Nikolaus

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Rituale und Brauchtum
Nikolaus
Brauchtum in Wien

Der heilige Nikolaus, im Wiener Sprachgebrauch meist einfach Nikolo genannt, gehört zu den wichtigsten Gestalten der Vorweihnachtszeit. Lange bevor der Weihnachtsabend mit Christbaum und Bescherung zum Mittelpunkt des Festes wurde, war der Nikolo in Wien der eigentliche Gabenbringer für Kinder.

Advent Kinderbrauch Nikolo Krampus


Der heilige Nikolaus in Wien

Brauch: Der Nikolo kommt mit dem Krampus

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Nikolaus

Der heilige Nikolaus, der Überlieferung nach 342 als Bischof von Myra gestorben, wird am 6. Dezember gefeiert; im Wiener Brauch liegt der eigentliche Schwerpunkt auf dem Vorabend des Festes, also auf dem 5. Dezember. Im Wiener Sprachgebrauch wurde aus Nikolaus seit langem die vertraute Form Nikolo.

Das Nikolausfest war in Wien das wichtigste der vorweihnachtlichen Feste. Es wurde früh als Kinderfest heimisch und dürfte schon im Mittelalter eine pädagogische Rolle gespielt haben, auch wenn aus dieser frühen Zeit nur wenige konkrete Wiener Nachrichten überliefert sind.[1]

Gabenbringender Nikolo

Zu den ältesten Nachrichten über den Wiener Nikolausbrauch zählt der Bericht des englischen Arztes Edward Brown, der in seinen Reiseaufzeichnungen über Österreich aus den 1670er Jahren erwähnt, dass man den Kindern am Nikolaustag kleine Geschenke in die Schuhe legte. Dieser Brauch erfasste offenbar alle gesellschaftlichen Schichten.[2]

Auch am Wiener Hof war der Nikolausbrauch fest verankert. In der kaiserlichen Familie war es üblich, am Vorabend des Festes, am 5. Dezember, bei der sogenannten St. Nicolas Einlegung Geschenke zu überreichen. Im Unterschied zu späteren Gewohnheiten erhielten Kinder damals oft die schönsten Gaben nicht zu Weihnachten oder zum Geburtstag, sondern eben zum Nikolausfest.

Aus dem späten 17. Jahrhundert ist zudem ein bemerkenswerter Hausbesuch überliefert: In der Pfarre St. Stephan wurde ein verkleideter Nikolaus bestellt und bezahlt, der in das Haus der hochadeligen Familie Harrach kam. Dort hielt er eine kleine Predigt und verteilte anschließend Geschenke. Eltern und Verwandte waren dabei die Zuschauerinnen und Zuschauer dieses frommen und zugleich theatralischen Auftritts.[3]

Nikolo und Krampus

Im 18. Jahrhundert häufen sich die Berichte über den Umzug des gabenbringenden Nikolo und seines Begleiters, des strafenden Krampus. Der Nikolo erschien als wohlwollende, ermahnende und schenkende Figur, während der Krampus die drohende und abschreckende Seite des Brauchs verkörperte.[4][5]

Schon damals wurden allerdings auch Missbräuche bekannt. Krampusse schlugen auf der Straße auf Kinder und Erwachsene ein und gaben Anlass zu Beschwerden. Zugleich entdeckte die Geschäftswelt den Brauch für sich: Man bot Schokoladefiguren, Gesichtsmasken, Krampuskarten und sogenannte Zwetschkenkrampusse an. So wurde aus dem religiösen Kinderfest mehr und mehr auch ein städtisches Saisongeschäft.

Unter Maria Theresia sind Nikolobescherungen auch bei Hof bezeugt. Das zeigt, wie tief der Brauch bereits im gesellschaftlichen Leben Wiens verankert war – von der ärmeren Bevölkerung bis in die höfische Welt.

Der Nikolausbaum

Eine klare Trennung zwischen Nikolaus- und Weihnachtsbräuchen bestand in Wien lange nicht. Ab der josephinischen Zeit, also um 1782, wird von einem grünen Baum mit brennenden kleinen Kerzen berichtet, den der Nikolaus den Kindern brachte. Dieser kleine Lichterbaum steht an der Schwelle zwischen älterem Nikolausbrauch und späterem Christbaum.[6][7]

Die wohl älteste bildliche Darstellung dieses Brauchs findet sich in Franz Xaver Paumgartens Illustriertem Erinnerungsbüchlein für die Wiener Kaufmannsfamilie Carl Baumann von 1820. Das Bild zeigt eindrucksvoll, wie eng Nikolo, Krampus und der noch junge Lichterbaum damals zusammengehörten.[8]

Vom Nikolo zum Weihnachtsabend

Noch 1817 berichtet Karoline Pichler, dass die Bescherung nach alter österreichischer Sitte am Nikolaustag stattgefunden habe. Im selben Jahr spricht Franz Grillparzer von dem am 5. Dezember vom Nikolaus gebrachten Bescherungsbaum voll Lichtern und kleinen Gaben. Das zeigt, wie lebendig die ältere österreichische Festordnung noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts war.

Erst allmählich verschob sich der Schwerpunkt der Bescherung vom Nikolaustag auf den Weihnachtsabend. Seit der Ausbreitung des Christbaums, der in Wien um 1815 erstmals sicher fassbar wird, vermischten sich beide Feste für längere Zeit. Die Krippe blieb zwar zunächst das wichtigste Symbol der Weihnachtszeit, wurde aber im Laufe des 19. Jahrhunderts immer stärker vom Christbaum verdrängt.

Seit den letzten Jahrzehnten der Monarchie verfestigte sich schließlich jener Festtagskalender, der bis heute die Wiener Vorweihnachtszeit prägt: Der Nikolo bringt am 5. Dezember kleine Gaben, Weihnachten gehört dem Christbaum, der Krippe und der Bescherung am Heiligen Abend.

Nikolo heute

Der Nikolo ist in Wien bis heute keine bloße Erinnerungsfigur geblieben. Auch heute noch kommen am 5. Dezember vielerorts verkleidete Nikolodarsteller in die Wohnungen und Häuser. Oft sind es Schauspieler, Studenten oder Mitglieder von Vereinen, die gebucht werden und den alten Hausbesuch weiterführen. Mit goldenem Buch, Sack und kleinen Gaben knüpfen sie an jene Wiener Tradition an, in der der Nikolo nicht nur in der Kirche oder auf dem Markt, sondern ganz unmittelbar im familiären Rahmen erschien.


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Quellen