Republikanischer Schutzbund

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Republikanischer Schutzbund


Organisation
Entstehung 1923/1924
Art paramilitärische Wehrorganisation der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei
Sitz der Zentralleitung Wien
Führende Persönlichkeiten Julius Deutsch, Alexander Eifler, Theodor Körner
Höchststand 1928 etwa 80.000 Mitglieder
Verbot 1933
Historische Bedeutung zentrale Wehrorganisation der österreichischen Sozialdemokratie in der Ersten Republik; Beteiligung an den Februarkämpfen 1934

Der Republikanische Schutzbund war die paramilitärische Wehrorganisation der österreichischen Sozialdemokratie in der Ersten Republik. Er entstand 1923/24 aus den Ordnerformationen der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei und verstand sich als Schutzorganisation gegen die wachsende Bedrohung durch Heimwehren und antidemokratische Kräfte.

Geschichte

Nach dem Ersten Weltkrieg entstanden in mehreren österreichischen Bundesländern paramilitärische Verbände, die später vielfach in den Heimwehren zusammengefasst wurden. Als Gegenstück dazu begann die Sozialdemokratie mit dem Aufbau einer bewaffneten Arbeiterwehr. Die erste Vorstandssitzung des Republikanischen Schutzbundes fand am 7. März 1923 statt. Zum Obmann wurde Julius Deutsch gewählt, zu seinen Stellvertretern Friedrich Adler und Johann Pölzer.

Ursprünglich war der Schutzbund vor allem als Ordner- und Schutzorganisation für sozialdemokratische Veranstaltungen gedacht. Bald rückte jedoch die Verteidigung der Republik und ihrer sozialen und politischen Errungenschaften stärker in den Vordergrund. Der Schutzbund war einheitlich uniformiert und in Kompanien, Bataillone und Regimenter gegliedert. Seine Zentralleitung hatte ihren Sitz in Wien; zu ihr gehörten neben Julius Deutsch auch Alexander Eifler und Theodor Körner.

Seine größte Stärke erreichte der Schutzbund 1928 mit etwa 80.000 Mitgliedern. Besonders stark war er in Wien sowie in den Industriegebieten Niederösterreichs, Oberösterreichs und der Steiermark vertreten. Eine große Machtdemonstration war der Aufmarsch in Wiener Neustadt am 7. Oktober 1928.[1] [2] [3] [4]

Verbot und Februarkämpfe

Mit der Ausschaltung des Parlaments und dem Weg der Regierung Dollfuß in den autoritären Ständestaat wurde der Schutzbund zunehmend zum politischen Feindbild der Regierung. Am 31. Mai 1933 wurde er verboten. Die Organisation bestand jedoch illegal weiter.

Als im Februar 1934 in Linz sozialdemokratische Parteiheime nach Waffen durchsucht werden sollten, kam es zum bewaffneten Widerstand. Daraus entwickelten sich die Februarkämpfe, die vom 12. bis 15. Februar 1934 dauerten und auch Wien erfassten. Der Schutzbund spielte dabei eine zentrale Rolle. Nach der Niederlage wurden viele Mitglieder verhaftet, einige hingerichtet, andere flohen ins Exil.

Bedeutung

Der Republikanische Schutzbund gehört zu den wichtigsten Symbolen der politischen Radikalisierung in der Ersten Republik. Er war einerseits Ausdruck des Selbstschutzes der Arbeiterbewegung, andererseits auch Teil jener Militarisierung der Innenpolitik, die Österreich in den 1920er und frühen 1930er Jahren prägte.

Für Wien ist der Schutzbund besonders wichtig, weil die Stadt ein Hauptzentrum der Organisation war. Die Wiener Sozialdemokratie, die Gemeindebauten und die Parteiheime bildeten einen zentralen Raum seiner Tätigkeit. Zugleich war Wien 1934 einer der Hauptschauplätze der Kämpfe.

Vorkommen in CityABC

Für CityABC ist der Republikanische Schutzbund vor allem im Zusammenhang mit dem Republikdenkmal, den Februarkämpfen 1934, dem Julius Deutsch und den Wiener Gemeindebauten interessant. Auch im Umfeld der sozialdemokratischen Organisationswelt des Roten Wien spielt er eine wichtige Rolle.

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Quellen