdom: Josefsaltar
← zurück zu Stephansdom: Die Altäre

Quellen