Krampus

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Rituale und Brauchtum
Krampus
Brauchtum in Wien

Der Krampus ist die dunkle Gegenfigur zum heiligen Nikolaus, dem Wiener Nikolo. Während der Nikolo lobt und beschenkt, steht der Krampus für Drohung, Strafe und Schreck – und gehört damit zu den markantesten Gestalten der Wiener Vorweihnachtszeit.

Advent Nikolo Krampus Volksglaube


Die Gestalt des Krampus

Brauch: Nostalgisches Good-Cop-Bad-Cop-Spiel

Krampus Wien Museum Online.jpg

Krampus [1]

Der Krampus ist eine monsterhafte Gestalt und gilt als Begleiter des heiligen Nikolaus, der im Wiener Sprachgebrauch Nikolo genannt wird. Während der Nikolaus brave Kinder beschenkt, werden schlimme Kinder vom Krampus bestraft. Die Figur ist vor allem im Brauchtum des ehemaligen habsburgischen Raums verbreitet und gehört damit auch ganz selbstverständlich zur Wiener Vorweihnachtszeit.

Der Name Krampus stammt vermutlich vom mittelhochdeutschen Wort Krampen, das Kralle bedeutet. Schon die Wortform verweist auf etwas Greifendes, Bedrohliches und Tierhaftes – also genau auf jene Eigenschaften, die das Erscheinungsbild des Krampus bis heute prägen.[2]

Dargestellt wird der Krampus meist als ziegenfüßige, behaarte Teufelsgestalt mit Hörnern. Ketten, Glocken und eine Weidenrute gehören häufig zu seinem Auftreten. Die Rute hatte dabei ursprünglich einen pädagogisch-strafenden Sinn: Sie war weniger bloßes Requisit als vielmehr sichtbares Zeichen der Drohung gegen unartige Kinder.[3][4]

Gut und Böse

Die scharfe Gegenüberstellung von gutem Nikolaus und bösem Krampus scheint sich in ihrer klar ausgeprägten Form vor allem in der Barockzeit verfestigt zu haben, auch wenn die Wurzeln der Krampusgestalt älter sein dürften. Der Nikolaus erscheint als Lichtgestalt, als frommer Bischof und Gabenbringer; der Krampus ist sein dunkler Begleiter, der Angst, Tadel und Strafe verkörpert.

Die teufelshafte Darstellung, die früher verbreiteten Flügel und das Tragen von Ketten erinnern an Luzifer, den gefallenen Engel. In dieser Bildsprache wird der Krampus fast zum gebändigten Teufel, der zwar bedrohlich auftritt, aber doch unter der Kontrolle des heiligen Nikolaus steht. Gerade darin lag seine pädagogische Funktion: Das Böse erschien, blieb aber gezähmt und dem Guten untergeordnet.

Krampus und Perchten

Eine klare Trennung zwischen Krampus und den im alpenländischen Brauchtum verbreiteten Perchten ist nicht immer möglich. Auch die Perchten treten mit grässlichen Fratzen, Kettengerassel und Glocken auf und sollen böse Geister des Winters vertreiben. In vielen Regionen haben sich beide Traditionen im Lauf der Zeit vermischt.

Im Jahreslauf unterscheiden sich die beiden Brauchfiguren jedoch meist deutlich. Der Krampus erscheint vor allem am 5. Dezember, also am Vorabend des Nikolaustags, und in Begleitung des Nikolaus auch am 6. Dezember. Die Perchten dagegen gehören stärker in die Rauhnächte zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag am 6. Jänner.

Krampus in Wien

Für Wien gibt es seit dem 17. Jahrhundert Quellen, die belegen, dass Nikolaus und Krampus gemeinsam in die Häuser kamen. Meist geschah dies schon am Abend des 5. Dezember. Während der Nikolaus lobte, fragte und beschenkte, trat der Krampus als drohender Begleiter auf, der die Kinder einschüchtern und im Notfall bestrafen sollte.

Im 18. Jahrhundert häufen sich Berichte über den Umzug des gabenbringenden Nikolo und seines Begleiters. Gleichzeitig werden schon damals Missbräuche greifbar: Krampusse schlugen auf der Straße auf Erwachsene und Kinder ein. Der Brauch hatte also immer auch eine wilde, ungebändigte Seite, die in Wien nicht nur bewundert, sondern ebenso kritisiert wurde.[5]

Die Geschäftswelt machte sich den Brauch früh zunutze. Angeboten wurden Schokoladefiguren, Gesichtsmasken, Krampuskarten und sogenannte Zwetschkenkrampusse. So wurde der Krampus nicht nur zur Schreckgestalt, sondern auch zu einer populären Figur der vorweihnachtlichen Alltagskultur.

Zwischen Furcht und Spiel

Der Krampus war in Wien nie nur eine Figur des Schreckens. Zwar wurde sein Auftreten immer wieder als pädagogisch fragwürdig oder sogar gewalttätig empfunden, doch gehörte er für viele Kinder und Erwachsene dennoch selbstverständlich zum Nikolausabend dazu. Schon im 19. Jahrhundert wurde beklagt, dass Kinder den Krampus nicht mehr ernst nähmen, ihn verspotteten oder an der Stimme erkannten.

Vor allem in der Zwischenkriegszeit wurde der Krampusunfug von sozialdemokratischer Seite offen bekämpft. Man kritisierte die Figur als Symbol körperlicher Gewalt, als Mittel der Einschüchterung und als Relikt einer autoritären Erziehung. Trotzdem verschwand der Krampus nicht aus dem Wiener Brauchtum, sondern blieb – in wechselnden Formen – ein fester Bestandteil des Advents.

Krampus heute

Auch heute gehört der Krampus in Wien und im weiteren Alpenraum zur Vorweihnachtszeit. Zwar tritt er im städtischen Raum meist gezähmter auf als früher, doch bei Nikolo-Besuchen, Veranstaltungen und Krampusläufen lebt die alte Figur weiter. Damit bleibt er ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie sich religiöse Erziehung, Volksglaube, Winterbrauch und Schaulust in einer einzigen Gestalt verbinden.


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Quellen

  1. Josef (József) von Diveky (Divéky) (Künstler), Wiener Werkstätte (Verlag), Postkarte der Wiener Werkstätte Nr. 247: Krampuskarte, 1909, Wien Museum Inv.-Nr. 101968/101, CC0 (https://sammlung.wienmuseum.at/objekt/178961/)
  2. https://austria-forum.org/af/AustriaWiki/Krampus
  3. https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Krampus
  4. https://magazin.wienmuseum.at/der-krampus
  5. https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Nikolaus_%28Heiliger%29