Reptilien in Wien
Artenvielfalt in Wien
Die Reptilienfauna Wiens umfasst Eidechsen, Schlangen, die beinlose Echse Blindschleiche und als einzige natürlich vorkommende Schildkröte Österreichs die europäische Sumpfschildkröte. Für Wien werden neun heimische Reptilienarten genannt. Dazu zählen die Zauneidechse, die Smaragdeidechse, die Mauereidechse, die Blindschleiche, die Ringelnatter, die Würfelnatter, die Schlingnatter, die Äskulapnatter und die europäische Sumpfschildkröte.[3][4]
Alle in Wien vorkommenden Reptilien sind für den Menschen ungiftig. Sie jagen Mäuse, fressen Insekten, Schnecken und andere Kleintiere und tragen so zu einem ausgeglichenen Nahrungsnetz in Gärten, Wiesen, Weingärten und Auwäldern bei.[5] Die Stadt Wien und das Naturhistorische Museum Wien heben hervor, dass diese neun Reptilienarten – ähnlich wie die Wiener Amphibien – trotz ihrer Unsichtbarkeit ein wichtiger Teil der Biodiversität der Großstadt sind.[6]
Lebensräume in der Stadt
Reptilien sind wärmeliebende Tiere. Sie nutzen die Vielfalt der Wiener Landschaft: sonnige Böschungen und Trockenrasenflächen im Wienerwald und an den Stadträndern, Weinrieden in Döbling und Liesing, offene Felsbereiche wie die Mizzi-Langer-Wand, Steinbrüche, Bahndämme, Brachen, Friedhöfe, Parkanlagen und die Auenbereiche von Donau und Lobau.[7]
Die Zaun- und Smaragdeidechse bewohnen gerne strukturreiche, sonnige Flächen mit Steinen, Lesesteinhaufen und Gebüschen, etwa an Bahndämmen, in Weingärten, auf Trockenrasen und an Waldrändern. Mauereidechsen findet man dort, wo Mauern, Stützmauern und Felswände Lücken und Spalten zum Verstecken bieten. Die Blindschleiche bevorzugt feuchtere Wiesen, Gärten, Waldränder und Böschungen, wo sie unter Totholz, Laub- und Steinhaufen Schutz findet.[8]
Schlangenarten wie Ringelnatter und Würfelnatter sind an Wasser gebunden, etwa an langsam fließenden Flussarmen, Teichen, Tümpeln und Uferzonen der Donau-Auen oder der Lobau. Sie jagen Amphibien, Fische und andere Kleintiere in und am Wasser. Schlingnatter und Äskulapnatter bewohnen eher trockene, strukturreiche Habitate wie Weinberge, Waldränder, Böschungen und Gärten und nutzen Stein- und Reisighaufen sowie Trockenmauern als Versteck- und Sonnenplätze.[9][10]
Die europäische Sumpfschildkröte schließlich ist vor allem in den Auwäldern des Nationalparks Donau-Auen zuhause. Dort findet sie langsam fließende Gewässer, Altarmreste und Teiche mit dichtem Pflanzenbewuchs, in denen sie jagt, sonnt und im Uferbereich ihre Eier ablegt.[11][12]
Reptilien im Alltag der Stadt
Für viele Menschen tauchen Reptilien vor allem in bestimmten Situationen auf: eine Ringelnatter, die aus einem Gartenteich auftaucht, eine Zauneidechse, die sich auf einer Friedhofsmauer sonnt, eine Äskulapnatter in einem Komposthaufen oder an einer Böschung. Besonders im Frühling werden Schlangen und Eidechsen häufig in Gärten, Kellerschächten, Garagen oder auf Wegen entdeckt, wenn die Tiere aus der Winterruhe kommen und die ersten Sonnenstrahlen nutzen.[13]
Die Stadt Wien betont, dass alle heimischen Schlangen in Wien ungiftig und für Menschen ungefährlich sind. Wenn sie sich gestört fühlen, ziehen sie sich in der Regel rasch zurück. Für Reptilien sind ruhige Sonnenplätze, Verstecke in Lesesteinhaufen, Trockenmauern und Hecken sowie strukturreiche Gärten von großer Bedeutung. Solche Kleinstrukturen finden sich nicht nur in Naturschutzgebieten, sondern auch im städtischen Alltag: in Kleingartenanlagen, auf Friedhöfen, an Bahndämmen, in Parkanlagen oder in naturnah gepflegten Restflächen zwischen Wohnhäusern.[14]
Bedrohungen und Schutz
Reptilien gehören in Österreich und in Wien zu den stark gefährdeten Tiergruppen. Die größte Bedrohung ist der Verlust und die Zerschneidung ihrer Lebensräume. Straßen- und Wasserbau, intensive landwirtschaftliche Nutzung, Uferverbauungen, die Trockenlegung von Feuchtgebieten, das Entfernen von Brachen, Windschutzgürteln und Kleinstrukturen sowie eine sehr „aufgeräumte“ Gartenpflege nehmen Reptilien die Plätze zum Sonnen, Verstecken und Eierlegen.[15]
Zusätzliche Belastungen entstehen durch den Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln, die sowohl die Nahrungstiere der Reptilien dezimieren als auch über die Nahrungskette direkt auf Eidechsen und Schlangen wirken können. In Siedlungsnähe zählen freilaufende Hauskatzen, Verkehr und ungesicherte Schächte oder Pools zu den häufigsten Gefahren, weil Tiere darin gefangen werden oder bei der Wanderung zwischen Sommer- und Winterlebensraum überfahren werden.[16][17]
Alle Reptilien in Wien sind nach dem Wiener Naturschutzgesetz in allen Entwicklungsstadien streng geschützt. Es ist verboten, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten, sie absichtlich zu stören, ihre Fortpflanzungs- und Ruhestätten zu zerstören oder Tiere oder Eier aus der Natur zu entnehmen. Auch Handel, Besitz und Transport wild entnommener Tiere sind untersagt.[18]
Reptilienfreundliche Stadt: Was man selbst tun kann
Weil Reptilien sehr stark auf Mikrostrukturen reagieren, können schon kleine Maßnahmen im eigenen Umfeld viel bewirken. Empfohlen werden naturnahe Hecken statt steriler Thuja-Reihen, besonnte Trockensteinmauern mit Fugen und Spalten, Lesesteinhaufen, Reisig- und Laubhaufen, Kompostplätze und strukturreiche Wiesen. In Gärten, Parks und auf Friedhöfen lassen sich solche Elemente relativ einfach umsetzen, ohne die Nutzung einzuschränken.[19]
Ein Gartenteich mit flachen Uferzonen, heimischen Wasserpflanzen und ohne Fische bietet Ringel- und Würfelnattern sowie Amphibien Lebensraum und Jagdmöglichkeiten. Gesicherte Kellerschächte, Ausstiegshilfen aus Pools und das Abdecken von gefährlichen Fallen wie glatten Schächten helfen, dass Tiere nicht unbemerkt verenden. Der Verzicht auf Herbizide und Insektizide schützt sowohl Reptilien als auch ihre Beutetiere und stärkt die gesamte Stadtnatur.[20]
Die Stadt Wien bündelt viele solcher Maßnahmen im Arten- und Lebensraumschutzprogramm Netzwerk Natur. Projekte wie neue Lesesteinhaufen, Trockenmauern und vernetzte Reptilienlebensräume in mehreren Bezirken sollen Vorkommen von Schlingnatter, Smaragdeidechse und Zauneidechse langfristig sichern und ausbauen.[21]
Reptilien, Stadtökologie und Klimawandel
Reptilien reagieren als wechselwarme Tiere besonders sensibel auf Temperatur, Feuchtigkeit und Struktur des Lebensraums. In Wien machen sich Klimawandel und Stadtentwicklung zugleich bemerkbar: längere Wärmephasen, veränderte Niederschlagsmuster und stärkere Hitzebelastung verändern Vegetation, Bodenfeuchte, Wasserstände und damit Lebensbedingungen für Eidechsen, Schlangen und die Sumpfschildkröte. Maßnahmen der Stadt zur Entsiegelung, zur Schaffung von Grünstrukturen, zur naturnahen Ufergestaltung und zur Vernetzung von Lebensräumen greifen daher direkt in die Reptilienlebensräume ein.
Reptilien werden in der Fachliteratur nicht nur als gefährdete Tiergruppe beschrieben, sondern auch als Indikatoren für funktionierende Kleinstrukturen und Übergangszonen zwischen Wald, Wiese, Gewässer und Siedlung. Naturnahe Böschungen, Weinberge, Trockenrasen, Brachen und Auwälder, wie sie in Wien etwa im Nationalpark Donau-Auen, im Wienerwald und an vielen Stadträndern vorkommen, gelten als Schlüsselräume der urbanen Herpetofauna.[22]
In der finden sich neben den Reptilien weitere Tiergruppen, die eng mit denselben Lebensräumen verbunden sind, etwa Amphibien in Wien, Wasservögel in Wien und künftige Seiten zu Fischen, Libellen oder Stadtvögeln in Auwäldern und Weingärten. Gemeinsam erzählen sie die Geschichte einer Stadt, in der Trockenrasen, Weingärten, Auen und Parklandschaften ebenso zur Stadtökologie gehören wie Häuser, Straßen und Plätze.
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Quellen
- ↑ Stadt Wien: Archivmeldung „In Wien schlängelt und züngelt es!“, Angabe von neun heimischen Reptilienarten in Wien, darunter drei Eidechsenarten, die Blindschleiche, vier Schlangenarten und die europäische Sumpfschildkröte, wien.gv.at/presse, 25. Mai 2022.
- ↑ NHM Wien: Pressemitteilung „Wien: Amphibien & Reptilien in der Großstadt“ mit Angaben zu 17 Amphibien- und neun Reptilienarten im Stadtgebiet, 2. Dezember 2021.
- ↑ Stadt Wien: Archivmeldung „In Wien schlängelt und züngelt es!“, Aufzählung der neun heimischen Reptilienarten in Wien, wien.gv.at/presse, 25. Mai 2022.
- ↑ Stadt Wien – Umweltschutz: Broschüre „Reptilien in Wien. Ein Leitfaden“, Artenliste mit Zauneidechse, Smaragdeidechse, Mauereidechse, Blindschleiche, Ringel-, Würfel- und Schlingnatter, Äskulapnatter und europäischer Sumpfschildkröte, wien.gv.at/umweltschutz/pdf/reptilien.pdf.
- ↑ Stadt Wien: „Schlangen in der Stadt“, Information zu Ringel-, Schling-, Würfel- und Äskulapnatter, ihre Nahrung und ihre Rolle als natürliche Schädlingsbekämpferinnen, wien.gv.at/umwelt/schlangen.
- ↑ NHM Wien: Pressemitteilung „Wien: Amphibien & Reptilien in der Großstadt“, Beschreibung der urbanen Herpetofauna und ihrer Bedeutung, nhm-wien.ac.at.
- ↑ Stadt Wien – Umweltschutz: „Reptilien in Wien. Ein Leitfaden“, Kapitel zu Lebensräumen heimischer Reptilien und Beispielen wie Wertheimsteinpark, Rodaun, Lobau und Donauinsel, wien.gv.at/umweltschutz/pdf/reptilien.pdf.
- ↑ Stadt Wien – Umweltschutz: „Reptilien in Wien. Ein Leitfaden“, Portraits von Zaun-, Smaragd- und Mauereidechse sowie Blindschleiche mit Angaben zu Lebensräumen und Verbreitung, wien.gv.at/umweltschutz/pdf/reptilien.pdf.
- ↑ Stadt Wien: „Schlangen in der Stadt“, Beschreibung von Lebensräumen und typischen Standorten von Ringel-, Würfel-, Schling- und Äskulapnatter in Wien, wien.gv.at/umwelt/schlangen.
- ↑ Stadt Wien – Umweltschutz: „Reptilien in Wien. Ein Leitfaden“, Portraits der vier in Wien vorkommenden Schlangenarten mit Angaben zu Lebensraum, Nahrung und Verbreitung, wien.gv.at/umweltschutz/pdf/reptilien.pdf.
- ↑ Stadt Wien – Umweltschutz: „Reptilien in Wien. Ein Leitfaden“, Kapitel zur europäischen Sumpfschildkröte mit Angaben zu bevorzugten Teichen, Tümpeln und langsamen Fließgewässern, wien.gv.at/umweltschutz/pdf/reptilien.pdf.
- ↑ Tiergarten Schönbrunn: „Wilde Amphibien und Reptilien im Tiergarten“, Hinweis auf 14 Reptilienarten in Österreich, neun davon in Wien, sowie Lebensraumverlust als zentrale Gefährdung, zoovienna.at.
- ↑ Stadt Wien: „Schlangen in der Stadt“, Beschreibung von Frühjahrsbegegnungen, Sonnenbädern und Rückzugsverhalten der Schlangen in Wien, wien.gv.at/umwelt/schlangen.
- ↑ Stadt Wien – Umweltschutz: „Reptilien in Wien. Ein Leitfaden“, Hinweise auf Sonnenplätze, Versteckstrukturen und Beispiele wie Wertheimsteinpark, Dornbacher Friedhof oder Weingärten, wien.gv.at/umweltschutz/pdf/reptilien.pdf.
- ↑ Stadt Wien – Umweltschutz: „Reptilien in Wien. Ein Leitfaden“, Kapitel „Was macht Reptilien das Leben schwer?“ mit Hinweisen auf Straßen- und Wasserbau, Intensivlandwirtschaft, Uferverbauungen und Beseitigung von Brachen, wien.gv.at/umweltschutz/pdf/reptilien.pdf.
- ↑ Tiergarten Schönbrunn: „Wilde Amphibien und Reptilien im Tiergarten“, Hinweise auf Lebensraumverlust, Straßenverkehr und Hauskatzen als Gefahren für Reptilien, zoovienna.at.
- ↑ Stadt Wien – Umweltschutz: „Reptilien in Wien. Ein Leitfaden“, Abschnitt zu Gefahren durch Straßenverkehr, Hauskatzen, Pflanzenschutzmittel und Lebensraumzerschneidung, wien.gv.at/umweltschutz/pdf/reptilien.pdf.
- ↑ Stadt Wien – Umweltschutz: „Reptilien in Wien. Ein Leitfaden“, Kapitel „Gesetzlicher Schutz“, Zusammenfassung der Verbote nach Wiener Naturschutzgesetz und -verordnung, wien.gv.at/umweltschutz/pdf/reptilien.pdf.
- ↑ Stadt Wien – Umweltschutz: „Reptilien in Wien. Ein Leitfaden“, Kapitel „Unterstützung für Reptilien“ mit Empfehlungen zu Hecken, Trockensteinmauern, Lesesteinhaufen, Steingärten und pestizidfreiem Gärtnern, wien.gv.at/umweltschutz/pdf/reptilien.pdf.
- ↑ Tiergarten Schönbrunn: „Wilde Amphibien und Reptilien im Tiergarten“, Hinweise auf naturnahe Gartengestaltung, sichere Schächte, Ausstiegshilfen aus Pools und Verzicht auf Pflanzenschutzmittel als Schutz für Amphibien und Reptilien, zoovienna.at.
- ↑ Stadt Wien – Umweltschutz: „Reptilien in Wien. Ein Leitfaden“, Projektkapitel „Ein Programm für Wiener Reptilien“ mit Beispielen aus Wertheimsteinpark, Mizzi-Langer-Wand, Wienerwald und Lesesteinhaufen-Projekt, wien.gv.at/umweltschutz/pdf/reptilien.pdf.
- ↑ NHM Wien: Pressemitteilung „Wien: Amphibien & Reptilien in der Großstadt“, Beschreibung von Auwäldern, Wienerwald und kleineren Schutzgebieten als Lebensräume von 17 Amphibien- und neun Reptilienarten im Stadtgebiet, nhm-wien.ac.at.