Lainzer Tiergarten

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Lainzer Tiergarten
Wien 13 Lainzer Tiergarten q.jpg
Bezirk 13., Hietzing
Benennung 1954
Lage Westliches Wien, im östlichen Wienerwald; Zugänge u. a. in 1130 (Lainzer Tor, Nikolaitor) und 1230 (Gütenbachtor) sowie westlich über Laab im Walde
Fläche in m² 24.500.000 m²
Vorherige Bezeichnungen Auhof, kaiserlicher Tiergarten
Besonderheiten Naturerlebnispfade (Hermesvillapark, Nikolaitor), markierte Wanderwege und Laufstrecken, Waldspielplätze, Infozentrum; Hermesvilla als Museumsstandort im Gebiet


Der Lainzer Tiergarten

Der Lainzer Tiergarten ist eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete im Wiener Stadtgebiet und wird als Naturschutz- und Erholungsgebiet geführt. Seine besondere Wirkung entsteht durch die Kombination aus großflächigem Wald- und Wiesenmosaik, frei lebendem Wildtierbestand und einer historischen Umfriedung, die den Landschaftsraum klar begrenzt und über definierte Tore erschließt.[1][2]

Als stadtnaher Wienerwald-Teilraum erfüllt der Tiergarten mehrere Rollen zugleich: Er ist ein Rückzugsraum für Arten und Lebensräume, ein großer „Kaltluft- und Ruhepol“ im Westen der Stadt und ein sehr beliebtes Ausflugsziel für Spaziergänge, längere Wanderungen und Naturbeobachtung.[3]

Geschichte und Kulturlandschaft

Der Tiergarten war historisch ein privates Jagdgebiet der Habsburger und entwickelte sich im 20. Jahrhundert schrittweise zu dem heutigen Naturschutz- und Erholungsgebiet.[4] Als sichtbares kulturhistorisches Element prägt insbesondere die Umfriedung den Charakter des Gebiets; sie unterstreicht bis heute, dass es sich um einen eigenständigen Landschaftsraum handelt, der nicht „nur“ Wald am Stadtrand ist.[5]

Ein zentraler Kulturort im Gebiet ist die Hermesvilla, die als Museumsstandort zugänglich ist und die historische Nutzung als kaiserliches Refugium in der Natur anschaulich macht.[6]

Jagd - von 1500 bis 1908

Die Jagd war in der frühen Neuzeit in Österreich grundsätzlich den Landesfürsten vorbehalten und wurde dabei nicht zwingend entlang moderner Grundbesitzlogiken organisiert. Um ein Abwandern des Jagdwilds zu verhindern, entstanden in einzelnen Regionen Umzäunungen und eingefriedete Jagdräume. Als frühe Beispiele gelten ein um 1500 angelegter Wolfsgarten nahe dem Auhof sowie ein Tiergarten bei Laab in Wien, die beide vom Forstmeister Ulrich Ochs eingerichtet wurden.

Den Kern des landesfürstlichen Grundbesitzes bildete der 1560 erworbene Auhof, zu dem neben dem Gut auch Forste und Wiesen gehörten. In den folgenden Jahrhunderten erwarben die Habsburger durch Tausch und Kauf schrittweise weitere Gründe im Gebiet, wodurch sich ein zusammenhängenderes Jagd- und Forstareal herausbildete. Die kaiserlichen Gründe wurden 1755 aus dem Privat- in Staatsbesitz überführt. Die Verwaltung lag zunächst beim Wienerwaldforstamt, ab 1849 beim Ministerium für Landeskultur und ab 1855 beim k.k. Hofärar.

Eine durchgehende Holzumzäunung zur Hege des Schwarzwilds war bereits 1770 geplant. Maria Theresia ordnete diese Einfriedung schließlich mit Patent vom 4. April 1772 an und setzte damit einen wichtigen Schritt zur räumlichen Fixierung des Jagdgebiets.

Westlich angrenzende Gründe wurden 1779 von Joseph II. erworben. Auf seinen Befehl wurde in weiterer Folge – nach Ausschreibung im Jahr 1781 – die Errichtung der Tiergartenmauer beauftragt. Die Bauausführung (1782–1787) wurde dem Maurer Philipp Schlucker übertragen; die Mauer besteht in großen Teilen bis heute und kostete insgesamt 32.500 Gulden. Im Zuge der Klosteraufhebungen gelangten zusätzliche Grundstücke innerhalb der künftigen Umfriedung in kaiserlichen Besitz; 1790 trat zudem die Pfarre Ober-St.-Veit weitere Flächen ab.

Während der napoleonischen Kriege wurde die Mauer 1809 beschädigt, zugleich wurde der Wildbestand durch die französische Besatzung deutlich dezimiert. Weitere Veränderungen der Besitzstruktur ergaben sich 1833 beziehungsweise 1838 durch Grundtausch mit dem Schottenstift sowie mit mehreren Herrschaften (Vösendorf, Erlaa, Inzersdorf, Mauer). Von den Grenzsteinen der einzelnen Besitzkomplexe waren 1986 noch 89 erhalten, was die kleinteilige Vorgeschichte der Flächenzusammenlegung noch nachvollziehbar macht.

Von den zahlreichen Hofjagden im Lainzer Tiergarten gilt jene vom 5. Oktober 1814 als besonders aufwendig; daran nahmen auch die Souveräne teil, die sich während des Wiener Kongresses in Wien aufhielten. Die letzte Hofjagd auf Schwarzwild fand am 9. Dezember 1908 statt und markiert einen späten Schlusspunkt der höfischen Jagdtradition im Gebiet.[7]

Schutzstatus, Tiere und Natur

Der Lainzer Tiergarten ist als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Schutzziele sind insbesondere die Erhaltung einer naturnahen Landschaftsgestalt, des Landschaftshaushalts und der naturnahen Erholung sowie die Bewahrung historisch bedeutsamer Kulturlandschafts-Elemente (u. a. im Umfeld des Hermesvilla-Parks).[8]

In der Praxis bedeutet der Schutzstatus, dass die Erholungsnutzung an klare Regeln gebunden ist und Eingriffe in Natur und Landschaft grundsätzlich nur mit behördlicher Bewilligung zulässig sind.[9]

Er ist Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten und wird auch aufgrund seiner strukturellen Vielfalt (Wälder, Wiesen, Gräben und Bäche) als schützenswerter Naturraum beschrieben. Besonders hervorgehoben werden in der Gebietscharakterisierung unter anderem Altholz- und Totholzanteile sowie die Bedeutung für gefährdete Arten.[10]

Für Besucherinnen und Besucher ist die Tierwelt vor allem durch die Möglichkeit der Wildtierbeobachtung präsent; zugleich ist Wildtiermanagement Teil des Schutz- und Nutzungs-Konzepts.[11]

Zugänge, Wege und Orientierung

Der Zugang erfolgt über mehrere Tore, die je nach Jahreszeit innerhalb der veröffentlichten Öffnungszeiten geöffnet sind. Die Öffnungszeiten orientieren sich an der Tageslänge; außerhalb dieser Zeiten ist es nicht möglich, den Tiergarten zu betreten oder zu verlassen.[12]

Die wichtigsten, gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbaren Zugänge sind [13]

  • das Lainzer Tor Ende der Hermesstraße (Bus 56B ab U4 Hietzing),
  • das St. Veiter Tor am Ende des Hanschwegs (Bus 54B),
  • das Nikolaitor bei der Brauhausbrücke (zu Fuß ab Wien Hütteldorf, U4/S-Bahn),
  • das Gütenbachtor,
  • das Laaber Tor seit 1960; anstelle des älteren Dianators (Busverbindungen ab Liesing, mit anschließendem Fußweg),
  • das Adolfstor am Ende der Adolfstorgasse und
  • das Pulverstampftor bei der Auhofbrücke

Für die Orientierung im Gebiet stehen Übersichtspläne zur Verfügung; im Gelände erleichtern markierte Wege die Routenwahl.[14]

Besuchshinweise

Der Lainzer Tiergarten ist Naturschutzgebiet und gleichzeitig stark frequentiertes Erholungsgebiet. Entsprechend gelten verbindliche Verhaltensregeln; ausdrücklich genannt werden etwa das Hunde- und Fahrverbot (mit einer altersbezogenen Ausnahme für Kinder im Vorschulalter mit Fahrrädern).[15][16]

In der kalten Jahreszeit ist außerdem zu beachten, dass es keinen Winterdienst gibt: Wege werden bei Schnee und Eisglätte nicht geräumt oder gestreut, die Benutzung erfolgt auf eigene Gefahr.[17]

Eindrücke

Filmdokumente

Filmarchiv MediaWien.jpg

Das Stadt- und Landesarchiv zeigt ein Filmdokument über die Errichtungsarbeiten für den Wasserbehälter im Lainzer Tiergarten im Jahr 1937.

Bau des Wasserreservoirs im Lainzer Tiergarten: https://mediawien-film.at/film/175/


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Quellen