Krippen

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Rituale und Brauchtum
Krippen
Brauchtum in Wien

Die Krippe war in Wien über Jahrhunderte das eigentliche Symbol der Weihnachtszeit. Sie ist wesentlich älter als der Christbaum und prägte nicht nur die Kirchen, sondern auch den Weihnachtsmarkt, der ursprünglich ein Krippenmarkt war.

Weihnachten Krippe Christkindlmarkt Volksfrömmigkeit


Das alte Symbol der Weihnachtszeit

Brauch: Das neugeborene Jesuskind wird bestaunt

Krippenschau Peterskirche CM.jpg

Krippenschau Peterskirche

Krippen waren in Wien jahrhundertelang das eigentliche Symbol der Weihnachtszeit und sind wesentlich älter als der Christbaum. Auch der Christkindlmarkt war ursprünglich ein Krippenmarkt. Damit gehört die Krippe zu jenen Weihnachtsbräuchen, die das Wiener Festleben lange prägten, bevor sich der Christbaum im 19. Jahrhundert durchsetzte.

Die Wurzeln der Krippendarstellung reichen bis ins Mittelalter zurück, auch wenn die eigentlichen Krippen, wie man sie heute kennt, erst im 16. Jahrhundert von Italien nach Österreich kamen. Die ältesten Wiener Krippen standen in Franziskaner- und Jesuitenkirchen. Von dort aus verbreitete sich die Darstellung der Geburt Christi zunächst im kirchlichen Raum und wurde später auch im städtischen Brauchtum wirksam.[1][2]

Barocke Pracht und josephinisches Verbot

In der Barockzeit wurden die Krippen immer reicher und prunkvoller gestaltet. Gerade diese prachtvolle, volkstümlich geliebte Form des Weihnachtsbrauchtums geriet jedoch im Zeitalter der Aufklärung unter Druck. 1782 wurden Kirchenkrippen im Zuge der josephinischen Reformen verboten.[3]

Das Verbot wurde allerdings nur unvollständig beachtet. So ist etwa für das Jahr 1787 eine Krippe in der Kirche Am Hof belegt. Wie bei anderen josephinisch bekämpften Formen des Barockkatholizismus zeigt sich auch hier, dass sich tief verwurzelte Weihnachtsbräuche in Wien nicht einfach beseitigen ließen.

Neben den Krippen selbst gehörten auch Krippenspiele zum Brauchtum. Sie machten das Geschehen von Bethlehem anschaulich und verbanden religiöse Erzählung, Volksfrömmigkeit und festliche Darstellung. Gerade darin lag die große Anziehungskraft der Krippe: Sie war nicht bloß Schmuck, sondern eine sichtbare, beinahe begehbare Weihnachtsgeschichte.[4][5]

Der Krippenmarkt

In den 1780er Jahren fanden Krippen auch Eingang in den Wiener Weihnachtsmarkt, auf dem sie eine dominierende Rolle spielten. Der Markt auf dem Graben war damals wesentlich ein Krippenmarkt und erfreute sich zeitgenössischen Berichten zufolge besonderer Beliebtheit.

Damit war die Krippe nicht nur in Kirchen und Häusern gegenwärtig, sondern auch im öffentlichen Raum der Stadt. Wer den Markt besuchte, begegnete dort Krippen, Figuren und Zubehör für die weihnachtliche Ausstattung. Der spätere Christkindlmarkt trägt diese ältere Schicht seiner Geschichte noch immer in sich.

Der Christbaum drängt die Krippe zurück

Ab den 1820er Jahren wurden die Krippen in Wien nach und nach durch den Christbaum zurückgedrängt. Zunächst blieben sie noch ein selbstverständlicher Teil des Weihnachtsfestes, doch sie verloren ihre Vorrangstellung. Erstmals 1827 wird der Krippenmarkt durch einen Christmarkt abgelöst, auf dem Christbäume zum Verkauf angeboten wurden.

Der endgültige Sieg des Christbaums über die Krippe fällt in die 1830er Jahre. Mit ihm änderte sich auch die Gewohnheit des Schenkens. Hatte bis dahin der Nikolo die Gaben gebracht und sollte Weihnachten nach dem Wunsch der Geistlichkeit vor allem ein religiös-besinnliches Fest bleiben, so trat nun immer stärker das Christkind in den Vordergrund, das die Geschenke unter den festlich geschmückten Baum legt.

Die Krippe verschwand damit jedoch nicht. In Wien blieb sie als zusätzliches Symbol der Weihnachtszeit erhalten und bewahrte ihren festen Platz besonders in Kirchen und in katholisch geprägten Familien.

Krippen in Wien heute

Bis heute gehört die Krippe selbstverständlich zur Wiener Weihnachtskultur. Gerade in den Kirchen der Innenstadt werden in der Advent- und Weihnachtszeit weiterhin besonders schöne Krippen aufgestellt. Die Wiener Innenstadt mit ihrer Dichte an Gotteshäusern lädt sogar eigens zu Krippenbesuchen und kleinen weihnachtlichen Rundgängen ein.[6]

So zeigt sich in Wien bis heute eine eigentümliche Doppeltradition: Der Christbaum beherrscht das weihnachtliche Wohnzimmer, die Krippe aber bewahrt die ältere, erzählende und religiöse Bildwelt des Festes. Gerade diese Verbindung von festlichem Schmuck und sichtbarer Heilsgeschichte macht den besonderen Rang der Krippe im Wiener Brauchtum aus.[7][8]


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Quellen