Am Hof 3-4

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Das Gebäude

Ein Bild.

Bezirk

1., Innere Stadt

Aliasadressen
=Am Hof 3-4
=Naglergasse 22-24
=Irisgasse 2
Konskriptionsnummer
vor 1862: 319, 320, 321
vor 1821: 347, 348, 349
vor 1795: 216, 215, 214
Baujahr
1913
Architekten (Bau)
Otto Schönthal, Marcel Kammerer und Emil Hoppe
Inhaltslizenz: CC-BY-SA 4.0


Das Adam-und-Eva-Haus - Architektur und Geschichte

Heute ist hier das Haus der Österreichischen Kontrollbank. Den Bau hatte 1913 die Zentralbank Deutscher Sparkassen veranlasst, und dafür die Otto-Wagner-Schüler Hoppe, Schönthal und Kammerer beauftragt. Als die Bank in der Zwischenkriegszeit pleite ging, richtete Engelbert Dollfuß hier die Zentrale der "Vaterländischen Front" ein.

Am 12.3.1938 marschierten die Nazis in Wien ein, in der selben Nacht noch wurde in diesem Haus die Fahne mit dem Hakenkreuz gehisst - es war kampflos übergeben worden. Die NSDAP brachte sofort die Gauleitung in den Räumlichkeiten unter, nach deren Übersiedlung ins Parlament nutzte es die Partei als Bürohaus. Natürlich brauchte es nicht lange, bis das Haus ins Deutsche Reich einverleibt wurde - erst 1948 wurde es an die Republik Österreich rückerstattet.

Vorgängerhäuser

Im 13. Jahrhundert gehörte das Haus Ulrich II., der ein Vertrauter des Habsburger Rudolf I. war. Es ist nicht geklärt, ob er das Haus erbauen ließ oder kaufte, urkundlich erwähnt ist es jedenfalls erst 1391. Zwischen 1764 und 1775 gehörte das Haus dem Buchdrucker Josef Lorenz Edler von Kurzböck, das hübsche Häuschen hatte zu der Zeit zwei Stockwerke und ein Spitzdach. Im ersten Stock des Hauses war eine Militäragentur eingemietet, die sich mit der gerichtlichen Vertretung von Soldaten auseinandersetzte – im Volksmund nannte man es daher auch „Militärstöckel“. [1]

In alten Grundbüchern findet sich auch die Bezeichnung „Zum heiligen Pankratz“, denn ab dem Jahr 1155 stand an dieser Stelle die Pankrazkapelle, damals direkt an der Stadtmauer gelegen.

Am Hof 4, Pankrazkapelle

Kirche Symbol.jpg

Die Kapelle entstand vermutlich schon bei der Errichtung der landesfürstlichen Residenz um 1155, sie dürfte dem Gesinde der Burg gedient haben. Urkundlich scheint sie erstmals in einem Dokument von 1208 auf, das sich als gefälschtes Privileg (datiert auf 1161) herausgestellt hat. Angeblich hatte Heinrich II. Jasomirgott die Kapelle als Schenkung an die Schotten gedacht. Bis zu Anfang des 15. Jahrhunderts stand die Kapelle nahezu frei, den Haupteingang zum Platz Am Hof gerichtet. [2]

Die Häuserzeile, die hinter der Kapelle entstand, nannte sich dann "Hinter Sankt Pankraz", verbunden durch kleine Gässchen neben der Kapelle.[3]

Die Kapelle bestand bis 1575 - sie wurde damals von Gutachtern der Stadt schon als desolat beschrieben -, dann wurde sie in ein Haus umgebaut, das bis 1604 in Besitz der Familie Beck von Leopoldsdorf stand, später gehörte es den Jesuiten.[4]

Gedenktafel der Apostolischen Nuntiatur

Graf Michael Adolf Althan schenkte 1630 das Haus Papst Urban VIII., um diesem die Einrichtung einer Nuntiatur zu ermöglichen. Bis zu der Schenkung wohnte der päpstliche Gesandte im Franziskanerkloster. 1913, als das Haus demoliert wurde, übersiedelte die Nuntiatur in die Theresianumgasse 33.

An die Apostolische Nuntiatur und Papst Innozenz XII. (Antonio Pignatelli) erinnert eine Gedenktafel:

Das Adam-und-Eva-Spiel

Erotik Symbol.jpg

Das Schild am Haus, das Adam und Eva zeigte, war im 17. Jahrhundert der Namensgeber. Den Namen hatte das Haus mit der Konskriptionsnummer 319 erhalten, weil in der nahegelegenen Irisgasse das beliebte Adam-und-Eva-Spiel abgehalten wurde.

Im 17. Jahrhundert war das Spiel während der gesamten Faschingszeit eine Belustigung für die Bevölkerung, insbesondere vor diesem Haus und in der Irisgasse spielte sich ein wildes Treiben ab. Karl der VI. entschied, dass das Spiel nur mehr an den letzten drei Faschingstagen stattfinden dürfe, unter Maria Theresia wurde es wegen Sittengefährdung endgültig verboten. [5]

Das Hallweilsche Haus

Das zweite Haus an der Stelle des heutigen Gebäudes war das Hallweilsche Haus (Nummer 320). Es stammt aus dem Jahr 1391 und grenzte an die Pangratzkapelle. Im 15. Jahrhundert gehörte es dem Bürgermeister Paul Würffel, 1613 erwarben es die Jesuiten, aber 1630 verkauft.

1658 ist als Besitzer Dominik Getto, ein italienische Händler, nachweisbar. 1754 kaufte es die Gräfin Maria Anna Hallweil, die auch anstelle des alten zweistöckigen Hauses ein fünfstöckiges errichten ließ. Es wurde 1878 abgerissen, den Namen Hallweilsches Haus behielt es jedoch.

Erst 1878 wurde das Haus mit dem benachbarten Hallweilschen Haus (Nummer 320) vereint. 1913 entstand der heutige Neubau. [6]

Ausgrabungen

Ausgrabungscode [7] zeitliche Lagerung Beschreibung der Fundstücke
190902 römisch Im Jahr 1909 wollte man ein öffentliches WC und den dazugehörigen Kanals hier verlegen. Bei den Grabungen stieß man auf römisches Straßenpflaster, einen Terrazzaboden und Mauern, die wahrscheinlich aus auch der Römerzeit stammten. Die gestempelten Ziegel weisen auf die 10., 1. und 14. Legion hin; es wurden auch Keramiken und Münzen gefunden
191308 römisch Im Jahr 1913 wurden Reste eines römischen Zwischenturms an der Lagermauer, ein römischer Kanal und weitere römische Mauern sowie zahlreiche Fundstücke aufgedeckt.
187601 römisch Im Jahr 1876 wurden beim Bau der Hochquellenwasserwasserleitung zahlreiche Bruchstücke von römischen Leistenziegeln, einer mit Fußsohlenstempel der 10. Legion, und eckige Tonröhren entdeckt.
191024 römisch Im Jahr 1910 wurde beim Kanalbau beim Haupttor der ehemaligen Nuntiatur ein römischer Fußboden angeschnitten. Dabei stieß man auf einen "Beton" aus Kieseln, Sand, Mörtel und Ziegelklein.

Polizeistation und Büro Cross Industries AG

In dem Haus ist eine der Polizeiinspektionen der Inneren Stadt verortet.

Eine Ebene des Hauses wurde 2007 im modernen Design neu gestaltet, dabei wurden auch die Innenhöfe neu designt.[8]

Wohnhaus bekannter Persönlichkeiten

Wohnhaus des Adalbert Stifter

In Wohnung Nummer 5 des Hauses wohnte zwischen September 1834 und März 1836 Adalbert Stifter.

Alte Ansichten



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Quellen

  1. Richard Groner: Wien wie es war, vollst. neu bearb. von Felix Czeike, Verlag Molden, Wien-München, 1965, 5. Auflage, S. 9
  2. Richard Groner: Wien wie es war. Ein Nachschlagewerk für Freunde des alten und neuen Wien, Fritz Molden-Verlag, 1965, Wien, S. 425
  3. https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Pankrazkapelle
  4. Richard Groner: Wien wie es war. Ein Nachschlagewerk für Freunde des alten und neuen Wien, Fritz Molden-Verlag, 1965, Wien, S. 411
  5. Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Bd. 1. Kremayr & Scheriau, Wien 1992, S. 12
  6. Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Bd. 1. Kremayr & Scheriau, Wien 1992, S. 12
  7. https://www.wien.gv.at/kulturportal/public/searching/search.aspx?__jumpie#magwienscroll
  8. http://www.nextroom.at/building.php?id=31242&inc=home
  9. Adolf F. Czihak (Verlag), 1., Am Hof 4 - Nuntiatur, vor 1913, Wien Museum Inv.-Nr. 79000/1309, CC0 (https://sammlung.wienmuseum.at/objekt/158266/)
  10. Verlag Reinhold Entzmann & Sohn (Verlag), 1., Am Hof 4 - Nuntiatur, vor 1913, Wien Museum Inv.-Nr. 79000/1308, CC0 (https://sammlung.wienmuseum.at/objekt/158263/)